RAMMSTEIN – Europe Stadium Tour – Gelsenkirchen, Veltins Arena, 28.05.2019

RAMMSTEIN – Europe Stadium Tour – Gelsenkirchen, Veltins Arena, 28.05.2019

📁 Allgemein, Live, Reviews 🕔29.Mai 2019
RAMMSTEIN – Europe Stadium Tour – Gelsenkirchen, Veltins Arena, 28.05.2019

Die ersten beiden RAMMSTEIN-Shows der heißersehnten Europe-Stadium-Tour-2019 fanden am vergangenen Montag und Dienstag in der Veltins-Arena „Auf Schalke“ in Gelsenkirchen mit je 55.000 Fans statt. Welchen „Run“ es auf die Tickets im Herbst 2018 gegeben hat, ohne überhaupt einen Ton neuer Songs gehört zu haben, ist bekannt, genau so wie die Tatsache, dass die Shows eben im nu ausverkauft waren. Diese Band zieht einfach jeden in seinen Bann, vor allen Dingen mit den Showeffekten. Umso gespannt war man auf die Bühnenkonstruktion als auch die Setlist dieser neuen Tournee, denn das neue Album kennt man mittlerweile seit dem 17.05., welches auch sofort auf Nummer eins in den Charts gestiegen ist.

Rammstein wussten schon immer mit eine fetten Show zu punkten. Nun ist alles noch größer, fetter, lauter und bunter – eben für die Stadien Europas ausgestattet. Die megagroße Bühne wirkt wie eine riesige Raumstation, die vom Supportact Duo Jatekok nicht in Anspruch genommen wird. Die beiden Damen präsentieren im Vorfeld für eine guten Dreiviertelstunde Rammstein-Hits in Piano-Versionen auf einem Bühnenpodest mitten in der Meute. Toll gespielt, als Untermalung sehr gut geeignet, aber als Anheizer für eine Rammstein-Show eben nicht wirklich notwendig. Es ist nun mal eh jeder wegen dem Hauptact da. Und über deren Musik als solche, den Gesang von Till oder die Showeffekte und Verkleidungen müsste man keine Worte sonst verliren. Daher achtet man eher darauf, was ist neu, was ist anders, wie ist die Stadion-Show!?

Das Dach der Arena öffnet sich und gegen 20:25 Uhr ertönt dann endlich das Intro. Während dessen entert Christoph als erster die Bühne, um sich hinter sein Schlagzeug zu setzen. Ein extrem lauter Knall macht die Meute darauf aufmerksam, dass es nun losgeht.
Es folgen Richard, Paul, Oliver und Flake nacheinander während die ersten Töne vom neuen Track „Was ich liebe“ gespielt werden. Der etwas langsamere Anfang des Songs passt sehr gut ins Bild, um die Band nacheinander auf der Bühne zu sehen; Till folgt, sobald der Text einsetzen muss. Durchaus überraschend mit dem Song anzufangen, aber es passt, zumal der Song mit der Zeit doch härter wird. Insgesamt wirken die neuen Songs in der Liveperformance härter und einige Arrangement wirken improvisiert, cool.
Der Sound passt schon mal, auch wenn anfangs die Stimme etwas zu laut eingestellt ist. Es folgt sofort „Links 2-3, 4“ und dann erneut zwei neue Tracks nacheinander. Schon mal Hut ab. Zwar gibt es bis zum Song „Puppe“ keine besonderen Showeinlagen, aber das Licht und die Pyro als auch Bühnenleinwand passen sich jedem Song entsprechend an. Die neue Performance für „Puppe“ ist sehenswert, der übergroße Puppenwagen erzielt seine Wirkung und natürlich muss die Puppe dran glauben; feuertechnisch natürlich. Selbstverständlich bekommt auch das Publikum „Dampf“ ab.
Und ab diesem Zeitpunkt geht es so richtig ab, als ob die Band erstmal selbst mit der großen Bühne zurechtkommen musste.
Was allemal passt, die Lichtshow. Als Lichtdesigner und Lichttechniker bei einer solchen Show mitwirken zu dürfen ist nicht nur eine Herausforderung und Stress, allemal ist es ein Segen, es passt nämlich alles zusammen. Zu jedem Song wird das Licht entsprechend eingesetzt, man kann sich kaum darauf konzentrieren was sonst noch alles überall passiert. Ob Knalleffekte, Feuer. Pyro oder eben die Leinwand-Konstruktion, die in der Mitte des Turms angebracht ist und von unten nach oben gefahren wird. Es gibt auch dann endlich die Gelegenheit mal etwas von der Band zu sehen, zumindest für diejenigen, die nicht in den ersten Reihen stehen. Und da kommen wir zum ersten Manko dieser großen Bühne. Es hätte einfach mehrere Leinwände geben müssen, die diese Show gleichzeitig übertragen, wenn es schon ein so großes Stadion sein muss. Die Fans an den Seiten der Arena haben nicht mal eine Chance einen Blick auf die Leinwand zu erhaschen. Auch wenn es fette Boxen und Knall-Pyroeffekte mittig und hinten in der Halle gibt, so ersetzen diese Showeffekte eben nicht die Nähe zur Band. Und so sehr diese Band auch stadientaugliche Musik machen, so witzig wirken sie auf dieser Bühne. Auch die berüchtigte Feuershow während des Gitarrenspiels von Paul und Richard oder von Till wirkt zu mickrig im Vergleich zur Bühne und der Arena; der Effekt dessen ist einfach nicht wirklich vorhanden. Etwas schmunzeln muss man auch bei dem Remix-Song „Deutschland“, der als B-Seite der Single bekannt sein dürfte. Die Techno-Remix-Variante wirkt ja selbst wie eine Mischung aus Kraftwerk und The Prodigy, aber die Tanzeilange der „Hampelmännchen“ während dessen ist da schon etwas fragwürdig und eher befremdlich. Es folgte aber danach eben die ersten Single des neuen Albums, selbstverständlich wurde dieser Song auch abgefeiert und mitgesungen.
„Mein Teil“ enttäuschte dahingehend, dass die Showelemente gleich geblieben sind wie bei den letzten Tourneen. Sicher, es ist ein cooler Einfall, auch wenn diesmal zum Ende des Songs eine fette Kanone folgt (anstatt des Flammenwerfers), um Flake, der bloß einen Stahlarbeiter-Schutzanzug+Helm trägt und nicht mehr im Kessel sitzt, direkt mit dem Feuer zu „entflammen“. Vielleicht wäre es besser, wie übrigens die selbe Idee mit der „Penis-Kanone“ zum Ende von „Pussy“, diese beiden Songs durch andere zu ersetzen und so mit komplett neuen Showeffekten zu punkten. Aber vermutlich sind dies die Elemente & Songs für Rammstein(-Fans), wie es bei Motörhead ein „Ace Of Spades“ war und bei Metallica es „Enter Sandman“/“Nothing Else Matters“ sind.

„Diamant“, die erste Ballade des Abends kommt wunderschön rüber und „Ohne Dich“ ist sowieso unverzichtbar, Gänsehaut mit ein bisschen Ü-Effekt: „…ich werde nach Gelsenkirchen gehen, dahin wo ich sie zuletzt gesehen…“. Und bei der Darbietung von „Sonne“ hat sicherlich jeder der 55.000 endlich gemerkt, wie wichtig eben eine Bühnendeko und das Licht sind, wenn alles durchdacht je Song eingesetzt werden kann. Ein Traum von Lichtdesign, Text/Musik und Bühnenkonstruktion.

Der Zugabeteil beginnt mit einer rein balladesken Piano-Version von „Engel“ und das mit dem Supportact Duo Jatekok. Dabei ist aber auch die komplette Band auf dem Podest mitten in der Halle, nur den Text singt Till, mit dem Publikum zusammen. Eine wirklich tolle Idee und Umsetzung. Selbstverständlich ist so gut wie jeder im Publikum der Aufforderung gefolgt und hat das Smartphone mit der Taschenlampenfunktion angestellt. Till und Christoph hatten es etwas eiliger zur Bühne und haben den „Fußweg“ genommen, die restlichen Mitglieder durften dann via Gummiboot durch die Menge zur Bühne zurück getragen werden. Auch kein neuer, spezieller Einfall, aber die Meute mag es – der Band scheint die „Bootstour“ auch zu gefallen und klatscht auch die Meute in den ersten Reihen ab. Zum Ende hin gibt es noch richtig Gas, „Rammstein“ und „Ich will“ – verbunden mit einem fetten Sound, vielen Feuer- und Knalleffekten. Mehr als zwei Stunden Spielzeit und dann so ein fettes Finale. Die ersten direkten Worte von Till ans Publikum „Danke schön“ gibt es dennoch und nach dem langen Outro und viel, sehr viel Beifall endet die Show gegen 22:40 Uhr, wie sie auch begonnen hat, mit einem heftig, lauten Megaknall!

Keine Frage, weiterhin ein großartiges Live-Entertainment. Bei Rammstein bekommt man was für sein Eintrittsgeld. Dennoch wirkt die riesige Bühne eben zu groß für die zahlreichen Showelemente in einer solchen Arena, wenn zusätzlich nicht von jedem Stand alles deutlich zu erkennen ist.
Was allemal überrascht und der Band sehr hoch angerechnet werden muss, Rammstein haben neun von insgesamt elf der neuen Stücke des aktuellen Albums auf der Setlist platzieren können (leider ohne „Weit weg“) – zusätzlich Remix-Version von „Deutschland“. Wahnsinn. Das macht eben eine neue Tour, für ein aktuelles Album aus. Dabei mussten die Fans trotzdem nicht auf die zahlreichen, guten alten Hits verzichten.

…also, auch wenn es derzeit heißt, dass alle bisherigen Shows ausverkauft sind, so gab es kurz vor den beiden Auftaktshows in Gelsenkirchen auch noch ein paar Restkarten. Achtet auf die Informationen im Netz, denn die weiteren Termine der Europe Stadium Tour 2019 in Deutschland sind:

08.06.2019 München, Olympiastadion München
12.06.2019 Dresden, Rudolf-Harbig Stadion
13.06.2019 Dresden, Rudolf-Harbig Stadion
16.06.2019 Rostock, Ostseestadion
22.06.2019 Berlin, Olympiastadion Berlin
02.07.2019 Hannover, HDI Arena
13.07.2019 Frankfurt/Main, Commerzbank-Arena

RAMMSTEIN Setlist in Gelsenkirchen vom 28.05.2019!

Intro
Was ich liebe (neu)
Links 2 3 4 (Mutter)
Sex (neu)
Tattoo (neu)
Sehnsucht (Sehnsucht)
Zeig dich (neu)
Mein Herz brennt (Mutter)
Puppe (neu)
Heirate mich (Herzeleid)
Diamant (neu)
Deutschland-Remixversion (neu)
Deutschland (neu)
Radio (neu)
Mein Teil (Reise, Reise)
Du hast (Sehnsucht)
Sonne (Mutter)
Ohne dich (Reise, Reise)
Zugabe:
Engel (Duo Jatekok-Piano-Version mit Band)  (Sehnsucht)
Ausländer (neu)
Du riechst so gut (Herzeleid)
Pussy (LIFAD)
Rammstein (Herzeleid)
Ich will (Mutter)

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