POPIÓŁ – „Zabobony“

POPIÓŁ – „Zabobony“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔15.Mai 2019
POPIÓŁ – „Zabobony“

POPIÓŁ – „Zabobony“

Label: Godz ov War Productions

Laufzeit: 58:02 min

VÖ: 27.02.2019

Genre: archaischer Pagan Black Metal voller majestätischer Kraft – die pure Magie!

POPIÓŁ legen mit „Zabobony“ ihr Debüt vor. Und das hat eine Geschichte, denn die Musik wurde bereits vor 20 Jahren geschrieben, erblickt aber erst jetzt das Licht der Welt. Das ist so großartig wie schrecklich: Großartig ist die Musik, schrecklich die Gewissheit, dass uns diese so lange Zeit vorenthalten wurde. Denn „Zabobony“ ist ein Werk voller kraftstrotzender Poesie, voller Macht, Gewalt und magischer Gefühle.

Zu hören gibt es Pagan Black Metal mit einem ordentlichen Schuss Folk und Volkstümlichkeit. Der kommt schön roh und unbehauen daher, authentisch und natürlich, mit einem dunklen und warmen Sound, der die düstere und melancholische Stimmung der Musik wunderbar einfängt. Dabei erhalten die Instrumente ebenso wie der Gesang und die immer wieder auftauchenden Chöre ausreichend Raum zur Entfaltung, verschlingen sich aber zu einem pulsierenden Klangkörper voller Mystik und kosmischer Weite. Das Schlagzeug agiert abwechslungsreich und variabel, da rumpelt es mit schnellen Beats so souverän voran wie es im Midtempo groovt, da werden perkussive Rhythmen zelebriert wie eine grandiose Beckenarbeit abgeliefert. Die Gitarren verzaubern mit erhabenen Melodien voller Trauer und Melancholie. Die schwingen sich auf über flirrend verzerrten Riffteppichen oder kommen als unverzerrte Harmonielinien daher. Und dann gibt es immmer wieder schwer sägende Riffs, die den puren Heavy Metal zelebrieren, feist, fett und aggressiv („Gdy słońce zgaśnie“, „Chmury“, „Umarli“). Getragen wird die Musik aber ebenso von Bass und Gesang. Der Bass wälzt sich tief knarzend über den Waldboden, schwer, massiv, durchdringend und prägnant, das ist treibend und wuchtig, das ist herausragend einzigartig. Besonders mitreißend ist das, wenn er mit einem besonderen Sound, der nach einem Fretless Bass bzw. Effekten klingt, für Gänsehaut und die Weite eines winterlichen Nachthimmels bei Vollmond sorgt (das Instrumental „Wilcze jagody“, das mantraartige „A kysz“ und das abschließende rezitative Epos „Czerń „). Das ist die pure Magie. Darüber sorgt ein Gesang für Stimmung, der mal mit fauchender Kraft daherkommt, machtvoll dunkel proklamierend, um dann tief aus dem Mittealter als beschwörenbde Liturgie zu uns herüber zu schallen. Unterstützt wird diese sakrale Stimmung nicht nur durch die polnische Sprache, sondern zusätzlich durch an geistliche Gesänge erinnernde Männerchöre, die mit ihrer mantraartigen Eindringlichkeit eine berührende Aura poetischer Feierlichkeit erschaffen.

Diese Aura wird getragen von einer Musik, die Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählt, von Königreichen, die aus Blut, Kraft und purem Willen erbaut wurden, erhalten durch den Glauben an Natur, den ewigen Kreislauf des Lebens, die Wahrhaftigkeit von Brüderlichkeit und Liebe, die Macht des Schicksals und der Vorhersehung. Das ist Dynamik, das ist Fleisch, Schweiß, Muskeln, das ist Demut, das ist Krieg, und Frieden. All das ersteht dann, wenn man sich mit offener Seele tief hineinfallen lässt in diese Welt des Vergangenen, des Heiligen, und sich hinforttragen lässt in etwas, dass es vielleicht nie gab, aber doch tief in uns existiert. Das alles kumuliert in „Umarli“, einem Epos, das alles enthält, was Musik nur in sich aufnehmen kann: Größe, Melodik, Dramatik, Schönheit, Einzigartigkeit, Kosmos, Licht, Liebe.

Fazit: POPIÓŁ ist spirituell, ist Essenz und Kern. Und ist vor allem eines: einfach nur großartige, berührende, begeisternde Musik, die sich aus Folk, Pagan und Black Metal speist, der in uns etwas zum schwingen, zum leben, zum atmen, hören und sehen bringt, das uns glücklich macht, das uns eine Befriedigung und Erfüllung schenkt, die ich nur dankbar annehmen kann. Wie POPIÓŁ das gelingt – ich weiße es ehrlich gesagt nichgt, aber es ist mir einfach egal. Ich genieße, verneige mich ganz tief vor dieser Kunst und sagen aus reinstem, vollstem Herzen: Danke! Und ich bete schon jetzt, dass POPIÓŁ noch weitere solch wunderschöne Kunst erschaffen werden.

Liederliste:

1. Wybiło (6:48)
2. Gdy słońce zgaśnie (7:48)
3. Wilcze jagody (4:15)
4. Ojcze nienasz (7:10)
5. Chmury (9:33)
6. A kysz (4:57)
7. Umarli (9:04)
8. Czerń (8:27)

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