Phil Collins – “Still Not Dead Yet Tour 2019” – Hannover, HDI-Arena, 14.06.2019, Support: Sheryl Crow

Phil Collins – “Still Not Dead Yet Tour 2019” – Hannover, HDI-Arena, 14.06.2019, Support: Sheryl Crow

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔16.Juni 2019
Phil Collins – “Still Not Dead Yet Tour 2019” – Hannover, HDI-Arena, 14.06.2019, Support: Sheryl Crow

Nun kann der Open Air Sommer in Hannover richtig starten. Am Freitag und Samstag gastierte einer der größten Künstler in der HDI-Arena, sonst die Heimat von Zweitligist Hannover 96.

Viel muss man über Phil Collins nicht schreiben: Ausnahmemusiker, Popstar, Bandretter (Genesis), Hitkomponist und Spaßvogel. Schade nur, dass sein Körper nicht mehr richtig mitspielen kann. Nach einer Rückenoperation ist seine Gesundheit angeschlagen. Durch diese Operation wurde sein rechter Fuß in Mitleidenschaft gezogen, weshalb er nur noch im Sitzen performen kann. Seine Stimme allerdings hat nichts an Faszination verloren, etwas dünner vielleicht, aber um Gänsehaut bei 40.000 Besucher zu erzeugen reicht es allemal. So entschuldigte sich Phil noch vor dem ersten Song beim Publikum, dass er nicht wie gewohnt auftreten kann: „Foot fucked. You know the story!“ Seinen Humor hat er noch lange nicht verloren, was er auch mehrfach an diesem Abend bewies. Der Stimmung tat das auch keinen Abbruch. Zweimal erhob sich Phil während des 2-stündigen Konzertes.

Doch bevor Phil zum Zuge kam, durfte Sheryl Crow ran. Sheryl hat sich in den letzten Jahren in Deutschland ziemlich rar gemacht, weshalb viele Fans ihrem Auftritt entgegenfieberten. Gewohnt souverän, in eine blaue Glitzerhose gezwängt und mit verspiegelter Sonnenbrille, lieferte sie mit ihrer Band einen Hit nach dem anderen. Anfangs war die Stimmung zwar noch recht verhalten, was sich aber ab dem dritten Song merklich besserte. Ihr locker flockiger und teils auch rockiger Sound passte zum herrlichen Wetter in der inzwischen gut gefüllten Arena. Bei ihren Hits wie „All I Wanna Do“, „Everyday is a winding Road“ und „Soak up the Sun“ tanzten die Fans und skandierten artig Applaus. Ihr Rock mit Country-Attitüde war genau die richtige Einstimmung auf das, was noch folgen sollte. Sheryl wurde von einer grandiosen Band begleitet, die der Frontfrau den passenden Boden für ihre Hits lieferte. Auch zwei neue Songs des im Herbst erscheinenden Albums präsentierte die 57-jährige in gewohnter Lockerheit und machte damit Appetit auf das Album. Leider war ihr nur eine knappe Stunde Spielzeit gegönnt.

Die folgende 45-minütige Umbaupause ließ den 40000 Fans allen Alters genügend Zeit für den obligatorischen Gang zu den gekachelten Räumen oder mit dem Anstellen an den im ganzen Stadion strategisch verteilten Getränkeständen.

Nach einem Intro mit dem Song „Souareba“ des aus Mali stammenden Sängers Salif Keita ging es los und die Band betrat, gefolgt von Phil Collins, die Bühne. Von Beginn an wurde auch nicht viel Zeit vergeudet, ein Hit folgte dem nächsten. Der Anfang war ein wenig verhalten, denn „Against All Odds (Take A Look At Me Now)“ und „Another Day In Paradise“ sind nicht gerade die schmissigsten Opener. Doch den Fans war das egal, startete die große Party doch danach bereits mit dem Knaller „Hang In Long Enough“. Natürlich kamen auch ein paar Genesis-Songs zum Zuge: „Follow me, Follow you“ und „Throwing it all away“ erfreute die Fans, die in beiden Lagern zuhause sind. Auch die gewohnten und beliebten Coversongs „Seperate Lives“ und „You Can’t Hurry Love“ fehlten nicht, animierten so manchen Fan zum Mittanzen.

Phils fantastische Band mit Musikern, die ihn teils schon seit über 40 Jahren begleiten, spielte wie aus einem Guss. Allen voran Gitarrist Daryl Stuermer und Leland Sklar, der mit seinem langen Rauschebart selbst aus 200 Metern Entfernung eine Erscheinung darstellt. Dann natürlich Phils Sohn Nic am Schlagzeug. Also doch ein Collins an den Drums. Nic bekam besonders viel Applaus, was den stolzen Vater freute, auch wenn er sicher gerne selbst hinter den Kesseln gesessen hätte. Ein klein wenig seines Könnens durfte er dann beim Drum Battle „Drum Trio“ zeigen, bei dem er sitzend zusammen mit seinem Sohn und dem Percussionisten Luis Conte eine Kostprobe zum Besten geben kann. Abgerundet mit tollen Backgroundsängerinnen und -sängern und einer 4-köpfigen Bläsersektion, brachte die Band einen phänomenalen Sound ins Rund der Arena.

Es war Phil’s 12. Auftritt in Hannover und der 13. sollte einen Tag später folgen. Noch ein weiterer und er muss eingebürgert werden. Viele Fans haben ihn in den letzten Jahren vermisst und waren froh, ihn wiederzusehen. Das machten auch etliche Plakate deutlich. Mit knapp 105 Minuten Spielzeit entließ Phil Collins seine Fans in eine herrliche Abendstimmung über Hannovers Maschsee, der zuvor ein grandioser Sonnenuntergang die rechte Kulisse bildete.

Die Lichtshow war perfekt auf den Set abgestimmt und der Sound amtlich. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich ihn deutlich über den Maschsee herüberwehen.

Die perfekte Einstimmung in den sommerlichen Konzertreigen in Hannovers Stadion, dem noch einige Shows folgen werden.

Bericht von Jens-Peter Topp

Bilder von Sheryl Crow und Phil Collins: Copyright by Rüdiger Knuth

 

Setlist Phil Collins:

Against All Odds (Take A Look At Me Now)

Another Day In Paradise

Hang In Long Enough

Don’t Lose My Number

Throwing It All Away

Follow You, Follow Me

I Missed Again

Who Said I Would

Separate Lives

Drum Trio

Something Happened On The Way To Heaven

You Know What I Mean

In The Air Tonight

You Can’t Hurry Love

Dance Into The Light

Invisible Touch

Easy Lover

Sussudio

Encore:

Take Me Home

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