NUMEN – „Iluntasuna besarkatu nuen betiko“

NUMEN – „Iluntasuna besarkatu nuen betiko“

📁 Allgemein, Reviews 🕔24.Januar 2020
NUMEN – „Iluntasuna besarkatu nuen betiko“

NUMEN – „Iluntasuna besarkatu nuen betiko“

Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions

Laufzeit: 46:37 min

VÖ: 27.09.2019

Genre: paganistischer Black Metal Sturm aus dem wilden Baskenland

Wie immer ist auf meine Freunde bei Les Acteurs de l’Ombre Verlass. Auch mit den mal nicht französischen, sondern baskischen NUMEN beweisen sie ihr schwarzes Näschen für superben Black Metal abseits der üblichen Pfade. Hier gibt es den so geliebten Black Metal französischer Machart, soll heißen: gandenlos, rasend, flirrend, gewalttätig, abgrundtief böse, abweisend, technisch überragend, ausgefeilt, mitreißend, narrativ, magisch, düster. Aber auch Fans von Satyricon, Windir, Vreid, Kampfar oder Taake dürften an NUMEN Gefallen finden.

NUMEN sind dabei noch einen Zacken durchdringender und unnachgiebiger. Zwar gibt es gelegentlich eingestreute Tempoverschleppungen in ein massiv schleifendes Midtempo („Nire arnasean biziko da gaua“), fällt einer diesen brachialen Songboliden zum Ende hin in sich zusammen und verklingt als verweht Gitarrentöne („Lautada izoztuetan“), oder überfällt uns erst nach einem brutal schleifenden Beginn ein von ratterndem Blastbeat unterlegter fies verzerrter Gitarrensturm („Pairamena“). Dennoch wirken diese langen wie auch die etwas kürzeren Lieder ungemein stringent, komplex und von einer schier undurchdringlichen Kompaktheit. NUMEN schichten einen unbarmherzigen Strom aus Doublebass, Becken, Toms und Snare, aus pumpenden Basslinien, aus flirrenden, wabernden dissonanten Gitarrenflächen und einem breiten Mahlstrom tiefer Growls auf zu einem dunklen, hässlichen, unheimlichen, bösartigen Koloss. Da ist kein Licht, da ist keine Hoffnung, da ist kein Entkommen. Da ist nur pure Verzweiflung, das sind dämonische Schatten, Verderben, Tod, Leid, Trauer, Unglück, Furcht. Und wenn sich dann in „Nire arnasean biziko da gaua“ plötzlich eine melancholische Melodie aus diesem roststarrenden Ungetüm erfließt, dann wird die pure Hoffnungslosigkeit, die dem unweigerlich folgt, in seiner Bedrohlichkeit um so grauenhafter. Der Sound, wunderbar roh, dunkel und naturbelassen, sorgt zusätzlich dafür, dass sich all diese Steinberge, Eisensplitter und Knochenfragmente aus Tönen, Flirren, Wirbeln und Schreien zu einer symbiotischen Formation verwachsen. Alle Instrumente sind hör- und erlebbar, und selbst der Bass kommt in all diesem Wahnsinn zu seinem Recht.

Fazit: NUMEN ist mit „Iluntasuna besarkatu nuen betiko“ ein wahrhaft monströser Brocken gelungen, in dem sich rasender Black Metal und manischer Paganismus zu einer bösartigen und düsteren Musik verbinden. Das ist unnachgiebeig, schnell, brutal, massiv und flirrend. NUMEN fordert Aufmerksamkeit, kostet Kraft und Seele, packt und reißt mit. Aber wer sich in diesen Orkan fallen lässt, wer sich öffnet, bedingungslos und frei, der wird die Kraft finden, sich in diesem Strudel aufzurichten, die Arme zu heben und die Magie tief in sein Herz hineinfließen zu lassen. Das ist große Kunst, nicht für die Masse, aber für jeden offenen Geist – und Liebhaber guten Black Metals sowieso!

Liederliste:

1. Iluntasuna soilik (3:06)
2. Lautada izoztuetan (8:54)
3. Pairamena (7:52)
4. Behin hilko naiz (4:51)
5. Nire arnasean biziko da gaua (7:25)
6. Itzaletan solasean (6:05)
7. Iraganeko errautsak (4:50)
8. Itzaltzuko bardoari (3:34)

Quelle Bild: www.facebook.com/NUMENofficial/

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