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No Clue (SE) – Unleashed

No Clue liefern mit ihrer zweiten EP „Unleashed“ genau das, was moderner Nu Metal / Alternative Metal im Idealfall

No Clue (SE) – Unleashed

No Clue liefern mit ihrer zweiten EP „Unleashed“ genau das, was moderner Nu Metal / Alternative Metal im Idealfall sein kann: druckvoll, hymnisch, zeitgemäß produziert – und trotzdem mit diesem rauen „Shake-the-walls“-Gefühl, das eher nach Proberaum-Schweiß als nach Playlist-Algorithmus riecht. Dass das Ganze als Studio-Projekt aus erfahrenen skandinavischen Musikern gedacht ist (ohne Bühnen- und Tour-Agenda), hört man der Präzision an: Hier sitzt jedes Break, jede Bass-Nuance, jedes Gitarren-Layer. Und auch wenn die AI-Videos nicht jedermanns Cup Of Tea sind – die Musik spricht für sich selbst.

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Sounddesign: modern, kantig, überraschend organisch

Was bei „Unleashed“ sofort zündet, ist das Sounddesign: moderne Konturen, ohne steril zu wirken. Die Gitarren sind razor-edged, aber nicht flach; der Bass ist nicht nur Fundament, sondern dramaturgischer Motor, der in den Strophen oft die Führung übernimmt, während die Gitarren Akzente setzen. Dazu ein Drumsound, der im mittleren Tempo richtig „schiebt“, statt bloß zu kloppen – genau diese kontrollierte Aggression, die aus Groove eine Waffe macht. Die Arrangements fließen, Übergänge wirken wie aus einem Guss, und trotzdem hat jeder Song sein eigenes Klima.

Tracks: fünf Treffer, kein Füllmaterial

„Unleashed“ eröffnet düster mit akustischen Gitarren, bevor das Arrangement in griffigen, druckvollen Modern Metal kippt. Lyrisch geht es um Befreiung, das Abstreifen innerer Ketten – Chaos, Katharsis und dieser Moment, in dem man sich selbst wieder ans Steuer setzt. Der Refrain ist stark, hitverdächtig, und die inspirierenden Leads zeigen Fingerfertigkeit, ohne in Selbstzweck zu versacken. Ein Opener, der sofort klarmacht: Name harmlos, Durchschlagskraft maximal.

„Ashes“ schleicht sich erst an, baut dann über eine komplexere Instrumentalisierung Spannung auf. Elektronische Synth-Flächen zieren das Arrangement, ohne den Gitarren die Luft zu nehmen – eher wie kalter Nebel auf heißem Asphalt. Inhaltlich kreist der Song um Verlust, Rückstände, das Weitergehen „durch Asche“: melancholisch, aber nicht weinerlich. Der hymnische Gesang (sanft und zugleich energisch im Bariton) geht unter die Haut, die Hookline macht’s progressiv, und der Refrain brennt sich als Ohrwurm fest.

„Static Inside“ startet melancholisch-finster: hallige Gitarren, beklemmende Atmosphäre, sinistre Stimmung. Statt Tempo-Wettrennen gibt’s ein progressives, gemäßigtes Drumspiel, das die innere Unruhe nachzeichnet – dieses „unter Strom stehen“, ohne ein Ventil zu finden. Thematisch ist das ein Song über inneren Druck und Selbstkontrolle, die langsam Risse bekommt. Kompositorisch astrein und treibend: Je länger er läuft, desto mehr wird aus dem Brooding ein druckvolles Zeugnis für modernen Metal mit Biss.

No Clue – Copyright: No Clue
Gepostet auf Wunsch von BBerg Entertainment

„Animal Logic“ packt dich mit einem fantastisch komponierten Riff und kokettiert dann mit epischem Gitarrensolo. Hier regiert Instinkt: Urtrieb statt Grübelei, Körper statt Kopf. Heavy-Rock-Attitüde inklusive, Songwriting auf Top-Niveau, komplexe Riffs, die trotzdem nicht verkopft wirken – eher wie ein Muskel, der genau weiß, wann er anspannt. Der Gesang bleibt souverän, setzt Hooks, ohne die Aggression weichzuspülen.

„Overdrive“ tritt zum Finale nochmal aufs Gas: Gitarrenwände mit deutlicher Genre-DNA (ja, das kratzt angenehm an Vibes wie Static-X oder Korn), dazu eine greifende Mischung aus Rap-Parts und Gesang. Inhaltlich ist das der „Jetzt erst recht“-Modus – Momentum, Vorwärtsdrang, keine Zeit zum Zurückschauen. Das höhere Tempo wirkt perfekt komponiert, Bassdrum und Low-End drücken, ohne zu matschen. Replay-Value: hoch.

Wertung:

8 von 10 Punkten

Fazit:

„Unleashed“ ist moderner Metal zwischen Alternative und Nu, der unter die Haut geht – kompakt, fokussiert, voller Hooks, mit spürbarem Anspruch an Arrangement und Produktion. Wer auf schwere Grooves, scharfe Kanten und Melodie im richtigen Moment steht, sollte hier dringend reinhören. Die Optik mag diskutabel sein, aber klanglich sitzt jeder Schlag.

Titelliste:

  1. Unleashed
  2. Ashes
  3. Static Inside
  4. Animal Logic
  5. Overdrive

Infos:

Interpret: No Clue
Titel: Unleashed
Herkunft: Schweden
Format: EP / Mini-Album
VÖ (Neuveröffentlichung): 06. Februar 2026
Genre: Modern Metal | Alternative Metal | Nu Metal
Label: Yellow Rhinestone Records

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