„Music & Stories 2020“ mit Uriah Heep, Nazareth und Wishbone Ash, Host Andy Scott, Swiss Life Hall Hannover, 24.01.2020

„Music & Stories 2020“ mit Uriah Heep, Nazareth und Wishbone Ash, Host Andy Scott, Swiss Life Hall Hannover, 24.01.2020

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews 🕔26.Januar 2020
„Music & Stories 2020“ mit Uriah Heep, Nazareth und Wishbone Ash, Host Andy Scott, Swiss Life Hall Hannover, 24.01.2020

„Welche Songs spielt man im Knast? ‘Stealin’ natürlich und ‘Too Scared To Run’. Bei ‚Free Me’ hatte ich Bernie angewiesen ‚Free me from your cell’ (anstatt ‚from your spell’) zu singen.“ Das ist nur eine der kleinen Stories, die Mick Box, einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Uriah Heep, an diesem Abend zum Besten gab. „Music & Stories“ lautete das Motto am Freitag Abend in der mit 1.000 Fans nur mässig gefüllten Swiss Life Hall. 150 Jahre British Rock galt es zu feiern. Die Rocklegenden Uriah Heep, Nazareth und Wishbone Ash, alle 50 Jahre und mehr auf dem Buckel, wollten zeigen, dass man auch im gesetzten Alter noch mächtig rocken kann. Apropos Alter: nicht nur auf der Bühne war Altherrenrock angesagt. Auch beim Publikum war so mancher, der die Songs Anfang der siebziger Jahre noch über den Volksempfänger oder den besten Kumpel entdeckt und sich sicher auch die Singles ins Haus geholt hatte. Wo einst Haare ihrem unsteten Drang nach Freiheit verlangten, waren es diesmal Stirnglatze und Bierbauch, die so manchen Anwesenden dennoch nicht davon abhalten konnten mitzurocken.

Als Host des Abends gab Andy Scott, Aushängeschild von The Sweet, einen Gastgeber ab, der seinen Gästen genügend Freiraum zum Schwafeln gab. Da wurde so manche Anekdote und unerzählte Story aus dem Backstagebereich und einem langen Musikerleben offenbart. Geschichten, die man bisher noch nicht kannte und zum Lachen einluden. Dadurch wurden die Umbaupausen angenehm verkürzt, was vielleicht einmal eine andere Art des Konzerts darstellte. Wer Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hatte, konnte sich über eine spezielle App die Übersetzung direkt ins eigene Ohr flüstern lassen. Grandios und wegweisend. Doch im Vordergrund stand die Musik und davon gab es genug.

Den Anfang bestritten die britischen Veteranen oder auch „The best smelling band“ von Wishbone Ash, deren neues Album „Coat Of Arms“ am 28. Februar bei SPV erscheint. Mit ihrer bekanntesten Nummer „The King Will Come“ vom 1972er Meilenstein „Argus“, starteten die Mannen um Urmitglied Andy Powell dann in ihren Set. Die Erfinder der Twin-Lead-Guitar gaben sich alle Mühe das Publikum zu überzeugen, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Zu gemächlich und verspielt wollte keine Stimmung aufkommen. Okay, den richtigen Hit haben die Jungs auch nie gehabt. Dass die Performance stimmte, war klar. Andy und seine Mannschaft schafften es immerhin stolze sieben Songs in 45 Minuten unterzubringen. Lange Soli und Giatrrenduelle der meist getragenen Songs waren nicht für jeden gemacht an diesem Abend. Doch die Klasse der Band blieb davon unberührt, war klar, dass hier echte Profis am Werk waren.

Setlist Wishbone Ash:

  • – The King Will Come
  • – Warrior
  • – Throw Down The Sword
  • – We Stand As One
  • – Jail Bait
  • – Phoenix
  • – Blowin’ Free

Nach einem kleinen Schwätzchen mit Mick Box und Bernie Shaw von Uriah Heep, wurde es Zeit für den Schottenrock. Auch hier ist mit Pete Agnew nur noch ein Urmitglied am Start, verabschiedete sich doch Dan McCafferty, der Mann mit einer der eindringlichsten Reibeisenstimmen, vor einigen Jahren von seinen Kumpels. Mit Carl Sentance tourt die Band nun seit 2015 durch die Welt, spielt aber meist nur noch in kleinen Klubs. Umso spannender war es die Band auf einer großen Bühne zu erleben. Doch schnell wurden auch kleinere Defitzite klar, denn besonders Gitarrist Jimmy Murrison schien keinen guten Tag erwischt zu haben, lag gerne auch mal beim Timing daneben. Erstaunlich allerdings bleibt, dass er einer der wenigen Gitarristen ist, der ohne Plektrum spielt, was sich auf sein ansonsten tolles Spiel auswirkte. Elf Songs gab die Band zum Besten, hatte vier Coversongs im Repertoire, womit die Band allerdings auch ihre größten Erfolge feiern konnte. Das unverwüstliche „Love Hurts“ und der Kracher „This Flight Tonigh“ waren dann sicherlich auch für die Fans die Highlights des erdigen und energtischen Auftritts der Band. Besonders Carl Sentance gab eine prima Visitenkarte ab, während Pete in seiner fast schon stoischen Art einen herrlichen Bassteppich unter die Songs legen konnte. In dieser Form sind Nazareth sicher noch lange Zeit ein Garant für eine ordentliche Rockshow.

Setlist Nazareth:

  • – Miss Misery
  • – Razamanaz
  • – This Flight Tonight
  • – Dream On
  • – Change
  • – Beggars Day
  • – Changin’ Times
  • – Hair Of The Dog
  • – Tattoed On My Brain
  • – Love Hurts
  • – Morning Dew

Erneut gab sich Host Andy Scott zum Interview an den Stehtisch und hatte mit Andy Powell einen angenehmen Gesprächspartner, der aus seiner langen Laufbahn erzählte. Als dann noch Pete Agnew, frisch geduscht natürlich, dazu stieß, kamen auch alte Geschichten aus den gemeinsamen Touren von Wishbone Ash und Nazareth auf den Tisch. Die Entstehung von Nazabone, zurückgehend auf die häufige Verwechslung durch die Medien in der damaligen Zeit, war natürlich eines der größten Themen. Mit viel Humor gewürzt, stellte sich allerdings auch die Frage, ob gerade der Anteil der Stories nicht vielleicht sogar einen höheren Anteil verdient hätte. Doch am Ende waren wir alle irgendwie Freunde, die sich schon Jahrzehnte kennen, mit denen man schon so manches Erlebnis teilen kann.

 

Den Schlußpunkt setzten natürlich die Heroen von Uriah Heep. Mit viel Spiellaune und mächtig Spaß in den Backen rockten sich die Herrschaften durch ihren Set, der gespickt war von Klassikern. Doch auch Aktuelles blieb nicht außen vor. So fanden sich immerhin zwei Songs des letzten Albums „Living The Dream“ in der Setliste, die natürlich ansonsten eher eine Best Of Show war. Lange Instrumentalpassagen, Hit nach Hit und selbstverständlich kam auch die Dame in Schwarz zur Geltung. Lautstark mitgesungen, von Bernie immer wieder dazu animiert, wurde „Lady In Black“ zum Highlight des Abends.

 

Setlist Uriah Heep:

  • – Grazed By Heaven
  • – Too Scared To Run
  • – Living The Dream
  • – Take Away My Soul
  • – Rainbow Demon
  • – Rocks In The Road
  • – Gypsy
  • – Look At Yourself
  • – July Morning
  • – Lady In Black
  • – Sunrise
  • – Easy Livin’

Die drei Bands bewiesen, dass „Music & Stories“ ein schickes Konzept ist, das allerdings noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient. Man darf also gespannt sein, ob dieses Konzept weiterverfolgt wird.

Mehr Bilder des Abends findet ihr hier: https://www.metalglory.com/gallery/music-stories-2020-mit-uriah-heep-nazareth-und-wishbone-ash-host-andy-scott-swiss-life-hall-hannover-24-01-2020/

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