MINDTHREAT – „Black Dreams“

MINDTHREAT – „Black Dreams“

📁 Reviews 🕔15.Mai 2018
MINDTHREAT – „Black Dreams“

MINDTHREAT – „Black Dreams“

Label: Bleeding Nose Records/Soulfood Music

Laufzeit: 38:44 min

VÖ: 27.04.2018

Genre: Melodic Retorten Plastic Metal Core Pop

Die griechischen MINDTHREAT legen mit “Black Dreams” nach einem Demo 2011 und einer EP 2016 nunmehr ihr offizielles Langspieldebüt vor. Zu hören gibt es eine Mischung aus hartem und gnadenlos auf Groove getrimmten Metalcore und süßlichem Pop. Das hört sich merkwürdig an – und leider ist es die Musik von MINDTHREAT in großen Teilen auch.

Da gibt es auf der einen Seite einige wirklich gut gemachte Dinge: Die Musik groovt wie Sau und animiert zum Mitwippen und Bangen. Schlagzeug und Gitarren bilden eine unglaublich fette und tighte Einheit, die immer wieder brachiale Stakkato-Riffs und akzentuiert gespielte Rhythmen zu einem großen wuchtigen Ganzen verschmilzt. Vor allem Schlagzeuger Kostas Stefanidis – der bei Fratzenbuch nicht mehr aufgeführt ist, ich kann daher nicht sagen, ob er aktuell noch bei MINDTHREAT aktiv ist – ist ein Meister seines Fachs. Hört Euch allein „Delusional Kings“ an, in dem die Doublebass die rhythmische Verschiebung des Riffs aufgreift! Auch der Bass kann was, er zeigt sich immer wieder selbstbewusst und breitbeinig und treibt die Songs kraftvoll voran („Memories Of Grief“). Und als Gegensatz zu den harten Grooves finden sich mit Keyboards und Stimme erzeugte einschmeichelnde Melodien und eingängige Refrains, mit denen MINDTHREAT immer wieder emotionale Momente erschaffen können („The Kingdom Of Blinds“, „Delusional Kings“, „Memories Of Grief“). Man merkt zu jeder Zeit, dass die Herren, und hier allen voran Sänger Anton Mess, in die Ausarbeitung einer effektiven Melodik und süffiger Gesangslinien viel Arbeit investiert haben.

Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch mehrere echte Ärgernisse. Das sind neben einem sterilen Sound vor allem all die süßlichen Künstlichkeiten und bis zur Penetranz aufgeblähten Klischees, die mir an allen Ecken und Enden ins Gesicht springen. So verkehren sich in ihrer Substanz durchaus wirkungsvolle Ideen ins pure Gegenteil, wenn Gesangseffekte als nerviges Scratchen der Stimme jegliche Durchschlagskraft rauben („Drown in Sorrow“) und Frauengesang zur völlig konturlosen Füllmasse („Weepers“) verkommt. Dazu gesellen sich weitere Effekte, die so dermaßen unecht, affektiert und kitschig klingen, dass sie mich auf die Palme bringen. Da gibt es üble Streicher aus der Retorte („Delusional Kings“), schlimmste Ahaha- und Ohoho-Gesänge und Chöre („The Kingdom Of Blinds“, „Delusional Kings“), und billige Keyboardsounds von der Bontempi-Resterampe. Das alles wird zudem eingebettet in die üblichen und heute eben gerade nicht mehr modernen, sondern strunzlangweiligen Songstrukturen aus hart gegrowlten Strophen und melodischen Refrains, in denen der Gesang dann auch immer wieder arg bemüht und angestrengt wirkt und offensichtlich an seine Grenzen stößt („We, The Deceivers“, „Black Dreams“). In seiner Gesamtheit wirkt die Musik dann eben nur noch synthetisch und unnatürlich. Das alles zeigt sich am besten im bei Fratzenbuch zu findenden Live-Video von „The Kingdom Of Blinds“, in dem sich die Attitüde der Band eindrucksvoll zeigt: Es geht um Groove und Melodie – und nur darum. Da bangen und hüpfen die Herren wild im Takt und der Anton singt Strophe und Refrain. Aber neben dem Keyboard kommt selbst der nur von ihm gesungene erste Ohoho-Ahaha-Teil vom Band, während der Anton auf der Bühne rumhüpft. Mehr Nicht-Authentizität und Künstlichkeit geht nicht.

Tja, was soll man denn nun als Fazit sagen? MINDTHREAT lassen mich ratlos und verärgert zurück, weil sie ihr zweifellos vorhandenes Potenzial, ihr Händchen für fette Grooves und eingängige Melodien so billig verschleudern. Wenn es ihnen nicht gelingt, zukünftig ihre Stärken wie in „Memories Of Grief“ und „The Kingdom Of Blinds“ auszuspielen, d. h. meiner Meinung nach noch mehr auf reinen Klargesang zu setzen und Rhythmik und Härte noch weiter zu reduzieren, werden sie wie in „Memories Of Grief“ besungen enden: „We are forgotten.“ Das wäre schade. Aber konsequent.

P.S. Liebe Freunde von Bleeding Nose Records: Es ist mir einfach unerklärlich, wieso auf Eurer Seite die Band immer wieder als „Minthreat“ bezeichnet wird, obwohl da ganz fett das Cover mit dem Namen „MINDTHREAT“ abgebildet ist. Vielleicht bin ich ja zu doof, wenn nicht grenzt das für mich in Zeiten der größten Priorität von Wiederkennung an Marketing-Harakiri, zumindestens aber ist es höchst unprofessionell, Euch selbst, aber auch der Band gegenüber.

1. Drown In Sorrow (3:05)
2. Weepers (4:13)
3. The Kingdom Of Blinds (3:54)
4. Sleeping Giants (3:25)
5. Delusional Kings (4:27)
6. Memories Of Grief (4:30)
7. Half Remembered Gods (3:45)
8. We, The Deceivers (4:11)
9. Hide In Sleep (4:00)
10. Black Dreams (3:09)

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