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Meant To Burn (DE) Bloom In Ashes

Eine gemeinsame Heimat lässt sich mitunter auch aus Verstärkern, Schlagzeugfellen und aufgestauter Wut errichten. Meant To Burn fanden in

Meant To Burn (DE) Bloom In Ashes

Eine gemeinsame Heimat lässt sich mitunter auch aus Verstärkern, Schlagzeugfellen und aufgestauter Wut errichten. Meant To Burn fanden in Berlin zusammen, obwohl die Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern und kulturellen Hintergründen stammen. Was sie verbindet, sind Erfahrungen mit Entfremdung, Frustration und dem Gefühl, weit weg von zu Hause eine neue Gemeinschaft schaffen zu müssen. Seit dem offiziellen Start im Jahr 2024 und den Singles „Smolder“ sowie „Numbers“ übersetzt die Formation diesen Druck in aggressiven, groovenden Deathcore. Auf der am 10. Juli 2026 über MTB Records erschienenen EP „Bloom In Ashes“ wird daraus ein knapp zwölfminütiger Frontalangriff. Vier Songs genügen der Band, um technische Präzision, massive Breakdowns und eine erstaunlich wandlungsfähige Dramaturgie unter einen Hut zu bringen.

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Hört hier die EP „Bloom In Ashes“ von Meant To Burn.

„Disposable“ – hier werden keine Gefangenen gemacht

„Disposable“ tritt ohne Vorwarnung die Tür ein. Zhenya Shepelskiy setzt mit schweißtreibendem, komplexem Drumming und ausgeprägtem Doublebass-Charakter den ersten Fixpunkt, während Aleksandar Mirosavljevic darunter ein schweres Tieftonfundament verankert. Die tief gestimmten Gitarren von Franz Ridder Lopez und Joaquin Berrutti verlassen sich keineswegs auf bloßes Niederwalzen. Präzise Akkorde, kontrollierte Leads und wechselnde rhythmische Schwerpunkte sorgen dafür, dass der Song seine Gewichte mehrfach verschiebt. Beinahe progressiv wirkt dieser Zugriff, ohne die körperliche Wirkung des Deathcore zu zerreden. Inhaltlich kreist der Auftakt um das Gefühl, für andere austauschbar und nach Gebrauch entbehrlich zu sein. Die Wut richtet sich gegen eine Haltung, die Menschen auf ihren Nutzen reduziert. Damit ist auch das Leitbild der EP gesetzt: Aus emotionalem Schutt soll etwas Widerstandsfähigeres wachsen.

Kontrollierte Bosheit und zerbrochene Illusionen

„Lethal Intent“ holt nicht sofort zum nächsten Rundumschlag aus. Der Beginn bewegt sich in gemäßigterem Tempo, baut über eine bedrohlich kreisende Gitarrenfigur Spannung auf und trifft erst in der Mitte mit voller Wucht. Gerade diese Geduld macht die Nummer wirkungsvoll. Shepelskiy verdichtet sein Spiel schrittweise, der Bass drückt von unten nach, und Vasyl Kutsenko wird mit seinen Growls und gutturalen Attacken zur zusätzlichen Schlagwaffe. Unerwartete Übergänge verleihen dem Arrangement stellenweise avantgardistische Züge, doch die Band verliert nie die Richtung. Der Text behandelt keine unkontrollierte Raserei, sondern gezielte Bosheit und bewusst vorbereitete Vernichtung – ein kalter Gedanke, den die kontrollierte Eskalation treffend abbildet.

„Dream Breakers“ zieht die Schrauben anschließend wieder direkter an. Die Gitarren arbeiten scharfe Akzente gegen das energische Rhythmusgerüst, während kurze Verschiebungen verhindern, dass die Nummer zur vorhersehbaren Breakdown-Abfolge erstarrt. Im Zentrum steht der Moment, in dem Vertrauen zerbricht und vermeintliche Unterstützer zu denjenigen werden, die Hoffnung und Zukunftspläne beschädigen. Meant To Burn formulieren daraus keine resignierte Klage. Die Enttäuschung wird in Gegenwehr umgewandelt, wodurch der Song wie das kämpferische Bindeglied zwischen der kontrollierten Drohung von „Lethal Intent“ und dem deutlich weiter ausgreifenden Finale funktioniert.

„Chains“ erweitert das Klangbild

Mit 4:09 Minuten erhält „Chains“ den größten Spielraum und nutzt ihn für die sorgfältigste Dramaturgie der EP. Der Song bleibt brutal und druckvoll, schafft durch klarere Gesangspassagen jedoch einen willkommenen Gegenpol zu Kutsenkos extremem Vortrag. Diese Momente wirken nicht wie ein hastig eingebautes Zugeständnis an Eingängigkeit. Sie verstärken vielmehr die dunkle, verletzliche Seite eines Textes über Bindungen, Abhängigkeiten und innere Blockaden. Sobald die Band wieder beschleunigt, trifft die Härte deshalb umso entschlossener. Kutsenko überzeugt über die gesamte Veröffentlichung mit einem amtlichen Organ: Zwischen tiefem Growl, gutturaler Schärfe und höheren Attacken bleibt seine Artikulation kontrolliert, während der Klargesang dem Finale zusätzliche emotionale Tiefe gibt. So entsteht der deutlichste Kontrast der vier Stücke.

Extremer Metal als Druckmittel

Meant To Burn verstehen extreme Musik nicht als klinische Leistungsschau. Die technische Klasse dient stets dem Ausdruck. Besonders die Rhythmusgruppe agiert bemerkenswert geschlossen: Shepelskiy spielt druckvoll und variabel, Mirosavljevic gibt den Gitarren mit seinem satten Bass Gewicht, ohne im Gesamtbild zu verschwinden. Ridder Lopez und Berrutti setzen ihre tiefen Saiten präzise ein, wechseln zwischen massiven Akkordblöcken, scharf umrissenen Figuren und kurzen Leadmomenten. Das Ergebnis ist modern und brutal, besitzt durch Tempowechsel und sperrigere Übergänge aber genügend Eigenleben, um sich nicht im üblichen Genre-Baukasten zu erschöpfen.

Chris Whited von Dead Rabbit Audio verleiht der EP im Mix und Mastering den passenden Nachdruck. Bassdrum, Bass und Gitarren bilden eine kompakte Wand, bleiben aber sauber voneinander getrennt. Auch Kutsenkos unterschiedliche Stimmlagen behalten ihre Konturen. Lediglich die ersten drei Songs liegen in Klangfarbe und Angriffslust recht eng beieinander. Ein früher gesetzter melodischer Kontrast hätte dem kurzen Werk noch zusätzliche Tiefe gegeben. Dass „Chains“ diese Öffnung am Ende überzeugend vollzieht, zeigt allerdings, welches kompositorische Potenzial in der Berliner Formation steckt.

Unser Fazit

„Bloom In Ashes“ ist ein kompakter, technisch versierter Deathcore-Schlag, der seine Wirkung aus Druck, Präzision und kontrollierter Wut bezieht. Meant To Burn hauen ein Brett nach dem anderen heraus, lassen hinter der massiven Oberfläche jedoch genügend Raum für Rhythmuswechsel, progressive Ideen und eine nachvollziehbare emotionale Entwicklung. Nach 11:28 Minuten bleibt der Wunsch, dass die Band den in „Chains“ geöffneten melodischen Spielraum künftig noch häufiger nutzt. Für eine erste EP ist das ein bemerkenswert geschlossenes und selbstbewusstes Statement.

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