MAYHEM – „Daemon“

MAYHEM – „Daemon“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔02.November 2019
MAYHEM – „Daemon“

MAYHEM – „Daemon“

Label: Century Media Records

Laufzeit: 49:24 min

VÖ: 25.10.2019

Genre: Eine Ikone des Black Metal ist wieder da!

Über MAYHEM und die Vergangenheit der Herren ist mehr als genug Papier beschrieben worden. Und ja, einen Film zur blutigen Geschichte gibt es ja auch noch. Verharren wir also nicht im Gestern, sondern stürzen uns lieber mit Liebe und Leidenschaft in das musikalische Heute. Und da gibt es mit „Daemon“ den von allen Fans heiß ersehnten Nachfolger von „Esoteric Warfare“. Über fünf Jahre Wartezeit mag zu Recht oder Unrecht gejammert oder geschimpft werden, im Kosmos von MAYHEM stellt dies jedoch einen wenig überraschenden Zeitraum dar. Und schließlich gab es mit allerlei Livealben und sonstigen Veröffentlichungen immer wieder leckere Appetithappen für zwischendurch.

Und mit „Daemon“ machen MAYHEM alles richtig. Das Album ist künstlerische Weiterentwicklung und gleichzeitig Rückbesinnung nicht nur auf alte Stärken, sondern die pure und unverfälschte Klarheit und Dunkelheit des Black Metal an sich. Dabei haben MAYHEM heute weiterhin das klare Ziel, sich nicht zu wiederholen, sondern musikalisch weiter stur und kompromisslos ihrer ureigenen Vorstellung zu folgen. Erfreulicherweise haben sie dabei jedoch offensichtlich nicht mehr den Anspruch, Rekorde im Ausloten von Machbarkeitsgrenzen aufzustellen. Der Sound ist bei aller erwartbaren klirrenden Kälte angenehm zugänglich und aufgeräumt. Die Instrumente erhalten Raum zur Entfaltung und sind schön sauber voneinander separiert, statt Versinken im dumpfen Morast aus Hall und Übersteuerung gibt es klare Strukturen und sich durch den Äon schwingende Linien. Das sorgt zunächst dafür, dass sich die Riffs der beiden Herren Teloch und Ghul perfekt in den jeweiligen Song einfügen. Da gibt es den frostklirrenden Sturm, das helle rasende Flirren, das sich als manische Raserei durch die Songs flutet („Worthless Abominations Destroyed“, „The Dying False King“ oder „Of Worms and Ruins“). Und dann gibt es mächtige Riffs, die sich böse und schwer erheben und zäh durch den Schädel wälzen („Malum“, „Daemon Spawn“, „Aeon Daemonium“). Dazu spielt Herr Necrobutcher einen Bass, der nicht von dieser Welt ist. Ich kann mich an diesen besonderen, einzigartigen Basslinien nicht satthören. Die folgen gerne den Gitarren und legen mit ihrem machtvollen Pumpen einen mächtigen und massiven Klangteppich unter ihnen aus. Noch viel mehr aber winden sie sich um die Riffs, umschlingen sie und erwürgen sie langsam und genüsslich. Das ist Magie, das ist große Kunst! Größte Überraschung ist jedoch das Schlagzeugspiel des Herrn Hellhammer. Das beginnt beim Sound. Hier gibt es echte Drums zu hören, Töne, die von an Toms über Fellen befestigten Mikrofonen eingefangen und auf Band gebannt werden. Das ist natürlich, frei von jeglicher Triggerei und sonstigen maschinellen und klinischen Effekten. Das sorgt dann dafür, dass wir auf tottackernde Blastorgien und Nähmaschinenklackerei verzichten müssen, nein, dürfen! Dafür besinnt sich der Mann auf sein großes Können: Das groovt an allen Ecken und Enden, das marschiert brutal voran, das tritt Ärsche, und wie! Dazu gibt es überraschende Breaks und eine superbe Beckenarbeit. Ich kann nur staunend sagen, das ist Weltklasse! Über all diesem großartigen instrumentalen Können erhebt sich dann der Herr Csihar mit seiner ebenso einzigartigen Stimme. Es gibt über sein Gekrächze, seine Growls und seine beschwörenden schamanischen Gesänge nicht mehr viel Neues zu berichten, aber hier auf „Daemon“ ist das noch ein fassbares bisschen Mehr an Intensität, Qual, Trauer, Wut, Zorn und packender, unbarmherziger Eindringlichkeit.

Das alles spiegelt sich in den Stücken wieder. Die dürfen sich langsam aufbauen, Ideen repetieren und sich explodierend erheben, dürfen dann in sich zusammenfallen, sich verkriechen in der Nacht, um dann aus dieser bluttriefend hervor zu hetzen und sich ins Nirgendwo zu flüchten. Gerade in den von mächtigen Riffs beherrschten „Malum“, „Daemon Spawn“ und „Aeon Daemonium“ wird aus Musik eine unheilvolle Bösartigkeit, die auf und nieder schwellt, die sich in uns ergießt, durch die Haut, die Haare, die Augen tief hinein in jede Faser unseres Körpers. Das ist in seiner grimmigen Energie und druckvollen Eingängigkeit packend, mitreißend und eben auch wunderschön.

Fazit: MAYHEM haben mit „Daemon“ nicht weniger als ein neues Meisterwerk erschaffen. Das ist nicht nur Black Metal. Das ist große Kunst, ein Schmelztiegel extremer Musik, befeuert von höchstem technischen Können und reinster emotionaler Kraft. „Daemon“ verbindet Kunst, Gesang, Pathos, Inhalt und Seele zu einem großen Ganzen, hier vereinen sich Individualität und Musik zu einer undurchdringlichen schwarzen Entität. Ich bin restlos begeistert!

Liederliste:

1. The Dying False King (3:45)
2. Agenda Ignis (4:34)
3. Bad Blood (4:58)
4. Malum (5:05)
5. Falsified and Hated (5:48)
6. Aeon Daemonium (6:03)
7. Worthless Abominations Destroyed (3:48)
8. Daemon Spawn (6:02)
9. Of Worms and Ruins (3:48)
10. Invoke the Oath (5:33)

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