ANDRALLS – „Bleeding For Thrash“

ANDRALLS – „Bleeding For Thrash“

📁 Allgemein, Reviews 🕔02.November 2019
ANDRALLS – „Bleeding For Thrash“

ANDRALLS – „Bleeding For Thrash“

Label: MDD Records

Laufzeit: 37:13 min

VÖ: 11.10.2019

Genre: Thrash Metal – traditionell, dreckig, großartig!

Die aus São Paulo stammende brasilianische Bande ANDRALLS legt mit „Bleeding For Thrash“ ihr sechstes Album vor. Das enthält verdammt aggressiven und auf den Punkt gespielten Thrash Metal, und ich sage es mal vorab mit den Ärzten: Ja, so muss Thrash Metal sein, dreckig, feige und gemein, hejaa ho (freundlich abgewandelt aus „El Cattivo“).

Zunächst ist auf der handwerklichen Seite alles in bester Ordnung. Da rotzt uns Herr Alex Coelho unermüdlich herrlich sägende Riffs vor die Füße, die einprägsam und simpel daherkommen, aber genau deshalb eine ungeheure Durchschlagskraft und Langlebigkeit entwickeln. Das sägt, faucht, heult und bläst an allen Ecken und Enden. Das ist die rohe Energie. Dazu spielt Herr Felipe Freitas einen durchsetzungsstarken Bass, der nicht nur ein massives Fundament legt, sondern mit ganz eigenen und eigenwilligen Linien zu überraschen weiß. Das ist einfach toll und lohnt allein das Anhören der Scheibe. Alexandre Brito macht am Schlagzeug genau das, was von ihm erwartet wird. Er holzt sich zumeist in rasender Geschwindigkeit durch die Lieder und peitscht die beiden anderen Herren gnadenlos vor sich her. Immer wieder rammt er zudem ein paar stoische Grooves in die Welt und lockert sein manisches Getrümmer mit herrlich hektisch heruntergeprügelten Breaks auf. Darüber zeigt Herr Coelho eine Stimme, wie wir sie wünschen und erwarten. Das knurrt und schreit, das brüllt und spuckt, das zetert und schimpft, das growlt auch mal in bester Todesmetalmanier, und das mit unermüdlicher energetischer Macht und ganz viel Wut im Rachen. Der Sound verpackt das alles in ein schön versifftes, vor Dreck starrendes Tuch, das müffelt und stinkt, weil es schon 20 Jahre nicht gewaschen wurde. Und dieser Duft nach rauher Gewalt und ehrlichem Schmutz, nach Schweiß und Bier, der steigt uns wunderbar in die Nase. Den kennen und den lieben wir, der versetzt uns mitten hinein in unsere Jugend, vor kleine Bühnen in abrissreifen Jugendklubs, in denen Flüssigkeiten von der Decke tropfen und an den Wänden herablaufen, von denen wir lieber nicht wissen wollen, aus welchen Körperöffnungen diese gedünstet und geflossen sind. Und wir lächeln selig und denken: Oh, wie schön kann das Leben doch sein!

Und dieses Gefühl wird verstärkt durch die Musik. Hier gibt es nichts zu verschenken, hier ist alles echt, ehrlich und nicht mit billigem Tand verziert. Hier werden keine Umwege gemacht oder Kräfte verschleudert, hier wird nicht gefressen bis zum Platzen, nur weil das Büffet noch voll ist. ANDRALLS geben ihrer Musik genau das, was sie braucht: Riffs, klare Strukturen, Eingängigkeit und Nachvollziehbarkeit. Das klingt dann immer wieder mal leicht punkig oder beschwört den Geist des Death Metal herauf, aber im Grunde ihrer brasilianischen Herzen ist das immer eines: aggressiver Thrash, vollgesogen mit Tradition, Leidenschaft und Hingabe. Das führt dann zu solchen famosen Nackenbrechern wie dem mit einem Killerriff gesegneten „Andralls on Fire, Pt. III“ oder dem mit einem unwiderstehlichen Refrain veredelten „Legion“, um nur zwei Stücke herauszuheben. Als Bonus gibt es zudem zwei Live-Stücke, die zeigen, dass die Musik auf der Bühne ebenso brachial und authentisch rüberkommt wie auf Konserve.

Fazit: ANDRALLS beweisen mit ihrem neuen Werk „Bleeding For Thrash“, dass Thrash Metal lebt, dass er immer noch feurig pulsiert und vor allem Spaß macht. Das ist der Good Friendly Violent Fun, den wir kennen und lieben. Und abschließend seien auch noch kurz die Referenzen abgehakt: Ja, das klingt ab und an nach Sepultura, und wer Exodus, Nuclear Assault, Whiplash, Holy Moses oder Toxic Holocaust mag, der wird ANDRALLS hoffentlich schon kennen und lieben. Wenn nicht, dann spätestens mit „Bleeding For Thrash“!

Liederliste:

1. We Are the Only Ones (3:43)
2. Andralls on Fire, Pt. III (3:12)
3. 64 Bullets (2:32)
4. Bleeding for Thrash (3:03)
5. Legion (3:15)
6. Noiséthrash (1:35)
7. After Apocalypse (3:12)
8. Imminent Cancer (2:31)
9. Acid Rain (3:00)
10. On Fire (1:59)
11. 27.02.18 (1:35)
12. We Are The Only Ones (Live) (3:53)
13. Fear Is My Ally (Live) (3:43)

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