Marilyn Manson – We Are Chaos

Marilyn Manson – We Are Chaos

📁 Allgemein, Musik, Reviews 🕔18.September 2020
Marilyn Manson – We Are Chaos

Marilyn Manson (USA) „We Are Chaos“
VÖ: 11.09.2020
Label: Loma Vista Recordings/Caroline
Spielzeit: 42 Min.
Genre: Industrial-Wave-Rock

Der sanftere Marilyn Manson (M.M.) ist wieder da.  Wirklich „chaotische“ Zustände sucht man nämlich vergebens auf dem mittlerweile elften Werk des „Schockrockers“ – wobei auch jener Titel sich seit einigen Jahren erübrigt hat. Spätestens seit dem absoluten Megawerk „The Pale Emperor“ von 2015 wissen wir, dass M.M. es mit rockigem Blues und viel Emotionen bewegen, schocken will, als dem Industrial-Chaos, den man aus den 1990er Jahren von ihm gewohnt war. 
Keine Sorge, zwei bis drei Ausbrecher zu eben gewohnten Sound von damals gibt es auch hier zu verzeichnen (u.a. „Infinite Darkness“ oder „Perfume“). Wodurch er nun auch jene Fans bedient.
Aber grundsätzlich macht M.M. nun mit dem gewissen Country-Musiker und Schauspieler Shooter Jennings da weiter, wo er um 2015 mit Tyler Bates aufgehört hat. Hatte das 2017er-Vorgängerwerk „Heaven Upside Down“ noch einige deftige Industrial-kracher im Petto, so gibt es davon diesmal deutlich weniger zu vermelden. Mehr sphärisch-epische Klänge, getragene Synthie-Melodien, eine Art Wave-Pop-Disco-Feeling (u.a. „Half-Way…“) mit der wutentbrannten Stimme Marilyn Mansons. Beispiele? Die wunderschön akustisch-getragene Ballade „Broken Needle“ oder die reine  Pop-Rock-Nummer „Keep My Head Together“, bei der deutlich wird, dass sie auch aus einer Zusammenarbeit mit U2, INXS oder Depeche Mode hätte stammen können. 
Und da wären wir eben vielleicht beim kleinen Problem: das Album zündest nicht sofort beim ersten Durchgang, man muss sich schon des Öfteren dem widmen. Es gibt einige Feinheiten, in jedem einzelnen Track – ohne sich ständig darauf konzentrieren zu müssen, was M.M. früher gemacht hatte.

Fazit: 
Industrial-Melancholie mit etwas Blues-Effekt und sehr viel mehr Wave-Pop-EBM-Atmosphäre. Auch mit dem erneuten Wechsel des Songwirting-Produktions-Partners ist es ihm gelungen ein wunderschönes Album zu kreieren. Auch wenn es deutlich ruhiger, sphärischer und zugänglicher als einige Alben zuvor ausgefallen ist. Eben mal wieder etwas anders und doch typisch Marilyn Manson; denn, er macht einmal mehr nur das, wozu er Bock hat. Also doch schockierend und chaotisch?!

Es bleibt dennoch weiterhin zu hoffen, dass er auch jene Songs LIVE on stage umzusetzen versucht und nicht wie bisher jeder seiner letzten Tournee-Setlisten auf maximal 70 Minuten zu begrenzen und dabei ausschließlich die „bekannten“ Hits zu spielen. 

Tracklist:
01. Red Black And Blue
02. We Are Chaos
03. Don’t Chase The Dead
04. Paint You With My Love
05. Half-Way & One Step Forward
06. Infinite Darkness
07. Perfume
08. Keep My Head Together
09. Solve Coagula
10. Broken Needle

Hinweise am Rande:
Sehr traurig dagegen und komplett daneben (wenn man bedenkt, was man heute den Fans bieten muss, um sie an der Stange zu halten und nicht nur „digital und gestreamt“ durch de Gegend zu schicken): das Label hat es verpasste bei der Vinyl eine 180-Gramm-Version zu produzieren, unabhängig davon, dass es einige farbige Versionen gibt.
Viel schlimmer ist es jedoch, dass es nicht mal ein Klappcover gibt, geschweige einen Download-Code zum erworbenen Vinyl.
Auch das innenliegende „Poster“ (mit einem Abdruck eines Gemäldes des Meisters selbst) entpuppt sich als Reinfall, da auf der Rückseite die Lyrics abgedruckt sind. Unfassbar! Boykott wäre hier vermutlich eher angebracht, wenn man bedenkt, was es heutzutage für Möglichkeiten es auf diesem Sektor und bei der Auflage eine solchen Musikers gibt – zumal M.M. selbst auf Design, Artwork usw. hohen Wert legt. 
Aber nun, auf der anderen Seite soll man sich wohl „nur“ auf die Musik konzentrieren; hoffentlich gelingt es hierbei den reinen Streaming-Nutzern.

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