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Marilyn Manson (USA) One Assassination Under God – Chapter 2

Das zweite Kapitel einer Abrechnung muss nicht lauter ausfallen, um schärfer zu treffen. Zwei Jahre nach dem ersten Teil

Marilyn Manson (USA) One Assassination Under God – Chapter 2

Das zweite Kapitel einer Abrechnung muss nicht lauter ausfallen, um schärfer zu treffen. Zwei Jahre nach dem ersten Teil beendet Marilyn Manson mit „One Assassination Under God – Chapter 2“ die 2024 begonnene Erzählung. Stand dort die eigene Wiederkehr im Mittelpunkt, geht es nun um Vergeltung und Abgrenzung. Gemeinsam mit Tyler Bates verbindet Manson Industrial Rock und Alternative Metal mit Gothic Rock, Post-Punk und düsterem New Wave. Die neun regulären Songs klingen geschlossen und kontrolliert, allerdings weniger brachial, als die Vorabsingles vermuten ließen.

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Hört hier „One Assassination Under God – Chapter 2 (Expanded Edition)“ von Marilyn Manson.

Wiedergeburt beendet, Vergeltung eröffnet

„Unalive“ eröffnet das Album mit elektronischem Puls, hart gesetzten Gitarren und einem Wechsel aus tiefem Sprechen und angegriffenem Krächzen. Der ausweichende Internetbegriff für den Tod wird zum Mantra einer neu zusammengesetzten Kunstfigur. „Don’t Answer The Door“ nimmt Tempo heraus und überträgt das Thema Selbstschutz auf die eigenen vier Wände. Die stark bearbeiteten Gesangsspuren verstärken die Beklemmung, verwischen stellenweise jedoch Mansons Ausdruck. „Front Toward Enemy“ setzt dagegen auf einen straffen Industrial-Rhythmus, schneidende Riffs und eine unmissverständliche Kampfansage. Die bereits 2024 veröffentlichte B-Seite sitzt hier genau richtig.

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Schaut hier den Clip zu „Unalive“

Gothic Rock statt Dauerbeschuss

„All The Vilest Things“ kombiniert akustische Anschläge mit schwerem Bass und einem eingängigen Goth-Glam-Refrain. Der Song bleibt hängen, klingt mit seinen vielschichtigen Chören aber stark nach bewährter Manson-Formel. Spannender ist „None Of The Suns“: Post-Punk-Gitarren, präsenter Bass und sauberer Gesang erzeugen Ruhe und unterschwelliges Unbehagen. „Lucifer’s Teardrop“ greift diese melodische Seite mit twangender Gitarre und Dark-Wave-Rhythmik auf. Das Bild des verstoßenen Engels steht für Zurückweisung und emotionalen Selbstschutz. Der digitale Bonustrack „You Can’t Die Young“ passt mit nervösem Beat und Bauhaus-Anklängen gut dazwischen, wiederholt seinen Refrain jedoch zu ausdauernd.

Feuer, Wunden und ein Gegenbild

„The Arsonist“ verdichtet die kontrollierte Feindseligkeit. Manson singt und schreit variabler, während Bates melodische Passagen gegen harte Ausbrüche stellt. Die eigene Kunst wird zur Waffe gegen jene, die ihr Urteil bereits gefällt haben. „Exit Wound“ besitzt mit drückendem Basslauf, präzisem Beat und großem Refrain alle Qualitäten einer Single, wiederholt allerdings bekannte Gesten des ersten Kapitels. Das über sechsminütige „Enantiomorph“ wählt den Gegenentwurf: Eine geisterhafte Sprachaufnahme, zurückgenommene Gitarren und die spät einsetzende Orgel begleiten Mansons offene Liebeserklärung. Nach aller Rachsucht liefert sie den Grund, weiterzukämpfen.

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Schaut hier den Clip zu Exit Wound

Geschlossen produziert, nicht durchgehend zwingend

Tyler Bates spielt Gitarre, Bass, Keyboards und GuitarViol, Gil Sharone liefert den kontrollierten Schlagzeugdruck. Robert Carranzas Mix trennt Elektronik und Gitarren sauber. Mehrere Stücke ähneln sich jedoch in Tempo, Aufbau und Steigerung. Das verhindert große Ausfälle, aber auch Spitzen wie auf „Chapter 1“. Zudem nimmt der häufig gedoppelte und gefilterte Gesang manchen Zeilen ihre Wirkung. Statt dauerhafter Industrial-Metal-Härte dominieren Gothic Rock, Post-Punk und geduldige Spannungsarbeit.

Unser Fazit

„One Assassination Under God – Chapter 2“ beendet die Doppelerzählung geschlossen und stilsicher. Am stärksten sind Marilyn Manson und Tyler Bates, wenn sie Gothic-Atmosphäre, Melodie und gezielte Ausbrüche verbinden. Vertraute Songmuster und die überladene Stimmbearbeitung verhindern den ganz großen Wurf. Als kontrollierte, persönliche und musikalisch vielschichtige zweite Hälfte überzeugt das Album dennoch.

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Nuclear Blast Records

Virtuelle „One Assassination Under God“-Kunstausstellung