Live Review: MUNICIPAL WASTE, EASTWOOD – 01.08.2018, Hannover, Béi Chéz Heinz

Live Review: MUNICIPAL WASTE, EASTWOOD – 01.08.2018, Hannover, Béi Chéz Heinz

📁 Allgemein, Live 🕔03.August 2018
Live Review: MUNICIPAL WASTE, EASTWOOD – 01.08.2018, Hannover, Béi Chéz Heinz

Live Review: MUNICIPAL WASTE, EASTWOOD – 01.08.2018, Hannover, Béi Chéz Heinz

Ein Besuch in der Sauna bei lieben Freunden!

Da bin ich schon mal auf Stippvisite in Hannover – und da spielen tatsächlich mit MUNICIPAL WASTE ein paar meiner liebsten räudigen, assigen, gut gelaunten, schweißtreibenden, Bier saufenden, Spaß habenden und machenden, Grinsefressen produzierenden, hart rockenden Männer im mittleren Alter. Und da kann mich auch das tropische Wetter in Hannover nicht aufhalten – auch wenn ich bei deutlich über 30 Grad am Tage schon ein paar feuchtfröhliche Gedanken daran verschwende, ob ich mich nicht doch lieber mit ein paar Bier draußen auf der schattigen Terrasse breit mache. Zum Glück verwerfen neben mir auch viele andere Menschen diese verlockende Alternative und bevölkern stattdessen das gut gefüllte Béi Chéz Heinz. Auch wenn der Laden seit jeher nicht zu meinen Lieblingsadressen für Konzerte gehört – kleine Bühne, niedrige Decke, nervige Betonsäulen überall im Raum, nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein entspanntes Liveerlebnis – bin ich jedesmal wieder positiv überrascht, mit wie viel Hingabe und Motivation die dort Tätigen freundlich und hilfsbereit für eine gute Atmosphäre, gut gekühlte Getränke zu wirklich fairen Preisen und einen guten Sound (Herzlicher Applaus für die verdammt fähige Mixerin!) sorgen.

Die Bilder zum Konzert gibt es auch in der Galerie, aber das vorweg: Die Temperaturen und ein halbes Bier von nebenan hat meine Kamera stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass ich – abgesehen von den eh schon erschwerten Bedingungen in dieser verdammten Enge zwischen all den Wahnsinnigen zu wahnwitzig guter Musik Tanzenden, Bangenden, Grölenden, Klatschenden – kaum vernünftige Bilder machen konnte. Und ja, liebe Leute, das ist verdammter Metal, wie er sein muss, sein soll und uns alle überdauern wird. Hurra!

Und MUNICIPAL WASTE liefern ab, und das richtig: Scheiß auf die Saunatemperaturen, auf den Schweiß, der von der Decke tropft. Die engen Jeans sitzen ebenso wie jene die Alabasterkörper eng umfließenden Jeanswesten und die schicken schwarzen Lederstiefel. Rauf auf die Bühne, Gitarren eingestöpselt, ein Schluck aus der Pulkle – und los bricht das Inferno der guten Laune und des noch besseren Geschmacks! Sänger Tony Foresta singt wie immer mindestens so gut wie er aussieht und hat die Meute vom ersten Ton an voll im Griff. Das zieht sich durch die über 20 Songs, die uns die Herren so gut gelaunt wie routiniert im besten Sinne des Wortes um die schwitzenden Schädel hauen. Nach wenigen Minuten sind Band und Leute eine einzige singende, springende, sich drehende, wehende, jubelnde, Matten schwingende, Bierbecher (auch volle, wer macht denn sowas?!) werfende, sich umarmende, auf Schultern klopfende Masse, die vereint ist im seligen Kosmos der Liebe. Denn MUNICIPAL WASTE sind genau das, eine Fleisch gewordene Philosophie der Zärtlichkeit, der Klugheit und des Seelenfriedens. Ja, was sonst kann sich denn in diesen hetzenden, von sägenden Riffs, einem pumpenden Bass und einem gnadenlos galoppierenden Schlagzeug nach vorn getriebenen Liedern verbergen, in diesem rollenden, fauchenden Gemisch aus harten Thrashmetal, wütendem Hardcore und grölendem Punk? Dieses drückende und schiebende Rasen wird immer wieder unterbrochen von stoisch groovenden Teilen, in denen Band und Masse gemeinsam die weisen Inhalte der Texte intonieren, in denen das Leben gefeiert wird. Denn was sonst sollen uns Texte sagen wie: Drunk with my friends – It never ends, Some say we drink too much – They say we’re just not cool – Well I fucking like to party – It’s what I was born to do!, Tonight I’m gonna get real reckless – Tonight I’m gonna party senseless – Tomorrow I feel I might do the same – But that’s not currently on my brain! Na ja, um ein bisschen lustige Gewalt geht es auch, aber das sei nur am Rande bemerkt.

Wenn es die perfekte Mischung aus Spaß und brutalem Abriss, aus wüstem Geballer und freundlichem Miteinander, aus weisen Worten und assigem Geböller gibt, Nein!, es gibt sie, und es sind unbestritten MUNICIPAL WASTE! Wer diesen wunderbaren Abend unter Feunden verpasst habt: Pech gehabt, schämt Euch und ab in die Ecke, während ich Euer Bier trinke! Die gute Nachricht: Fragt all die verschwitzten Menschen, die das Béi Chéz Heinz verlassen und sich glücklich in die noch immer heiße Nacht verlieren, ob sie die EMP Persistence Tour 2019 besuchen werden, und sie werden JA schreien. Warum? Weil da auch MUNICIPAL WASTE dabei sein werden. Also vormerken und hin da!

Eröffnen dürfen den Abend EASTWOOD, vier Herren, die brutalen Grindcore in die Masse knüppeln. Das machen sie verdammt enthusiastisch, schnell, laut, knackig und versiert, so dass die Anwesenden die in den 30 Minuten gefühlt 100 kurzen Gewalteruptionen mit lautem Applaus und Zugaberufen goutieren. Und so gibt es in einer etwa zweiminütigen Zugabe nochmals drei Stücke, bevor sich die Herren völlig durchnässt und glücklich verabschieden. Vor allem der Herr Sänger hat sich so verausgabt, dass er hernach am Merchstand kaum noch ein Wort herauzubringen vermag. So muss das! Und von mir heißt es: Daumen hoch und Gute Besserung!

Beste Grüße aus Hannover!

Der Hendrik

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