Live Review: FARMER BOYS, 01.12.2018 FFM / Das Bett

Live Review: FARMER BOYS, 01.12.2018 FFM / Das Bett

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews 🕔03.Dezember 2018
Live Review: FARMER BOYS, 01.12.2018 FFM / Das Bett

Im Februar 1996, erschien das Rock Hard Magazin mit der CD Beilage „Dynamit Vol.1“, auf der sich ein ganzer Batzen Hochkaräter befanden, und unter anderem die Entdeckung für mich: Farmer Boys. „Farm Sweet Farm“ hallte es Monde lang durch die heiligen Hallen, und das Album läuft heute noch genauso oft, wie die 4 folgenden Veröffentlichungen der Bauernlümmel. Laut dem häßlichen 08/15 Abrissticket des Berliner Knaack Club, war es am 06.04.1997 endlich soweit, und ich konnte diese urgewaltige Mixtur aus verträumten Melodien, Pantera-mäßigen Riffs und der sich schon andeutenden Lust auf mehr Melancholie und Bombast im cineastischen Sinne, live erleben. Mich mitgezählt, waren es damals leider nur knapp 17 Nasen in dem Laden. Auch Richard und Till von Rammstein fanden den Weg an dem Abend in den Club. Die Farmer Boys haben uns Besucher komplett von sich überzeugt, und wer Gutes leistet, wird mit Merch- und CD-Verkäufen belohnt, im großen Stil… Es gibt nicht viele Bands, die mich auf Anhieb von ihrem Album dermaßen überzeugen, sie treffen einfach punktgenau meinen musikalischen Nerv, lustigerweise zu jeder Phase, bzw. Kurskorrektur. Denn der anfängliche „Cow-Core“ verabschiedete sich in seiner ursprünglichen Art aus dem Klangbild und machte Platz für mehr elektronische Spielereien und Sound, der auf große Leinwände gehört. Album Nummer 4 hat schon beinahe klassisches Soundtrackpotenzial in Metal, doch die Band entschied sich für eine Pause, Auszeit. Leider konnte ich aus irgendwelchen Gründen nicht an der Tour teilnehmen, so habe ich die Farmer Boys das letzte Mal 2002 oder 2003 gesehen, auf irgendeinem süddeutschen Festival.

Umso größer war meine Freude, als ich las, dass die Herren sich doch wieder nach ein paar Gigs für ein Album zusammentun, und wieder auf Tour gehen. Zwischendurch spielten die Farmer Boys vereinzelt alle paar Jahre einen Gig, doch ein längerfristiges Engagement, war nicht in Sicht. Wieso, weshalb und warum, könnt Ihr im kleinen Talk mit Gitarrist Alex Scholpp nachlesen (siehe Link unten). Programmatisch wird die Tour „Born Again ´18“ getauft (passend zum gleichnamigen Album) und lässt sich von Club zu Club feiern. Das Album konnte auch mit abgesetzter Fanbrille punkten und natürlich stellte sich die Frage, wie die Songs wohl live funktionieren. Wie wird wohl die Setlist aussehen, wer wird der, bzw. werden die Supportact(s) sein, und und und…

Fast geplatzt vor Glück bin ich, als ich erfuhr, dass es keine Supportband geben wird. Unfassbar, dass das heutzutage noch möglich ist (und wohl lt. Alex auch nicht leicht zu buchen ist), doch ich begrüße das! 2-4 Stunden Vorband ist manchmal extrem ermüdend und die Zeit des Hauptact schrumpft auch. Und wenn sich eine Band mit einem bockstarkem Album, sowie mit so einigen Highlights und Klassikern zurückmeldet, sollte ihr auch jede aufmerksame Sekunde des Abends gewidmet werden können, ohne sich stundenlang die Beine am Bierstand in den Bauch zu stehen. Bitte mich nicht falsch verstehen: ich mag grundsätzlich einen abwechslungsreichen, unterhaltsamen Abend, aber alles über 2 Vorbands ist einfach Too Much! Ich war froh, dass es keine Vorband gab. Das Argument, die Zuschauer kämen nur langsam in Fahrt, lasse ich nicht gelten, das liegt an jeder Band selbst. So war es auch an diesem Abend: Zum Intro „Cosmos“ vom aktuellen Album „Born Again“, betrat die Band im grünen Nebel die Bühne im Frankfurter Das Bett, und ziemlich schnell wurde es kuschlig vor der Bühne. Wie die „verloren-geglaubten“ wurden die Schwaben begrüßt und mit „Faint Lines“, steigerte sich das freudige Wiedersehnsgejohle in kollektives Mitwippen und Bangen, während ich beinahe das Fotografieren vergesse. Ich gehörte zu der Spezie „Starren und Mitwippen“, denn ich war einfach nur neugierig, was sich in den knappen 15 Jahren Farmer Boys-lose Zeit getan hat. Der Metal im Cinema-Breitbildformat, wurde von der Band verfeinert und ausgebaut, und wird auf der Bühne etwas knackiger präsentiert, wobei ich nicht sage, dass die ruhigen balladesken Momente nun jetzt Headbanger sind! Die Musiker ließen den Zuschauer schon im positiven Sinne spüren, dass man im Lauf der Zeit dazugelernt hat, sich verbessert hat und wurden nicht nur mit gereckten Pommesgabeln belohnt. Wie auf dem Album folgt mit Song 3 (inkl. Intro) „Fiery Skies“ und ich staunte nicht schlecht, dass wirklich erstmal 4 neue Nummern gespielt wurden, denn das folgende „You And Me“ ist auch als Track Nr.4 auf „Born Again“ zu finden. Mir sollte es nur recht sein, ich hätte das Albm gern durchgehend und komplett live erlebt, die Farmer Boys sind ja allein und haben Zeit… Das Vorgängeralbum „The Other Side“ wird mit dem Titelsong, „Like Jesus Wept“ und „Where The Sun Never Shines“ bedacht. Zwischendurch wurde vom 2000er Album „The World Is Ours“ der Track „End Of All Days“ eingestreut. Man merkt, dass sich die Band eher Gedanken um ´nen guten Flow bei der Songauswahl gemacht hat, denn nach Chronologie o.ä., sieht das nicht aus. Die beiden neuen Songs „Isle Of The Dead“ und „Mountain / Stars“ lassen sich ins taugliche Liveprogramm ebenso gut integrieren, wie die folgenden Klassiker „When Pis Fly“ (vom 2. Album „Till The Cows Come Home“), „Farm Sweet Farm“ vom Debüt und den Opener vom 2. Album, „Prized“. Kurze Verschnaufpause, Alex gibt sein Solo zum Besten und zeigt eindrucksvoll, was er in den letzten Jahren gelernt hat: eine fette, verspielte Metalgitarre, deren Dienste gern von Tarja Turunen abgerufen werden. Weiter geht es mit einem Vorgängeralbumsong („Stay Like This Forever“), und einem weiteren neuen Song. „Tears Of Joy“ ist übrigens eine von  3 Single- / Video-Auskopplung. „We Sow The Storm“ schickt uns nochmal in Jahr 2000 und „Revolt“ ist eigentlich der Schlusspunkt. Sowie auch eine der 3 Single- / Video-Auskopplungen. Das kann jetzt auch nicht wirklich das Ende sein, denn es fehlen noch mindestens 2-40 Klassiker, und man wird doch kaum auf der „Born Again Tour ´18“ auf diese epische Titelnummer verzichten, oder doch?

Erstmal geht es weiter mit ´ner echten Hitsingle aus dem Jahr 2000, „Here Comes The Pain“ (übrigens auch ein gelungener Clip) lässt die Zuschauer nochmal richtig rotieren. Und natürlich spielt die Band „Born Again“! Live irgendwie tragender…und nach 1 Stunde und knapp 50 Minuten, war es vorbei. Leider. Hätte noch noch ein paar Highlights geben können, andererseits war ich auch glücklich, so viel wie möglich von den neuen Songs live gehört zu haben, denn die vermissten Nummern, habe ich ja bereits früher schon hören können. Trotzdem gingen mir auf dem Heimweg Songs wie „When A Chicken Cries For Love“, Chew The Cud“ (vom 1996er Debüt „Countryfied“), „Sunburnt“, Murder Me“ (1997, „Till The Cows Come Home“) und am lautesten, „If You Ever Leave Me Standing“ durch den Kopf. Ja, den Song habe ich vermisst (auch Single vom 2000er „The World Is Ours“, und bekam auch ´nen sehenswerten Clip). Aber wie gesagt, andererseits…war das eine vorbildliche Wiedergeburt! Vielleicht gibt es ja eine Tour, die sich etwas mehr und weitläufiger mit der musikalischen Historie beschäftigt. Derzeit wird beeindruckend das neue Album vorgestellt und sich vielversprechend zurückgemeldet. Nach 5 Alben ist es übrigens auch Zeit, für eine audio-visuelle Veröffentlichung. 2 Shows…neues Album und Klassiker…aber wir sind ja nicht bei wünsch´ Dir was.

Fazit: Ein fast überforderndes (nicht überladenes), aber doch Eindruck hinterlassene Lichtspektakel, war ein passender Begleiter zu einem Abend voller Emotion, Melancholie, Härte und vor allem: guter Laune sowie einem sehr gut aufgelegten Tonmann, der die Regler beim Sondcheck genau an den richtigen Stellen parkte. Die Bühne wirkte zeitweise wie in Flammen stehend, geteilt ausgeleuchtet, selbst die Realität wirkte zwischendurch schwarz/weiß. Das Bett war nicht ausverkauft, viel hat aber wohl nicht gefehlt. Auch die Geburtstagsdame aus dem Publikum staunte nicht schlecht, als Sänger Matthias Sayer ihr gratulierte, und sie in den Arm nahm. Es sind diese kleinen Gesten, die große schöne Erinnerungen hinterlassen.

Ich kann den Besuch eines Konzerts der Farmer Boys nur empfehlen, denn breitbeiniger Modern Metal mit cineastischen Schlag, funktioniert nur bei dieser Band.

Setlist:

-Cosmos

-Faint Lines

-Fiery Skies

-You And Me

-The Other Side

-End Of All Days

-Like Jesus Swept

-Where The Sun Never Shines

-Isle Of The Dead

-Mountains / Stars

-When Pigs Fly

-Farm Sweet Farm

-Prized

-Alex Guitar Solo

-Stay Like This Forever

-Tears Of Joy

-We Sow The Storm

-Revolt

-Here Comes The Pain

-Born Again

Line-Up:

Matthias Sayer – Vocals
Alex Scholpp – Guitars
Ralf Botzenhart – Bass
Richard Due – Keyboards
Timm Schreiner – Drums

Tourdates:

05.12. D München – Backstage
06.12. D Magdeburg – Factory
07.12. D Berlin – Columbia Theater
13.12. D Freiburg – Jazzhaus

Live-Galerie: https://www.metalglory.com/gallery/farmer-boys-01-12-2018-ffm-das-bett/

Interview mit Alex Scholpp: (Folgt alsbald)

Review Album „Born Again“: https://www.metalglory.com/farmer-boys-de-born/

Farmer Boys im Internet:

FB – https://www.facebook.com/farmerboys.music/

HP – http://farmerboysmusic.com/

Youtube:

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für alles!

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