LARRIKINS – „Für die, die geblieben sind“

LARRIKINS – „Für die, die geblieben sind“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔07.November 2019
LARRIKINS – „Für die, die geblieben sind“

LARRIKINS – „Für die, die geblieben sind“

Label: Rügencore Records / Cargo Records

Laufzeit: 50:25 min

VÖ: 04.10.2019

Genre: harte deutsche Musik zwischen Rock, Metal und Punk – emotional, nachdenklich, großartig!

Die LARRIKINS tummeln sich seit nunmehr schon 18 Jahren im großen Haifischbecken der deutschen harten Musik. Darin streiten sich wahrlich eine Menge verdammt fetter, aggressiver und gefräßiger Exemplare zwischen deutschem Rock, Metal, Punk und NDH um die besten Brocken. Es verdient zunächst höchsten Respekt, hier erfolgreich überlebt zu haben. Und das vorab: Mit dem großartigen neuen und vierten Album „Für die, die geblieben sind“ legen die LARRIKINS weiter ordentlich an Gewicht zu und können selbstbewusst ihre Zähne zeigen.

Am meisten begeistert mich Herr Tino Meisel an der Gitarre. Der ist ganz klar das herausragende musikalische Aushängeschild der Band. Der Mann ist nicht nur handwerklich ein ganz Großer seines Fachs, wenn er uns so harte wie eingängige Metalriffs vor die Rübe knallt („Rachetränen“, „Zerrissen“, „Frei sein“) oder mitreißende Leads aus den Saiten perlen lässt („Rastlos“, „Unsichtbar“). Und diese Soli, wie ich sie liebe! Er vermag neben seinem großartigen technischen Können vor allem mit seiner Gitarre eines: Gefühle zu erzeugen und sie tief in unser Inneres, in unsere Herzen und Seelen hineinfließen zu lassen. Das ist die pure Magie! Doch die LARRIKINS sind keine One-Man-Show, sondern eine über Jahre gut aufeinander eingespielte Band. Denn Herr Meisel wird großartig unterstützt von den beiden Herren Mike Engelberg am Bass und Christian Mielke am Schlagzeug. Die agieren auf den ersten Blick vermeintlich unspektakulär, aber genau darin liegt der große Verdienst der beiden. Denn sie harmonieren hervorragend zusammen und sorgen mit ihrem präzisen, druckvollen und dynamischen Spiel für ein massives Fundament, auf dem die Gitarre breitbeinig und selbstbewusst ihre Riffwände und Leads auslegen kann. Komplettiert wird die Musik von Herrn Felix Laube. Der singt mit einer schön rauchigen und kratzigen Rockstimme. Die setzt er zumeist kraftvoll ein, kann sich aber in den ruhigeren Momenten auch zurücknehmen und gut in die traurige, nachdenkliche Stimmung der Lieder einfinden. Der Mann kennt die Grenzen seiner Stimme ganz genau und ist so klug wie clever, dass er sich auf seine Stärken besinnt und jegliche Ausflüge auf künstlerisches Glatteis gar nicht erst probiert. Und eines kann er: sein Herz öffnen, uns zu Füßen legen und dabei glaubwürdig das in Worte formen, was ihm wichtig ist. Das ist zu jeder Sekunde packend, mitreißend und ehrlich bis aufs Blut.

Was zählt, ist bekanntlich aber immer die Musik. Und hier zeigen uns die LARRIKINS, dass sie nicht nur tolle Musik komponieren können, sondern weit mehr vermögen, als fette Riffs und eingängige Refrains aneiander zu reihen. Ihnen gelingt es vielmehr, Text und Musik jeweils zu einer emotionalen Einheit zu verschmelzen. Und zu sagen haben die Herren einiges. Hier gibt es klare Kante und Themen direkt aus dem Leben, und das ohne jegliches Stolpern oder Totschlagreime. Das ist intelligent und nachdenklich, manchmal in seiner Direktheit auch unbequem, zugleich aber nachvollziehbar und nie mit dem erhobenen Zeigefinger. Ich kann nur raten, sich mit den Texten zu beschäftigen. An mancher Stelle wirkt das Ganze ein wenig dick aufgetragen, wenn etwa in „Zeuge einer Zeit“ die zunächst wunderschön melancholische Grundstimmung von süßlichen Bläsern und einem viel zu bierseligen Männerchor gnadenlos zugekleistert wird. Da kann dann leider auch das grandiose emotionale Gitarrensolo die aufdringliche Schunkelromantik nicht mehr retten. Und ja, ich gebe es zu, ich will keine Ska-Gute-Laune-Songs wie „Mit dem Rücken zur Wand“ mehr hören, ich mag sie einfach nicht. Aber ich sehe ein, dass dies reine Geschmackssache ist und sich bestimmt viele finden, die genau dies lieben. Aber dem stehen eine Vielzahl guter Lieder gegenüber. Denn Lieder wie „Unsichtbar“ mit seiner wunderschönen Melodie und seinem ergreifenden Refrain oder „Frei sein“, „Nächstenliebe“ oder „Polaroid“ mit ihrem fetten Monstergroove belegen, dass die LARRIKINS in einer Reihe stehen mit solchen Größen wie Betontod, Broilers oder Dritte Wahl.

Fazit: Die LARRIKINS haben mit „Für die, die geblieben sind“ ein großartiges Album mit harter deutscher Musik vorgelegt. Hier verbinden sich Musik im weiten Feld zwischen deutschem Rock, Metal und Punk und durchdachte Texte zu mitreißenden und grundehrlichen Liedern. Hier ist zu jeder Sekunde Leidenschaft, Hingabe und Freude am eigenen Tun zu spüren. Ich kann nur hoffen und wünsche es ihnen von Herzen, damit auch den Erfolg zu haben, den sie verdienen. Meine Herren, herzlichen Glückwunsch – und vielen Dank für Eure Musik!

Liederliste:

1. Kettenkarussell (4:07)
2. Frei sein (5:27)
3. Unsichtbar (4:08)
4. Rachetränen (3:16)
5. Geteiltes Leid (6:02)
6. Mit dem Rücken zur Wand (4:02)
7. Polaroid (4:17)
8. Zeuge einer Zeit (6:18)
9. Rastlos (4:46)
10. Nächstenliebe (3:39)
11. Zerrissen (3:02)
12. Spuren (4:21)

Quelle Cover: www.facebook.com/larrikinsband
Quelle Foto: © Sophia Vogel

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