In Extremo (D) – Tranquilo II
In Extremo - Tranquilo II ist eine liebevoll arrangierte Reise durch die Bandgeschichte – offen, spielfreudig und überraschend
Mit „Tranquilo II“ schlagen In Extremo ein neues Kapitel auf, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen. Sechzehn Jahre nach dem ersten Akustikprojekt kehren die Spielleute zu einem Konzept zurück, das ihre Fans lange vermisst haben: bekannte Klassiker, selten gespielte Favoriten und ein neuer Song werden auf 17 Tracks überraschend umgebaut, reduziert und neu zusammengesetzt.
Dabei geht es nicht darum, die gewohnten Rockhymnen einfach leiser zu spielen. In Extremo nehmen ihre Stücke regelrecht auseinander und geben ihnen eine neue musikalische Identität. Swing, Rockabilly, Ska und Reggae treffen auf mittelalterliche Melodien, osteuropäische Klangfarben und die unverwechselbare Handschrift der Band. Das Ergebnis wirkt stellenweise intim und nachdenklich, dann wieder ausgelassen, tanzbar und verspielt.
Besonders überzeugend ist die Liveatmosphäre, in der das Album entstanden ist. Aufgenommen wurde in einem kleinen Studio im österreichischen Dornbirn – ohne überladene Produktion, dafür mit viel Raum für gemeinsames Musizieren und spontane Ideen. Dadurch klingt „Tranquilo II“ angenehm direkt und organisch. Man hört nicht nur einzelne Songs, sondern eine Band, die miteinander arbeitet, ausprobiert und sichtbar Freude an der eigenen Experimentierlust hat.
Der musikalische Rückblick reicht von frühen Klassikern wie „Spielmannsfluch“ bis zu jüngeren Stücken wie „Weckt die Toten“ und „Feine Seele“. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die Neuinterpretationen ausfallen. „Frei zu sein“ erscheint in einem deutlich entschlackten Gewand, während „Störtebeker“ durch Jan „Monchi“ Gorkow und Max Bobzin von Feine Sahne Fischfilet eine überraschende, temperamentvolle Note bekommt. Die Zusammenarbeit der beiden Bands klingt zunächst ungewöhnlich, funktioniert aber gerade deshalb so gut.
Auch die weiteren Gäste bereichern das Album spürbar. Metal-Ikone Doro Pesch verleiht „Feine Seele“ gemeinsam mit Micha Rhein eine intensive, warme Atmosphäre. Laura Fella von Faun setzt „Liam“ mit ihrer Stimme in ein beinahe märchenhaftes Licht. Oliver „SaTyr“ Pade, Niel Mitra und Geiger Justin Ciuche erweitern den Klang zusätzlich und sorgen dafür, dass die Akustikversionen nicht wie bloße Nebenprodukte wirken, sondern wie sorgfältig ausgearbeitete neue Arrangements.
Ein Höhepunkt ist der komplett neue Song „Heute wird der Himmel brennen“, der sich problemlos in den akustischen Kosmos des Albums einfügt. Er klingt vertraut, ohne rückwärtsgewandt zu sein – genau wie „Tranquilo II“ insgesamt. Die Platte blickt auf mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte zurück, verfällt dabei aber nie in reine Nostalgie.
Etwas zwiespältig bleibt lediglich, dass manche Neuarrangements ihre ursprüngliche Wucht naturgemäß verlieren. Wer In Extremo vor allem wegen donnernder Gitarren und großer Festivalmomente liebt, muss sich auf eine deutlich ruhigere Seite der Band einlassen. Doch gerade darin liegt der Reiz dieses Albums.
Das Album erscheint sowohl als LP, als auch als CD und enthält auf der limitierten CD-Version noch eine EP mit 3 zusätzlichen Songs.
Fazit: „Tranquilo II“ ist kein gewöhnliches Best-of und schon gar kein bloßes Akustik-Update. Es ist eine liebevoll arrangierte Reise durch die Bandgeschichte – offen, spielfreudig und überraschend. In Extremo beweisen einmal mehr, dass sie sich auf ihren Erfolgen nicht ausruhen. Sie nehmen vertraute Songs, geben ihnen neue Farben und zeigen, dass musikalische Grenzen für sie weiterhin eher Einladungen als Hindernisse sind.
- Störtebeker
- Sternhagelvoll
- Spielmannsfluch
- Liam
- Frei zu sein
- Feine Seele
- Rasend Herz
- Weckt die Toten
- Heute wird der Himmel brennen
- Feuertaufe
- Blutmond
- Gaukler
- Nur ihr allein
- Troja
- Lebensbeichte
- Quid Pro Quo
- Herr Mannelig
- Sternhagelvoller – Bonus EP
- Amontilado – Bonus EP
- Ave Maria – Bonus EP
Label: Universal
VÖ: 23.10.2026
Laufzeit: 69:43 Min.
Herkunft: Deutschland
Stil: Mittelalter-Rock



