HELLSPAWN – „There Has Never Been a Son of Me“

HELLSPAWN – „There Has Never Been a Son of Me“

📁 Allgemein, Reviews 🕔03.Januar 2019
HELLSPAWN – „There Has Never Been a Son of Me“

HELLSPAWN – „There Has Never Been a Son of Me“

Label: Old Temple

Laufzeit: 42:46 min

VÖ: 12.03.2016

Genre: hochklassiger Death Metal, der mit Technik und Eingängigkeit begeistert

Die polnische Death Metal Brigade HELLSPAWN hat bereits 2016 mit „There Has Never Been a Son of Me“ ihre dritte Scheibe nach „Child of Hell“ (2010) und „The Great Red Dragon“ (2012). Und das ist wieder einmal den umtriebigen Old Temple zu verdanken. Da HELLSPWAN meiner Meinung nach leider immer etwas unter dem Radar zu fliegen scheinen, wird es Zeit, das Album noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Der von HELLSPAWN gespielte Death Metal ist ein Schmelztiegel aus amerikanischen und polnischen Einflüssen, soll heißen: Freunde von Behemoth, Vader, Hate, Deicide, Immolation, Morbid Angel oder Monstrosity kommen hier voll auf ihre Kosten. Zusätzlich gibt es immer wieder orchestrale Einschübe und Choräle, die eine sakrale und morbide Stimmung erzeugen. Die werden sehr dezent und stilvoll eingesetzt und veredeln die Stücke nicht nur zusätzlich, sondern sind aufgrund ihrer ähnlichen Melodieführung und Rhythmik auch verbindendes Element („Antitrinitarian“, „Hallelujah“, „There Has Never Been a Son of Me“).

Ansonsten gibt es all das, was diesen Detah Metal ausmacht. Da gibt es sägende Riffs, oft abgehackt, stakkatoartig, brachial, eingängig, und in größter Präzision gespielt. Die immer wieder eingestreuten Gitarrenleads sind glasklar und scharfkantig, und dazu gibt es schon im eröffnenden „Do Not Be Among Idolatres“ wunderschön disharmonische Soli, denen noch viele folgen sollen. Diese Soli sind einfach Weltklasse, wahnsinnig, durchdacht, berührend, geradezu symbiotisch in die Lieder eingefügt, ich kann mich an ihnen nicht satthören. Da treibt eine stoische Doublebass die Musik in halsbrecherischem Tempo voran, flankiert von punktgenauen Breaks, und immer wieder unterbrochen von schweren Grooves („Hung on a Tree, Damned by His Father“, „For the Number Is Human“). Der Gesang agiert genretypisch tief, growlend, oftmals rezitativ auf die Riffs gestülpt. Das ist passig, nutzt sich allerdings schnell ab und wirkt auf Dauer dann etwas eintönig. Hier wünscht man sich mehr Abwechslung wie das fiese Kreischen in „Hung on a Tree, Damned by His Father“. Der Sound ist modern, soll heißen, extrem druckvoll, wuchtig, kompressiert, klar und transparent. Manchem wird das freilich schon deutlich zu steril klingen, allerdings ist es gerade auch der antiseptische Klang des Schlagzeugs, welcher der Musik einen maschinenhaften Charakter gibt und die Aura einer energischen Brutalität mit prägt.

Das Wichtigste ist und bleibt aber die Musik, die HELLSPAWN aus all dem erschaffen. Und die ist ein verdammt fetter Brocken Death Metal geworden, der richtig viel Spaß macht. Die Lieder haben komplexe Strukturen, sind aber dennoch jederzeit fassbar, nachvollziehbar, ja eingängig. Dabei gibt es überraschende Momente und genügend Gelegenheiten, immer wieder neue Details zu entdecken. Vor allem aber gelingt es HELLSPAWN, trotz aller Technik ihrer Musik Atmosphäre einzuhauchen. Das alles ist brutal, massiv, schwer, aggressiv, wütend, dunkel, unheilvoll. Und genau das soll Musik.

Fazit: HELLSPAWN haben mit „There Has Never Been a Son of Me“ ein hochklassiges Death Metal Album vorgelegt, das mit technischem Können, Struktur und Eingängigkeit (ja, das geht!), vor allem aber Attitüde und Spielwitz glänzt. Hier ist zu jeder Sekunde die große Hingabe, Motivation und Liebe zu harter Musik zu spüren. Ich kann nur jedem raten: Kaufen, auflegen und genießen!

Liederliste:

1. Do Not Be Among Idolatres (4:11)
2. Hung on a Tree, Damned by His Father (3:35)
3. Antitrinitarian (5:35)
4. For the Number Is Human (4:27)
5. Hallelujah (3:47)
6. Heralded by Prophets (4:19)
7. Upon Entering the Valley They Did Not Fear (2:51)
8. It Is Not Proper for the Gracious to Have a Son (3:52)
9. Santa Sindone (3:06)
10. There Has Never Been a Son of Me (7:03)

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