Graspop Metal Meeting 2018 – Teil 3, Samstag (23.06.2018)

Graspop Metal Meeting 2018 – Teil 3, Samstag (23.06.2018)

📁 Live, Musik 🕔21.Juli 2018
Graspop Metal Meeting 2018 – Teil 3, Samstag (23.06.2018)

Samstag

Der frühe Samstagnachmittag wird vor allem vom Fußball-WM-Gruppenspiel der Belgier dominiert: Auf dem Public-Viewing-Platz auf dem Zeltplatz hat sich eine riesige Menge belgischer Fans eingefunden, worunter die zeitgleich spielenden Bands leider etwas zu leiden haben und bei alteingesessenen Rock-Heroinen wie VIXEN beispielsweise relativ wenig los ist. Viel verpasst haben die Belgien-Fans da allerdings auch nicht wirklich, so viel sei nach kurzer Begutachtung gesagt.

Wesentlich beeindruckender sowohl auf Band- als auch auf Publikumsseite geht es dann aber bei ARCH ENEMY zu: Frontfrau Alissa White-Gluz hat in den Jahren bei den schwedisch/englischen Melo-Death-Allstars ihre Posen inzwischen zur Klasse „Metal-Olymp“ perfektioniert. Man mag von der Show und der Musik der Truppe halten, was man will – Alissa qualifiziert sich in Sachen Metal-Klischees und übertriebenem Pathos als offizielle Doro-Erbin, die Show-Effekte knallen und das Publikum feiert Hits wie das den Auftritt abschließende „We Will Rise“ gebührend ab. Muss man nicht mögen, muss man aber aufgrund seiner Professionalität und der guten Resonanzen zumindest respektieren.

Auch wenn bei KREATOR danach ebenfalls viel Show dazugehört, wirken Milles Mannen dann trotzdem etwas sympathischer, da näher am Publikum. Vor beeindruckendem Bühnenbild (welches in der prallen Sonne leider etwas untergeht) weiß die alteingesessene Thrash-Granate die angerückten Fans mit einer bunten Mischung aus allen Äras der Band zu überzeugen. Extrapunkte bringt das dem am Vortag verstorbenen Vinnie Paul gewidmete „Fallen Brother“. (Obwohl KREATOR dieses Wochenende nicht die letzten mit solch einer Widmung bleiben werden).

Im Metal Dome spielt unterdessen die Prog-Metal-Supergroup SONS OF APOLLO (u.a. – natürlich – mit Mike Portnoy), welche eine überschaubare aber begeisterte Menge anlocken. Trotz meiner Vorliebe für Prog zünden die Stücke bei mir jedoch nicht richtig und ich gehe stattdessen zurück zu den Hauptbühnen um mir dort das Ende von RISE AGAINSTs Melodic Punk mit Message anzuschauen. Kurz und knapp: Eingängige Songs, die Menge ist begeistert, alles gut.

Danach gibt es für uns AT THE GATES statt Fußball. Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren einzigen WM-Vorrundensieg einfährt (ironischerweise gegen Schweden), lassen wir uns lieber schwedischen Death Metal um die Ohren ballern – und das lohnt sich. Auch wenn bei den inzwischen nicht mehr ganz taufrischen Herren weniger auf der Bühne passiert als bei umherhüpfenden Jungspunden (und Bruce Dickinson, hehehe) hat die Bande einfach Hits im Gepäck und wie die Leute vor der Bühne dazu abgehen, zementiert AT THE GATES‘ Status, den sie auch heute noch zurecht innehaben. Erneutes Kuriosum nach dem kurzen PA-Ausfall bei Iron Maiden am Vortag: Auch im Marquee fällt zwischendurch zweimal kurz die PA aus. Bereits letztes Jahr passierte dies auch schon im Marquee (damals bei Amorphis) und wenn ich hier schon mal auf den Auftritt von THY ART IS MURDER auf der Jupiler-Stage am Folgetag hinweisen darf (siehe weiter unten), sollte hier vielleicht mal eine Fehleranalyse betrieben und entsprechend nachgebessert werden. Solche Soundausfälle dürfen auf einem Festival dieser Größe nicht in solcher Häufigkeit vorkommen.

Im Metal Dome bekommen wir dann gerade noch das Ende von BARONESS mit. Wegen der teuflischen Überschneidungen (das Billing ist einfach zu stark!) finden leider nicht so viele Leute ins Zelt wie zu dem Auftritt der Amis im Vorjahr, doch die Band lässt sich davon nicht irritieren und agiert wie immer mitreissend, sympathisch und überzeugend. Das kommt bei Publikum und Stage Manager so gut an, dass sie sogar eine „echte“ Zugabe spielen dürfen, also fast 10 Minuten länger als geplant auf der Bühne stehen. Uns Zu-Spät-Kommer freut’s.

Nach Schwedentod von At the Gates geht es mit Schwedentod von BLOODBATH weiter. Die Death-Metal-Supergroup (ja nennen wir sie ruhig so) mit „neuem“ Frontmann Nick Holmes bietet einen soliden Auftritt zur Nacht, wenn auch etwas blutleer (haha) und mit verfrühtem Ende – obwohl 75 Minuten Spielzeit angesetzt sind, wird nach 60 Minuten bereits das Feld geräumt. 60 Minuten Bloodbath sind allerdings auch absolut ausreichend um ehrlich zu sein, denn so abwechslungsreich und spannend sind weder Songs noch Bühnenpräsenz. Erneutes Kuriosum, wenn vielleicht auch verständlich: Nick Holmes kann nicht alle Texte auswendig und muss mitunter den Teleprompter zur Hilfe nehmen. Ist halt nicht seine Hauptband und wer soll sich all das Blut, Gedärm und Gekrösel auch merken können, ohne durcheinander zu kommen.

Den Absch(l)uß zur Mitternacht besorgt dann MARILYN MANSON. Erwartete man nach den katastrophalen Berichten vom Wacken-Auftritt aus dem Vorjahr eigentlich das Schlimmste (Manson war offensichtlich vollkommen dicht, beschimpfte Fans und Security und lag auch gerne mal einen ganzen Song lang ausgestreckt auf der Bühne), wird man umso mehr überrascht: Der ehemalige Schockrocker bietet einen soliden Auftritt mit vielen Hits und ohne Skandal. Auch wenn das mit der Kondition und den Screams nicht mehr ganz so gut klappt wie in den jungen Jahren, ackert Manson so gut er kann und weiß inzwischen um seine Stärken mit Schwerpunkt auf alten Hits – alleine vier gespielte Songs vom Überalbum „Antichrist Superstar“ sprechen Bände und hinterlassen den Schreiber dieser Zeilen in Verzückung.

Hier geht’s zu Teil 4, Sonntag 24.06.2018.

All pictures by Börbel. Thanks, Buddy!

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