EVOHÉ – „Deus Sive Natura“

EVOHÉ – „Deus Sive Natura“

📁 Allgemein, Reviews 🕔22.August 2019
EVOHÉ – „Deus Sive Natura“

EVOHÉ – „Deus Sive Natura“

Label: Folter Records

Laufzeit: 61:50 min

VÖ: 31.05.2019

Genre: Pagan Black Metal voller großartiger hymnischer Erhabenheit

Die Franzosen von EVOHÉ legen uns mit „Deus Sive Natura“ ihr drittes Album vor. Mir sind die Herren bisher noch nicht aufgefallen, aber bei einer Demo und dann drei Scheiben in 19 Jahren sollte das auch nicht allzu sehr verwundern. Dabei spielen EVOHÈ einen Pagan Black Metal, der in seiner wunderschönen Schroffheit und erhabenen Anmut fasziniert und berührt.

Zunächst sind EVOHÈ typisch französisch – und das im besten Sinne. Hier gibt es ein rasendes Schlagzeug, das sich unentwegt durch einen schwarzen Regen nach vorne peitscht, das auf und nieder schwillt, das sich in einem stoischen Midtempo durch die schwarzverkrustete Erde schiebt und mit den Becken markante Akzente zu setzen weiß. Dazu gesellt sich ein Bass, der selbstbewusst und energisch prägnante Linien erschafft. Aushängeschild sind jedoch die atmosphärisch schwebenden Gitarrenlinien, die sich dominant durch die Lieder schlängeln und oftmals eine geradezu sogartige Wirkung zu entfalten wissen. Die ebenso harsch und abweisend im eisigen Sturm heulen können, wie sie mit zutiefst berührenden Melodien voller dunkler Traurigkeit und Melancholie verzaubern. Da verdichten sich kaltschnaubende Riffs zu dissonanten Tongebirgen, über denen sich ein krächzender, beschwörender Gesang erhebt, der sich breit entfaltet, der umarmt, packt, umschlingt, der poetische Geschichten erzählend in fremde Welten entführt, magisch, geheimnisvoll, verhüllt. Immer wieder schwingen sich auch ein dunkler Klargesang und sakrale chorartige Männerstimmen weit hinauf in einen mystischen Kosmos. Dies alles wird präsentiert in einem Sound, der diese magische Welt so offen wie weit und klar erstrahlen lässt, der an Winterluft, Berggipfel, Wälder und Schnee erinnert und zu einer machtvollen und voluminösen Größe anschwillt.

Ihre Kunst verpacken EVOHÈ in zumeist recht langen Songs, die sich Zeit lassen, die sich langsam aufbauen, um sich dann aufzubäumen, zu winden, zu weinen, zu erzählen. Das erinnert an Bands wie Darkenhöld, Nagelfar, Windir oder Primordial. So entführt bereits das eröffnende „Differents Worlds“ in eine eigene Welt voller majestätischer Melodien und epischer Geschichten. „The Tears of Forgotten Times“ wiederum begeistert mit rockigen Riffs und zutiefst berührenden Gesangslinien, während sich „…of Ancient Lores“ und „Sleeping with Wolves“ mit rezitativem Gesang und perkussivem Schlagzeug in einem treibenden Midtempo vorwärts schieben, sich in Raserei aufbäumen und in geheimnisvoller Melancholie vergehen. Das alles ergießt sich im abschließenden „The Thousand Eyes Of A Lonely Soul“ nochmals in uns – und zeigt zugleich Stärke und Schwäche der Musik auf. Denn bei aller Gabe, großartige und berührende Stimmungen und eine Aura des archaischen und unberührten zu erschaffen, verliert sich die Musik zu oft im Nirgendwo, werden Melodien nicht weitergesponnen oder bis in ein zähes Phlegma ausgewalzt. Das ist schade, denn mit „Eola Monumenta” beweisen EVOHÈ mehr als eindrucksvoll, dass sie in der Lage sind, kurz und präzise zu agieren, denn dieser Song ist in seiner mitreißenden Eingängigkeit und seiner düsteren Härte in einer Schnittmenge aus The Mission, den Sisters Of Mercy, Running Wild und Grand Magus nichts weniger als ein verdammter Hit!

Fazit: EVOHÈ gelingt es mit „Deus Sive Natura“, Musik zu formen, die lebt, die berührt, die in uns hinein fließt, mit uns spricht und sich mit unserem tiefsten Inneren zu verbinden vermag. Das ist voller Energie, Macht, Gewalt, Melodik und Atmosphäre. Wer tief eintauchen möchte in epische Hymnen voller sakralem Heroismus, der wird EVOHÈ lieben.

Liederliste:

1. Differents Worlds (6:55)
2. Nemesis (Hall of the Slain) (5:01)
3. The Tears of Forgotten Times (7:24)
4. …of Ancient Lores (7:34)
5. Fylgja (2:05)
6. Eola Monumenta (3:40)
7. Sleeping with Wolves (6:36)
8. A Thunder of Misfortune (5:06)
9. The Thousand Eyes of a Lonely Soul (7:29)

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