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Dimmu Borgir (NOR) Grand Serpent Rising

Dimmu Borgir bedarf es eigentlich keiner großen Vorstellung mehr. Aber für die, die dies brauchen, eine kurze Beschreibung zur

Dimmu Borgir (NOR) Grand Serpent Rising

Dimmu Borgir bedarf es eigentlich keiner großen Vorstellung mehr. Aber für die, die dies brauchen, eine kurze Beschreibung zur Band: Die Norweger gehören seit den Neunzigern zu den prägenden Namen des Symphonic Black Metal, weil sie frostige Raserei, theatralische Monumentalität und finstre Melodik zu einem unverwechselbaren Markenzeichen verschmolzen haben. Nach Jahren des Wartens kehren Dimmu Borgir mit „Grand Serpent Rising“ zurück, und schon der Titel klingt wie eine Kampfansage aus einer Kathedrale, deren Fenster längst geborsten sind.

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Hört und seht hier die YouTube-Playlist zu „Grand Serpent Rising“ von Dimmu Borgir

Zwischen alter Kälte und neuer Größe

Der Einstieg zeigt sofort, dass „Grand Serpent Rising“ kein zahmes Alterswerk geworden ist. Die Band arbeitet mit massiven Gitarrenwänden, wuchtigen Drums und orchestralen Schichten, ohne den Kern ihrer finsteren Identität preiszugeben. Besonders stark ist, wie die Songs zwischen erbarmungsloser Direktheit und majestätischer Breite pendeln. Dort, wo andere Bands entweder in sterilem Bombast oder bloßer Raserei versinken, behalten Dimmu Borgir die Kontrolle. Die Kompositionen wirken groß, aber nicht aufgeblasen, aggressiv, aber nicht planlos.

Gerade „Ulvgjeld & Blodsodel“ entfaltet eine archaische Wucht, die tief in nordischer Symbolik und blutiger Erhabenheit wurzelt. Der norwegische Vortrag gibt dem Stück eine zusätzliche Schärfe und lässt die Musik weniger wie reine Unterhaltung, sondern eher wie ein Ritual erscheinen. „Ascent“ widerum geht direkter nach vorne und zeigt, dass Dimmu Borgir auch 2026 noch wissen, wie man Härte, Groove und schwarze Eleganz miteinander verschraubt. Die Riffs schneiden sauber, die Orchestrierung erhebt sich darüber wie Rauch aus einem Opferbecken.

Die Schlange häutet sich

Bemerkenswert ist, dass „Grand Serpent Rising“ nicht nur alte Trademarks verwaltet. In Songs wie „Tridentium“, „As Seen in the Unseen“ oder „Repository of Divine Transmutation“ scheint die Band bewusst verschiedene Kapitel ihrer eigenen Geschichte aufzugreifen: die kalte Schwärze früher Tage, die symphonische Übermacht der großen Klassiker und die moderne, druckvolle Produktion späterer Jahre. Dennoch entsteht daraus kein nostalgisches Best-of in neuen Gewändern. Vielmehr wirkt das Album wie eine Häutung: vertraut in der Gestalt, aber mit frischer, gefährlicher Haut.

Shagrath klingt dabei gewohnt dämonisch, jedoch nicht eindimensional. Sein Gesang kriecht, faucht und herrscht über die Arrangements, während Silenoz mit den Gitarren jene Mischung aus Eiseskälte und imperialer Wucht liefert, die man von Dimmu Borgir erwartet. Die Produktion setzt jedes Detail klar in Szene, lässt aber genug Schmutz übrig, damit das Ganze nicht zu klinisch wirkt.

Im hinteren Teil verdichtet sich diese Dramaturgie noch einmal. „Phantom of the Nemesis“, „The Exonerated“ und „Gjoll“ setzen nicht einfach nur weitere Akzente, sondern führen den Hörer tiefer in diese Mischung aus kosmischem Größenwahn, okkulter Symbolik und kontrollierter Eskalation. Gerade das Finale wirkt wie ein Tor, das sich langsam öffnet und dann mit gewaltigem Nachhall zufällt. Es bleibt dunkel, aber nie leblos, nie bloß dekorativ.

Unser Fazit

Mit „Grand Serpent Rising“ beweisen Dimmu Borgir, dass sie noch immer eine Sonderstellung im extremen Metal beanspruchen dürfen. Das Album ist opulent, bissig, düster und selbstbewusst. Nicht jeder Moment überrascht, aber fast jeder Moment sitzt. Wer die Band wegen ihrer theatralischen Größe liebt, bekommt reichlich Futter; wer sich mehr alte Schwärze wünscht, findet ebenfalls genügend Schatten. „Grand Serpent Rising“ ist keine Revolution, sondern eine machtvolle Rückkehr. Eine Schlange, die nicht nur steigt, sondern erneut zubeißt.

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