DEVIL UNNAMED – „Media“

DEVIL UNNAMED – „Media“

📁 Allgemein, Musik, Reviews 🕔03.Januar 2021
DEVIL UNNAMED – „Media“

DEVIL UNNAMED – „Media“

Genre: sehr eigenwilliger, bolleriger Heavy Metal

DEVIL UNNAMED sind eine Band aus Peine, die mit „Media“ ihr Debütalbum vorlegen. Zu hören gibt es einen sehr eigenwilligen und originellen Heavy Metal. Ihr selbstgestecktes Ziel erreichen sie mit den vorgelegten neun Liedern auf jeden Fall: Ja, das ist eigenständig, abwechslungsreich und unangepasst.

Die Musik von DEVIL UNNAMED ist ungezähmt, wirr und entfesselt. Die Lieder variieren im Tempo, das hetzt gerne im Doublebassgewitter voran („Social Justice Warriors“), kann sich aber auch dunkel doomend über blutigen Beton schleifen („Darkest Dungeon“). Immer wieder gibt es plötzliche Tempowechsel, und oft wirkt es so, als würden verschiedene Riffs und Liedteile in einen großen Topf geworfen und dann mit der groben Kelle herausgefischt und zusammengeklebt.

Das klingt nun schlimmer, als es dann ist. Denn alles basiert auf eingängigen und jederzeit stringenten Riffs. Die haut uns die Gitarre schön roh und ungezähmt um die Ohren. Dazu gibt es ab und an eingängige melodiache Leads („I’m Trapped“, auch wenn die Lead zum Beginn von „War of Toys“ dezent daneben gespielt wird). Das Schlagzeug agiert songdienlich, wackelt aber aber auch gerne mal und hoppelt gerade beim Einsatz schnellerer Doublebass wie ein Mofa über ein Stoppelfeld, aber das passt vortrefflich zum wild galoppierenden Charme der Musik. Ruhepol in dieser ungestümen Stampede ist der Bass. Der fängt die immer wieder ungehemmt ausbrechenden Gitarre und Schlagzeug routiniert ein und sorgt für Struktur und Nachvollziehbarkeit. Und die Basslinien sind fein gespielt und werten die Songs deutlich auf.

Und dann kommt da dieser Sänger. Der Herr Beierbach ist alles, aber nicht langweilig oder gleichförmig. Nein, ganz gewiss nicht. Mit seiner recht hohen Stimme und seinem extravaganten Gesang gibt es nur die Wahl zwischen hassen oder lieben, und das abgrundtief. Der Mann kann – und so deutlich muss das leider gesagt werden – nicht singen. Das kümmert ihn zum Glück aber nicht. Der Herr lacht über jegliche Konventionen und hat dafür etwas anderes zu bieten: Herz, Seele, Mut, Hingabe und Traute. Damit krakeelt, brüllt, schreit, lärmt und röhrt er sich kämpferisch und halsbrecherisch durch die Lieder. Zumeist reitet er expressiv rezitierend auf den Riffs oder schwingt sich pathetisch und blumenreich ergreifend durch die Refrains. Da folgt auf ein dunkles Gegrowle dann gerne mal ein dramatisches Lamentieren oder ein Ausflug in King Diamondsche Höhen („Darkest Dungeon“, „Devil’s Messenger“, „Media“).

So krude und abenteuerlich sich das auch alles anhören mag, es funktioniert. Ja, nicht jedes Lied packt, und einiges wirkt noch recht unfertig. Aber gerade in der zweiten Hälfte gibt es mit der düsteren Atmosphäre von „Darkest Dungeon“ und den beiden gelungenen Brechern „Devil’s Messenger“ und „There Is Nothing“ mitreißenden Heavy Metal zu hören.

Fazit: DEVIL UNNAMED legen mit „Media“ ein Debüt vor, dass vor eigenwilligem Heavy Metal strotzt. Der wird roh und bollerig dargeboten und wirkt so unfertig wie wild und fesselnd. Scheiden werden sich die Geister am Gesang von Herrn Beierbach. Aber das wissen die Herren und das soll genau so sein. Ungeachtet dessen ist hier zu jeder Sekunde Leidenschaft, Engagement und die Liebe zu harter Musik zu spüren. Und Spaß macht die Sache auch, und ist das nicht das wichtigste?! Ich kann nur sagen: Willkommen, meine Herren von DEVIL UNNAMED, macht weiter so und lasst Euch nicht verbiegen. Aber etwas mehr Struktur und ein veritabler Hit darf es in Zukunft gerne sein.

Liederliste:

1. Social Justice Warriors (3:20)
2. Collateral Damage (4:26)
3. Shadows (4:37)
4. I’m Trapped (4:29)
5. War of Toys (4:57)
6. Darkest Dungeon (7:28)
7. Devil’s Messenger (4:12)
8. Media (5:10)
9. There Is Nothing (4:18)

Label: Eigenveröffentlichung

Laufzeit: 42:57 min

VÖ: 04.11.2020

Quelle Bild: https://www.facebook.com/devilunnamed/

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