Bericht: Savatage „Prelude To Madness European Tour 2026“, Support: Nevermore, Parkbühne im Clara-Zetkin-Park, Leipzig, 12.08.2026
Ich muss gestehen, dass ich die Tampa-Boys noch nie live erleben durfte. Bei sämtlichen Terminen von Savatage, auch in
Ich muss gestehen, dass ich die Tampa-Boys noch nie live erleben durfte. Bei sämtlichen Terminen von Savatage, auch in den Neunzigern, kam immer wieder etwas dazwischen. Nun aber war es endlich soweit und ich konnte diese Lücke schließen.
Doch der Reihe nach. Die Anfahrt nach Leipzig war autobahntechnisch soweit prima. Doch auch Leipzig hat sich zu einer Stadt mit Baustellenfaktor 10 erfolgreich in die Liste der Städte mit Störungen durch Baustellen, die gefühlt nie fertig werden und seltsamerweise immer dann neu entstehen wenn man sie nicht braucht, eintragen können. So kam es dann, dass wir den Anfang von Nevermore schlicht im Stau und mit der Parkplatzsuche (was übrigens eine kleine Herausforderung ist) verbracht haben. Endlich auf dem Gelände angekommen, öffnete sich ein kleiner, aber feiner Park, der laut Veranstalter bis zu 2500 Menschen fasst. An diesem Abend fanden 2300 Fans den Weg zur Metal Legende, die ansonsten auf dieser Tour fast nur auf Festivals spielt und sie wurden Zeuge eines denkwürdigen Auftritts. Viel zu wenig für eine Band, die Metal-Geschichte geschrieben hat.
Nevermore verstanden es die Meute schon mal ordentlich anzuheizen, wobei besonders Sänger Berzan Önen und Gitarrist Jeff Loomis eine fantastische Figur abgaben. Auch wenn diese Besetzung mit der ursprünglichen nicht mehr viel zu tun hat, hat die Band sauber abgeliefert. Druckvoll, aggressiv und prima in Form, spielten sie sich durch ihr knapp einstündiges Set, das natürlich einige große Klassiker am Start hatte. Wer nun denkt, dass die einst von Warrel Dane eingesungenen Songs nicht mehr stimmig sind, sah sich getäuscht. Berzan Önen hat sich inzwischen gut in seine Rolle des Fronters eingefunden und liefert gesanglich eine tolle Leistung ab. Blitzsaubere Leistung also.
Setlist:
Beyond Within
Inside Four Walls
My Acid Words
Final Product
The Heart Collector
Born
Narcosynthesis
The River Dragon Has Come
Enemies Of Reality
Sentient 6
Punkt 20:00 Uhr erklingen die ersten Töne von „Morphine Child“ und die Band betritt die Bühne ohne großen Firlefanz. Sofort wird klar, dass hier die Musik im Vordergrund steht, es nicht um Feuerwerk, Pyros und anderer Effekthascherei geht. Die Band, sauber eingespielt, liefert eine Show, die lediglich durch eine große Leinwand im Hintergrund ein Unterstützung findet. Mehr braucht die Boys aus Florida aber auch gar nicht.
Sänger Zak Stevens zeigt sich von Anfang an als der Mann, der das Publikum dirigiert und mit seiner grandiosen Stimme alle in den Bann zieht. Natürlich sind auch Al Pitrelli und Chris Caffery in spielerischer Höchstform, John Lee Middleton, seit ein paar Jahren Bartträger und Jeff Plate hinter den Kesseln bilden das Rückgrat der Band, während die zwei Gast-Keyboarder, Shawn McNai und Paulo Cuevas, für die nötigen orchestralen Elemente verantwortlich zeigen.
Mit „Dead Winter Dead“ startet die Band dann in ihr 115 Minuten langes Set. Ich hätte nie gedacht, dass ich doch noch mal in den Genuss komme und diese Songs live erleben darf. Umso größer war die Freude, dass die Band an Spielfreude und -kraft absolut nichts verloren hat, vielleicht sogar in bestechenderer Form ist, als noch vor geraumer Zeit.
Das Set führt den geneigten Fan dann durch die gesamte Diskografie, von „Sirens“ bis zu „The Hourglass“ und natürlich den Klassikern, wie „Warriors“, „Power Of The Night“, „Gutter Ballet“ oder „Hall Of The Mountain King“ und die Band wird nach jedem Song frenetisch abgefeiert. Wenn man so viele Konzerte im Laufe seines Lebens besucht hat, kehrt manchmal auch eine gewisse Sättigung ein und kann dazu führen, dass man den Moment nicht wirklich genießt. Doch in Leipzig war das anders. Ich habe mich manchmal selbst dabei ertappt, wie ich mich in die Zeit zurück versetzt fühlte, als diese Alben auf den Markt kamen und bis heute ein fester Bestandteil in immer wiederkehrenden Playlisten sind.
Dass vor allem Chris Caffery auch ein großartiger Sänger ist, konnte er bei „Warriors“ eindrucksvoll unter Beweis stellen, klang er doch stellenweise wie Jon Oliva selbst. Einer der ganz großen Momente des ohenhin mit Highlights gespickten Sets.
Dass der Mountain King himself, Jon Oliva, an dieser Tour nicht teilnehmen konnte, war von Anfang klar und doch scheint er sich für die Bühne zu wappnen, glaubt man den Worten von Zak Stevens, der ihn beim Song „Believe“ ankündigt und anschließend im Duett mit Zak den Gänsehaut erzeugenden Songs aus dem Erfolgsalbum „Streets – A Rock Opera“ über die Leinwand mitsingt. Ein absolutes Highlight des Abends!
Mit „Gutter Ballet“ und „Edge Of Thorns“ biegt die Band dann auf die Zielgerade ein und liefert schließlich mit „Hall Of The Mountain King“, auf den alle Fans an diesem Abend gewartet haben, den Schlußpunkt für eine mehr als denkwürdige Show. Man darf gespannt sein, wie das bereits angekündigte neue Studioalbum mit dem Arbeitstitel „Curtain Call“ dann ausfällt. In dieser Form der Band darf man sich wohl jetzt bereits auf ein kleines Meisterwerk freuen, wenn denn der Mountain King zurück zu alter Kraft findet.
Setlist:
Morphine Child
Dead Winter Dead
Jesus Saves
Lights Out
Taunting Cobras
Unusual
Handful Of Rain
Tonight He Grins Again
Chance
Temptation Revelation
Prelude To Madness
Warriors
Miles Away
This Is The Time
Sirens
Another Way
Strange Wings
Power Of The Night
The Hourglass
Believe
Gutter Ballet
Edge Of Thorns
Encore:
Hall Of The Mountain King
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