ASCEND THE HOLLOW – „Echoes Of Existence“

ASCEND THE HOLLOW – „Echoes Of Existence“

📁 Allgemein, Reviews 🕔17.August 2019
ASCEND THE HOLLOW – „Echoes Of Existence“

ASCEND THE HOLLOW – „Echoes Of Existence“

Label: Dr. Music Records

Laufzeit: 52:42 min

VÖ: 07.06.2019

Genre: Progressive Melodic Death Metal mit schickem Cyber-Touch

ASCEND THE HOLLOW sind ein internationales Kollektiv, die mit „Echoes Of Existence“ ihr Debütalbum in den Orbit der harten Musik schießen. Den Inhalt ihrer musikalischen Rakete nennen die drei Herren an den Instrumenten und eine Frau am Gesang „European-based, female-fronted progressive cyber-tech metal“. Das sind eine Menge Etiketten, die es meiner Meinung nach gar nicht braucht. Aber die heutige Zeit wird auch (und gerade) in der Hartmusikszene bestimmt von der fast verzweifelt anmutenden Suche nach irgendeiner Art von Einzigartigkeit. Und um das vorweg zu nehmen, ASCEND THE HOLLOW haben dies gar nicht nötig, denn wenngleich ihre Musik nichts ist, was noch niemand in unserem Universum gehört hat, ist sie doch hochklassig und mit Leidenschaft dargeboten.

Da zünden als erste und zweite Stufe der Rakete zunächst das Können der Herren an ihren Instrumenten und der Sound. Und ich rede hier nicht davon, dass die Gitarren 9 und der Bass 6 Saiten aufweisen. Nein, ich rede davon, dass die Herren diese Instrumente auch verdammt sicher und präzise zu spielen wissen. Da gibt es fette Metalriffs, die sich ebenso zu tonnenschweren Riffgewittern erheben können („This Dark Rage“) wie sie ultratight abgestoppt mechanisierte Rhythmen erzeugen („Vessels“, „Swarms Within“). Da erklingen aber auch melodische Leads in einer wunderschön traurigen Melancholie („Repent Rewind Reset“) und immer wieder schicke Soli, die den metallisch glänzenden Look nochmals veredeln („Prisoners Of The Storm“). Auch der Bass weiß sich gegen die Urgewalt aus Synthies, Gitarren und Schlagzeug zu wehren, die ihn immer wieder zu ersticken droht (Hört Euch „Mother Of Morality“ an!). Ich rede hier aber auch explizit über das programmierte Schlagzeug und die Synthies, die elementare Bestandteile des lyrischen wie musikalischen Kosmos von ASCEND THE HOLLOW darstellen. Das Schlagzeug passt sich in seiner maschinellen Urgewalt perfekt in die industrielle Atmosphäre ein, und dies gilt nicht nur für die Doublebassattacken, sondern ebenso für rhythmisch höchst anspruchsvolle Takte und einen stoisch vorwärts marschierenden Groove. Die Synthies und elektronischen Effekte sorgen nicht nur für eine Menge Volumen im Sound, sondern setzen eigene rhythmische und melodische Akzente. Dabei umschlingen sich die harten metallischen Gitarren und elektronischen Adern symbiotisch miteinander und erstrahlen weitab jeglicher Beifall heischenden Attitüde. Darüber legt sich der weibliche Gesang, der vom Gegensatz aus dunklem kraftvollen Growlen und melodischem Klargesang lebt. Beides beherrscht Sängerin M-Noise gut, ihre Stimme transportiert glaubhaft Emotionen, und in ihrem wütenden Grollen erinnert sie immer wieder an Alissa White-Gluz oder Britta Görtz – und das sind ja beileibe nicht die schlechtesten Referenzen. Dazu passend gibt es einen modernen Sound, soll heißen: fett, hart, mächtig, präzise, glasklar, raumgreifend, weit, breit, transparent.

All diese instrumentale Wucht wird in dicken Schichten wieder und wieder übereinander getürmt, hoch hinauf, dickwandig, dunkel und undurchdringlich. Ich nenne dieses mächtige Gebirge modernen Death Metal, progressiv, technisch und zu jeder Sekunde state of the art. In manchen Momenten wirkt das überfrachtet, etwas ziellos, wenig fokussiert und seltsam zerrissen, auch, weil sich ab und an zu bemühte und wenig packende klare Gesangslinien einschleichen („This Dark Rage“, „Swarms Within“). Aber es überwiegen die vielen schönen Momente, Lieder voller Brachialität und Anmut, voller Gewalt und Grazilität, voller tonnenschwerer Riffasteroiden und zerbrechlicher Melodiefunken. Die mit berührenden Refrains versehenen Brecher „Prisoners Of The Storm“ und „Mother Of Morality“ oder das abschließende „Repent Rewind Reset“, in dem sich noch einmal melancholische Schönheit und dynamisches Grollen vereinen, sind großartige Musik voller Leidenschaft und pulsierender Energie. Und mit „Sea Of Crises“ gibt es einen veritablen Hit, der in seiner geradlinigen Kraft Eingängigkeit und Gewalt im hellsten Sternenlicht erstrahlen lässt.

Fazit: ASCEND THE HOLLOW machen auf ihrem Debüt „Echoes Of Existence“ viel richtig. Das ist komplex arrangierter, kompetent gespielter Death Metal, der bei aller elektronischen Färbung stets auf harten Metalriffs basiert. Auch wenn noch nicht jede Idee zündet und jede Melodie zwingende Prägnanz entwickelt, macht das zu jeder Sekunde Spaß, fesselt und reißt mit. Fans von Fear Factory, The Kovenant, Samael, aber auch Nemesea oder Lacuna Coil sollten hier auf jeden Fall reinhören – und werden es nicht bereuen. Versprochen!

Liederliste:

1. Polaris Calling (6:04)
2. Vessels (4:09)
3. Mother Of Morality (6:48)
4. Sea Of Crises (5:11)
5. Into The Black Eye (3:36)
6. This Dark Rage (5:53)
7. Swarms Within (5:00)
8. Prisoners Of The Storm (5:16)
9. Repent Rewind Reset (7:43)
10. C3lls (2:57)

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