Airbourne (AUS) – Airbourne
Es hat diesmal ein paar Jahre gedauert, bis es endlich neuen Stoff der Australier gibt. Es gibt Bands, die
Es hat diesmal ein paar Jahre gedauert, bis es endlich neuen Stoff der Australier gibt. Es gibt Bands, die sich langsam an ein Album herantasten. Airbourne gehören nicht dazu. Diese Jungs stürmen lieber durch die Tür, werfen den Verstärker an und fragen anschließend, ob jemand etwas dagegen hat. Am 4. September erschien ihr neues Album „Airbourne“ – ein Titel, der ungefähr so subtil ist wie ein Vorschlaghammer im Wohnzimmer. Aber genau das passt: Hier weiß man sofort, worauf man sich einlässt. Airbourne liefern keinen Soundtrack zum Teetrinken, sondern Musik für Nächte, in denen das Bier warm, die Stimme heiser und die Nachbarn endgültig beleidigt sind. Die Gitarren kreischen, das Schlagzeug prügelt, und Sänger Joel O’Keeffe klingt, als hätte er gerade einen Boxkampf gegen einen kaputten Röhrenverstärker gewonnen. Das Album ist kompromisslos, dreckig und angenehm frei von musikalischen Sicherheitsgurten.
Besonders auffällig ist die Mischung aus klassischem Hard Rock und jener unverschämten Energie, die Airbourne seit jeher auszeichnet. Natürlich hört man die großen Vorbilder heraus: AC/DC, Motörhead und überhaupt alles, was nach Lederjacke, Benzin und einer fragwürdigen Entscheidung um drei Uhr morgens klingt. Doch Airbourne kopieren nicht einfach – sie treten das Erbe mit Stahlkappenstiefeln weiter.
Zwischen den donnernden Riffs schwingt auch eine emotionale Seite mit. Der sehr persönliche Brief an Lemmy gibt dem Album eine überraschend nachdenkliche Note. Darin heißt es sinngemäß: „Du hast uns gezeigt, dass man niemals leiser werden muss, nur weil die Welt darum bittet.“ Ein Satz, der ziemlich genau beschreibt, worum es bei Airbourne geht. Laut sein ist hier kein Mangel an Manieren, sondern eine Lebenseinstellung. An anderer Stelle heißt es: „Wir vermissen deinen Bass, dein Lachen und deine Art, jedem Ende noch einen letzten Song abzuringen.“ Das ist kitschig? Vielleicht ein kleines bisschen. Aber bei Lemmy und Airbourne darf es ruhig emotional werden. Schließlich handelt es sich um Männer, die vermutlich schon einmal ein Mikrofon mit einer Bierflasche verwechselt haben. Da darf ein Brief auch mal direkt aus dem Herzen kommen – solange das Herz mindestens 120 Dezibel schafft.
Musikalisch überzeugt das Album vor allem dann, wenn Airbourne nicht versuchen, besonders clever zu wirken. Ihre Stärke liegt in der Unmittelbarkeit. Die Songs rollen los, bauen keinen unnötigen akademischen Unterbau und kommen schnell zur Sache. Refrains bleiben hängen, Gitarren wollen laut gehört werden, und mindestens ein Nachbar wird sich vermutlich fragen, ob nebenan gerade eine kleine Revolution stattfindet. Aber mal ehrlich… so muss das doch sein. Natürlich ist diese Konsequenz nicht für alle Ohren gemacht. Wer musikalische Feinzeichnung, sanfte Zwischentöne oder längere Erholungspausen sucht, sollte vielleicht lieber eine Klangschale kaufen. „Airbourne“ will nicht meditieren. Dieses Album will schwitzen, springen und die Luft aus den Lautsprechern drücken.
Der Brief an Lemmy verleiht dem Ganzen jedoch eine zusätzliche Bedeutung. „Wir tragen dein Feuer weiter – nicht leise, nicht vorsichtig, sondern genau so, wie du es uns beigebracht hast.“ Das klingt pathetisch, trifft aber den Kern. Airbourne feiern nicht nur den Rock ’n’ Roll, sie verteidigen ihn geradezu gegen alles, was zu glatt, zu geschniegelt oder zu vernünftig geworden ist und dafür braucht es keine Innovation.
Fazit: „Airbourne“ ist ein wuchtiges, ehrliches und herrlich unvernünftiges Rockalbum. Es ist nicht dafür gedacht, im Hintergrund zu laufen. Es will im Vordergrund stehen, die Möbel verschieben und anschließend noch eine Zugabe verlangen. Wer harte Gitarren, große Refrains und eine ordentliche Portion Lemmy-Verehrung mag, wird hier bestens bedient. Und wer es nicht mag, hört vermutlich sowieso zu leise.
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Label: Thunderpoint PTY Ltd./Spinefarm/Universal Music
VÖ: 04.09.2026
Laufzeit: 47:13 Min.
Herkunft: Australien
Stil: Hardrock



