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KMFDM (DE) – Enemy

Was 1984 als experimentelles Performanceprojekt von Sascha Konietzko und Udo Sturm begann, entwickelte sich von Hamburg aus zu einer

KMFDM (DE) – Enemy

Was 1984 als experimentelles Performanceprojekt von Sascha Konietzko und Udo Sturm begann, entwickelte sich von Hamburg aus zu einer der international einflussreichsten Industrial-Formationen. Mit Drumcomputern, Samples, metallischen Gitarren und dem Wechselspiel aus männlichem und weiblichem Gesang prägten KMFDM insbesondere während ihrer Zeit bei Wax Trax! Records einen eigenen Stil: den Ultra Heavy Beat. Nach der vorübergehenden Auflösung 1999 kehrte die Band 2002 zurück und blieb seitdem produktiv. Das am 6. Februar 2026 über Metropolis Records veröffentlichte „Enemy“ ist das offiziell 24. Studioalbum. Überschattet wurde die Veröffentlichung von einer schweren Nierenkrebserkrankung bei Sascha Konietzko, die kurz nach Fertigstellung des Albums diagnostiziert wurde. Nach mehreren Operationen erklärte er inzwischen, dass es gesundheitlich gut aussehe. Die für Februar und März geplante Europatournee musste deshalb verständlicherweise verschoben werden – in einer solchen Situation hat die Gesundheit ohne jede Diskussion Vorrang.

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Hört hier das Album „Enemy“ von KMFDM.

Ultra Heavy Beat gegen den Zeitgeist

Der Titelsong eröffnet das Album als politisches Manifest gegen Heuchelei, Diskriminierung und autoritäres Denken. Massive Gitarren, elektronische Schläge und der Wechsel zwischen Konietzko, Lucia Cifarelli und den Hintergrundstimmen von Annabella Konietzko erzeugen einen wuchtigen Auftakt. „Oubliette“ verbindet anschließend Gothic Electro mit melodischem Industrial Rock, während „L’Etat“ deutlich aggressiver ausfällt. Verzerrte Stimmen, scharf programmierte Rhythmen und metallische Riffs lassen hier klassischen KMFDM-Zorn auf eine moderne Produktion treffen.

Dass „Enemy“ gitarrenbetonter klingt als einige der unmittelbaren Vorgänger, ist kein Zufall. Sascha Konietzko spielte diesmal verstärkt Rhythmusgitarre, während der neue Gitarrist Tidor Nieddu die Leadparts übernahm. Das Ergebnis ist ein körperlicherer Klangkosmos, ohne dass die elektronischen Wurzeln verdrängt werden. „Vampyr“ bewegt sich mit federndem Bass und dunklem Groove durch die Nacht, während das eingängige „A Okay“ Synthesizer, Rockgitarren und Pop-Appeal überraschend leichtfüßig zusammenführt.

Eine besondere Rolle nimmt „Yoü“ ein. Hier feiert Annabella Konietzko, die Tochter von Sascha und Lucia, ihr Songwritingdebüt bei KMFDM und bringt eine eigenständige, frische Stimme in den Bandsound ein. Demgegenüber liefert „Outernational Intervention“ eine bissige Mischung aus Industrial Metal und Thrash, bevor „Stray Bullet 2.0“ den bekannten Titel in ein lässiges Dub- und Reggae-Gewand überführt. „Catch & Kill“ arbeitet mit hypnotisch dunklen Flächen, das instrumentale „Gun Quarter Sue“ stellt Gitarren und Sounddesign in den Vordergrund, und „The Second Coming“ beendet das Album mit apokalyptischer Schwere.

Die Produktion wirkt ausgesprochen klar und kraftvoll. Beats, Bass, Synthesizer und Gitarren behalten auch in den dichtesten Passagen ihre Konturen. Benjamin Lawrenz verleiht dem Material mit Mix und Mastering eine zeitgemäße Wucht, ohne den typischen KMFDM-Charakter glattzupolieren. Inhaltlich bleibt die Band ihrer Haltung treu: Gesellschaftliche Verwerfungen werden nicht bloß beobachtet, sondern mit Spott, Wut und kämpferischer Energie beantwortet.

Unser Fazit

„Enemy“ zeigt KMFDM riffbetonter, abwechslungsreicher und kompositorisch konzentrierter als zuletzt. Zwischen Industrial Metal, Electro, Dub und düsterer Clubmusik entsteht ein geschlossenes Album, das trotz seiner stilistischen Sprünge unverkennbar nach Ultra Heavy Beat klingt. Eine starke Veröffentlichung – verbunden mit dem aufrichtigen Wunsch, Sascha Konietzko bald wieder vollständig genesen auf der Bühne erleben zu können.

Cover von KMFDM – Enemy

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