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Solace (USA) Fading Failing Ruin

Dreißig Jahre nach ihrer Gründung klingen Solace nicht wie eine Band, die ihr Jubiläum mit einer gemütlichen Rückschau begehen

Solace (USA) Fading Failing Ruin

Dreißig Jahre nach ihrer Gründung klingen Solace nicht wie eine Band, die ihr Jubiläum mit einer gemütlichen Rückschau begehen möchte. Sieben Jahre nach „The Brink“ fährt das Quintett aus New Jersey auf seinem fünften Studioalbum „Fading Failing Ruin“ noch einmal nahezu alles auf, was seinen selbst ernannten Dirt Metal auszeichnet: tonnenschwere Doom-Riffs, klassischen US Heavy Metal, Hardcore-Wut, psychedelische Abzweigungen und eine geradezu verschwenderische Menge an Gitarrensoli. Neun Songs und rund 67 Minuten lang beschreiben Solace eine Welt im freien Fall – gewaltig, melodisch und erfreulich weit entfernt von berechenbarem Stoner-Rock-Routinebetrieb.

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Hört hier die YouTube-Art-Playlist zu „Fading Failing Ruin“ von Solace

Keine Altersmilde in New Jersey

„Spiral Will“ eröffnet das Album ohne langes atmosphärisches Vorspiel. Die Rhythmusgruppe schiebt, die Gitarren schlagen bereits früh ihre ersten Haken und Justin Goins bewegt sich zwischen rauem Druck, melodischer Kontrolle und einer leicht angeschlagenen Dramatik. Besonders auffällig ist die Doppelspitze aus Tommy Southard und Justin Skyler Daniels: Beide spielen nicht bloß schwere Akkorde, sondern werfen sich Leads, Harmonien und Soli zu, als müsste jede freie Fläche des Songs noch einmal angezündet werden.

„Fettered to a Stone“ verbindet diesen klassischen Metal-Ansatz mit einer tiefer liegenden, beinahe grungigen Gesangsmelodie, während „A God Changes His Plans“ die apokalyptische Grundstimmung weiter verdichtet. Im Zentrum der ersten Albumhälfte steht jedoch „Wrath’s Object (The Big Fall)“. Die Nummer wächst über geschichtete Stimmen, schwere Doom-Passagen und eine nahezu permanente Gitarrenunruhe zu einem jener ausladenden Solace-Stücke heran, die nicht einfach auf einen Refrain zusteuern, sondern sich langsam ihren eigenen Abgrund bauen.

Taktbrüche und Gitarrenfeuer

Mit „Beyond Below“ erreicht „Fading Failing Ruin“ einen seiner stärksten Punkte. Ein ursprünglich weit zurückreichendes Riffgerüst wird von der heutigen Besetzung zu einem komplexen, aber unmittelbar wirkenden Stück ausgebaut. Die Melodien greifen sauber ineinander, während die zahlreichen Soli weniger wie dekorative Zugaben als wie ein zweites Erzählsystem funktionieren. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie selbstverständlich Solace klassischen Heavy Metal mit Doom-Schwere und zeitgemäßem Druck verbinden.

Noch vertrackter arbeitet „Malengine (The Scaffold)“. Das zentrale Riff wechselt zwischen ungewöhnlichen Neuner- und Elfer-Takten, ohne dabei seinen Groove zu verlieren. Aus einem zurückgenommenen Einstieg entwickelt sich ein Song, der Doom, metallische Schärfe und eine psychedelisch gefärbte Passage ineinanderschiebt. Technische Konstruktion und körperliche Wirkung stehen sich dabei nicht im Weg – im Gegenteil: Gerade die ungeraden Bewegungen lassen das Stück wirken, als würde der Boden unter den Verstärkern langsam nachgeben.

Bis zum letzten Abgrund

„Every Day Is a Loaded Gun“ trägt seine permanente Bedrohung bereits im Titel und hält das Album weiter zwischen düsterer Melodik und kontrollierter Eskalation. „Ridden“ beendet die Platte schließlich mit einem schweren Midtempo-Gang, über dem sich markante Gesangslinien und erneut großzügig verteilte Gitarren ausbreiten. Statt eines versöhnlichen Schlusspunkts hinterlassen Solace eine verkohlte Landschaft und das Gefühl, dass der nächste Zusammenbruch nur wenige Takte entfernt liegt.

Dass beinahe jeder Song eine andere Gewichtung aus Doom, Heavy Metal, Hardcore, Sludge und Psychedelic Rock mitbringt, schützt die lange Spielzeit weitgehend vor Gleichförmigkeit. Vollkommen frei von Überlänge ist das Album dennoch nicht. Einige Passagen genießen ihre Riffs und Soli so ausgiebig, dass ein etwas strafferer Schnitt die Wirkung noch verstärkt hätte. Wer von Doom jedoch keine schnellen Lösungen erwartet, dürfte gerade diese Maßlosigkeit als Stärke empfinden.

Unser Fazit

Mit „Fading Failing Ruin“ liefern Solace kein bequemes Jubiläumsalbum, sondern ein spätes Ausrufezeichen ihrer Karriere. Die Songs sind schwer, aber nicht stumpf, technisch, aber selten verkopft, und traditionsbewusst, ohne wie eine konservierte Erinnerung an die frühe Stoner-Doom-Szene zu klingen. Vor allem die Doppelgitarren, die wandelbare Stimme von Justin Goins und die Bereitschaft, einen Song auch einmal acht oder zehn Minuten lang in unterschiedliche Richtungen zu treiben, machen das Album zu einer beeindruckenden Bestandsaufnahme.

Nicht jede Kurve ist notwendig und nicht jedes Riff hätte bis zum letzten möglichen Durchlauf ausgereizt werden müssen. Doch gerade in seiner kontrollierten Maßlosigkeit besitzt „Fading Failing Ruin“ eine Kraft, die vielen sauber zugeschnittenen Genreproduktionen fehlt. Dreißig Jahre nach ihrer Gründung stehen Solace nicht am Rand des eigenen Untergangs, sondern mitten in einem Gitarrenbrand, den sie hörbar selbst gelegt haben.

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