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Vier Meter Hustensaft (D) – Dreckige Kohle

Bei Vier Meter Hustensaft hätte der jüngste Personalwirbel locker zum Nuklearschlag werden können – stattdessen steht mit der EP

Vier Meter Hustensaft (D) – Dreckige Kohle

Bei Vier Meter Hustensaft hätte der jüngste Personalwirbel locker zum Nuklearschlag werden können – stattdessen steht mit der EP „Dreckige Kohle“ ein Lebenszeichen im Raum, das nach vorne geht, statt sich zu entschuldigen. Nach dem Ausstieg von Yvonne Wagner zog die Band zunächst als Trio weiter, bis Gitarrist Philipp Altenhofen die Vocals übernahm. Auf Konzerten mit Graupause und Toxoplasma bekam diese Umbesetzung spürbar Rückenwind – folgerichtig blieb Philipp Altenhofen dauerhaft am Mikro. Kurz darauf stieß Thiemo Schröder (bekannt von Harte Worte) dazu, ergänzt den Sound mit zweiter Gitarre und einer zusätzlichen Gesangsstimme, die rotzig und rau und zugleich eingängig dahertönt

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Hört hier die neue EP und schaut den Live-Clip zu „Was Ich Dringend Brauche“


Inhaltlich und musikalisch bleibt das Paket angenehm geradlinig: drei neue Studiosongs plus eine Live-Version von „Was Ich Dringend Brauche“ – aufgezeichnet in der Die Börse in Wuppertal, als Video und als Audiospur. Gleichzeitig ist „Dreckige Kohle“ auch ein Dokument des Übergangs: Bassist Andreas Wagner war bis kurz vor Fertigstellung noch an Bord, nahm sein Irokesengel und Basskoffer, reiste ab und wurde durch Philipp Wachter ersetzt – folglich sind auf der EP tatsächlich zwei Bassisten zu hören. Beim Live-Mitschnitt war Andreas Wagner noch dabei, sein Mikro soll jedoch bei der Aufnahme nicht funktioniert haben, was dem Ganzen im besten Sinne diesen „Punk ist eben echt“-Beigeschmack verpasst.

Musikalisch ballert „Was Ich Dringend Brauche“ als Fortsetzung von „Bier“ los – nur eben mit umgedrehter Haltung: Statt Abstinenz steht die Rückkehr zur Flasche als bitterironische Flucht aus Alltagsfrust, Dreck und Spießertristesse im Fokus. Das Ding läuft im Uptempo, Dirk Löber treibt mit Schlagzeugdruck, während Bass und Gitarren eine kompakte Punkrock-Rampe bauen – inklusive melodischer Soli, die zeigen, dass Vier Meter Hustensaft nicht nur Lärm können, sondern auch Handwerk. Der Titeltrack „Dreckige Kohle“ setzt dann stärker auf Milieu und Message: Kö-Glanz trifft Büdchen-Realität, Statussymbol trifft Parkbank – und irgendwo dazwischen steht die Ansage, das eigene Leben lieber nach Glück als nach Zahlen zu definieren, inklusive Revier-Referenzen an Kohle, Stahl und Generationen. Der dritte Studiosong „Der Allergrößte“ zündet wieder den Geschwindigkeitsrausch und rechnet mit überheblichen Maulhelden ab, die sich für unantastbar halten – eine druckvolle Punkrock-Soundwall, die ebenso direkt wie eingängig ist.

Als Bonus wurde dann noch mit der Liveversion von „Was Ich Dringend Brauche“ angefügt. Aufgezeichnet in der Börse Wuppertal, hier lassen wir an der Stelle mal Bilder sprechen, denn dazu gibt’s gleich ein video

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Das Video zur EP „Dreckige Kohle“ von Vier Meter Hustensaft hier ansehen

Auch die Präsentation ist mehr als ein Schnellschuss: Die visuelle Gestaltung wirkt auf den ersten Blick fast Indie-rockig, wird aber durch Symbolik und das Counterfeith von Vier Meter Hustensaft klar geerdet. Nach Bandidee wurde das Ganze vom NRT-Records-Chefchen Philipp Gottfried und Geo Hilse finalisiert; gerade die Bandcamp-Edition fährt Extras wie digitales Booklet, Wallpaper und das beigefügte Live-Video auf. Unterm Strich ist „Dreckige Kohle“ ein kompromissloses Lebenszeichen, das die Umbesetzung nicht kaschiert, sondern in Energie ummünzt – erschienen am 09. Januar auf NRT-Records.

Wertung:

8 von 10 Punkten

Fazit:

Vier Meter Hustensaft nutzen „Dreckige Kohle“ als klare Standortbestimmung: Der Kern bleibt Punk – direkt, schnell, ungeschönt – und bekommt durch die zweite Gitarre und die zusätzliche Stimme von Thiemo Schröder mehr Breite und Kontrast. Die drei Studiosongs liefern Pogo-Futter mit Haltung, der Live-Appendix aus Die Börse in Wuppertal unterstreicht die Bühnenqualitäten, und selbst die „zwei Bassisten“-Übergangssituation macht die EP eher authentischer als wackliger. Wer Bock auf ehrlichen, hymnischen Punkrock mit Schmutz unter den Nägeln hat, ist hier richtig.

Titelliste:

  1. Was Ich Dringend Brauche
  2. Dreckige Kohle
  3. Der Allergrößte
  4. Dreckige Kohle (Live In Der Börse Wuppertal)

Credits:

Titel: Dreckige Kohle
Interpret: Vier Meter Hustensaft
Herkunft: Deutschland
Genre: Punk | Punkrock | Deutschpunk
Label: NRT-Records 
Veröffentlichung: 09. Januar 2026

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