VOIVOD – The Wake

VOIVOD – The Wake

📁 Allgemein, Reviews 🕔15.Oktober 2018
VOIVOD – The Wake

Voivod (US) „THE WAKE“
VÖ: 21.09.2018

35 Jahre Bandgeschichte sollen mit der Veröffentlichung von „THE WAKE“ der progessiven Anarcho-Punk-Metaller VOIVOD gefeiert werden.
Und was hier geboten wird, ist einerseits typisch VOIVOD, andererseits eben auch: ich hätte es nicht erwartet. Für Menschen mit depressiver Neigung absolut ungeeignet, zeigt gleich der Opener eine Länge und Intensität, die seinesgleichen sucht: schwer, schleppend, VOIVOD trägt die ganze Last der Welt hier musikalisch auf.

Wenn es analog zum Free Jazz Free Metal gäbe: THE WAKE wäre Free Metal.

Es lohnt kaum, einzelne Stücke herauszuheben: die 35-jährige Geburtstagsparty ist ein Gesamtkunstwerk. Nicht weil VOIVOD langweilen würden: Au contraire – selbst in dieser depressiven, immer düster werdenden Stimmung, ohne Black/Death oder sonstige genrezuordnenbaren Einflüsse auch nur ansatzweise zu bedienen, schaffen VOIVOD eine Atmosphäre, die man einerseits kaum durchzuhalten imstande ist, die andererseits auch fesselt, Neugier weckt, die Frage offenbart: Kommt hier noch „das Gute“, „Leidenschaft“, „Passion“ oder geht die Spirale immer weiter, „Depression“, „Chaos“, Anarchy“ ?

Der Punk in VOIVOD hat – so finde ich – sich zugunsten von düster-metallischen Klängen oder einfach nur tieftraurigen Sounds und Atmosphärik verlagert. Auch drücken VOIVOD deutlich seltener auf das Gaspedal, aber wenn dann richtig – an der Wucht der Musik ändert das nichts.

Gerade „Obsolete Beings“ und „The End of Dormancy“ charakterisieren “The Wake” gut, „Orb Confusion“ ist wahrlich konfus, „Spherical Perspective“ ist nur noch schräg, aber mit genial passendem Solo, Bass und Gitarren sind exaktest aufeinander – aber völlig schräg aufeinander abgestimmt. „Always Moving“ führt – gefühlt – direkt ins Jenseits.

Ein Wort noch zu „Sonic Mycelium“: ein 12-Minuten-Epos, welches von himmelhoch jauzend zu zu-Tode-betrübt in atemberaubenden Wechseln schwankt. Großartig – man muss ich darauf einlassen, Zeit mitnehmen.

„Langeweile“ kommt sicher beim demjenigen auf, der VOIVOD und experimentelle, ungerade und kakophonische Musik noch nie leiden konnte. Definitiv nichts zum Abfeiern, oder für die lange Autofahrt. Für alle diejenigen: Finger weg.

Dennoch: THE WAKE ist absolut unglaublich und wirklich  lohnenswert, für Freunde experimentellen Metals ein zwingendes Muss, und je länger man sich damit beschäftigt, umso häufiger muss man auf Replay drücken.

Fazit: Kaufempfehlung, ganz klar.

Herzlichen Glückwunsch zum 35., VOIVOD!

 

Tracklist:
VOIVOD – “The Wake”:
1. Obsolete Beings
2. The End Of Dormancy
3. Orb Confusion
4. Iconspiracy
5. Spherical Perspective
6. Event Horizon
7. Always Moving
8. Sonic Mycelium

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