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Thin Lassie (D) Invaders From Venus

Thin Lassie gehen „Invaders From Venus“ nicht wie eine bloße Spaßidee an, sondern wie eine kompakte kleine Themenplatte, die

Thin Lassie (D) Invaders From Venus

Thin Lassie gehen „Invaders From Venus“ nicht wie eine bloße Spaßidee an, sondern wie eine kompakte kleine Themenplatte, die in vier Songs erstaunlich viel unterbringt. Die Band aus Duisburg verbindet klassischen Punkrock mit Science-Fiction-Bildern, schwarzem Humor und einer Portion Gesellschaftssatire, ohne sich in ihrem Konzept zu verlieren. Statt aufgeblasener Story-Spielerei gibt es hier kurze, präzise Stücke mit klaren Hooks, druckvoller Rhythmusarbeit und genau jenem schmutzigen Charme, den man sich von einer Veröffentlichung aus dem Ruhrpott erhofft. Dass mit Danu alias Wolle Pannek ein Musiker aus dem Umfeld von Eisenpimmel und mit Dirk Löber der Stockschwinger von Vier Meter Hustensaft beteiligt sind, merkt man sofort: Diese EP verzichtet auf Leerlauf, zieht die Songs straff zusammen und setzt lieber auf Wirkung als auf Schnörkel. Gerade deshalb bleibt „Invaders From Venus“ so unmittelbar hängen.

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Hört hier „Invaders From Venus“ von Thin Lassie kostenlos an

Vier Songs, vier Szenen

Schon der Auftakt „Scruffy Looking Nerf Herder“ zeigt, wie Thin Lassie arbeiten. Die Band greift sich eine bekannte Figur aus dem Popkosmos, zerlegt sie auf Punkmaß und formt daraus einen Song, der nicht auf Namedropping angewiesen ist, um zu funktionieren. Das Riff ist trocken und direkt, der Bass hält die Spur, das Schlagzeug treibt unaufgeregt nach vorn. Entscheidend ist aber, wie ökonomisch die Band komponiert: Nichts wirkt überladen, jede Passage erfüllt ihren Zweck, und trotzdem bleibt genug Charakter übrig, damit der Song nicht wie bloße Genrekost vorbeirauscht. Alex führt das Stück mit einem Gesang, der eher spöttisch als geschniegelt klingt und dadurch den richtigen Ton zwischen Verehrung und Demontage trifft. Gerade in dieser Mischung aus klarer Form und ironischem Zugriff liegt eine der Stärken der EP.

Sci-Fi-Punk mit satirischer Schlagseite

Noch deutlicher wird das im Titelsong „Invaders From Venus“. Die Sirene am Anfang, das sofort zupackende Leadriff und das hohe Tempo setzen direkt die Richtung: Hier geht es nicht um verträumte Weltraumromantik, sondern um eine Invasion, die als kalte Herrschaftsmaschine erzählt wird. Lager, Manipulation, Kontrolle und das Ausradieren von Erinnerung werden in ein überzeichnetes Szenario gepackt, das bewusst an jene schmutzige B-Movie-Ästhetik erinnert, wie man sie auch aus dem Kosmos von The Misfits kennt. Der Witz der Band besteht darin, dieses grelle Setting nicht als Selbstzweck stehen zu lassen, sondern mit realer sozialer Spannung aufzuladen. Ähnlich zugespitzt fällt „The Lizard Men“ aus, das Verschwörungsdenken, paranoide Fantasien und politischen Irrsinn durch den Fleischwolf zieht. Musikalisch sitzt hier besonders die Dynamik: Chöre, Tempo und Rhythmuswechsel greifen so ineinander, dass der Song trotz aller Rasanz kontrolliert bleibt und live vermutlich sofort zündet.

Thin Lassie Copyright: Thin Lassie

Mehr Substanz als bloßer Szenegag

Mit „My Ex From Mars“ endet die EP schließlich auf einer melodischeren, fast schon hymnischen Note. Der Song bleibt humorvoll, macht aus seinem Weltraum-Kitsch keinen Hehl und funktioniert gerade deshalb so gut, weil die Band das Arrangement sauber ausarbeitet. Die Chöre setzen Akzente, die Synthesizer geben dem Stück zusätzliche Farbe, und Danu steuert ein Solo bei, das kurz, pointiert und effektiv bleibt. Überhaupt lebt „Invaders From Venus“ davon, dass hier niemand bloß einen Gag zu Ende reitet. Dirk Löber verpasst dem Ganzen im Mix und Mastering den nötigen Druck, ohne die rohe Kante glattzubügeln. Dass Thin Lassie bereits auf Bühnen im Ruhrgebiet, beim INDIE Fresse Festival, im Umfeld von Sounds Like Duisburg, in KULT41 und auch im Don’t Panic unterwegs waren, hört man dieser Platte an. Die Band weiß, wie man Songs so zuspitzt, dass sie im Club funktionieren und trotzdem genug Profil haben, um im Gedächtnis zu bleiben. Die Ausgabe als CD mit Comic fügt sich deshalb stimmig ins Gesamtbild ein: Diese EP will nicht nur gehört, sondern als kleine abgeschlossene Welt verstanden werden.

Unsere Wertung:

7 von 10 Punkten

Unser Fazit:

Thin Lassie geben dem klassischen Punkrock einen eigenwilligen Science-Fiction-Anstrich und genug Persönlichkeit, um aus der Masse herauszustechen. „Invaders From Venus“ ist eine kurze, präzise und unterhaltsame EP, die Humor, Kompaktheit und Szeneerfahrung überzeugend zusammenführt.

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