Summer Breeze 2019 – Dinkelsbühl im Ausnahmezustand

Summer Breeze 2019 – Dinkelsbühl im Ausnahmezustand

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews 🕔02.September 2019
Summer Breeze 2019 – Dinkelsbühl im Ausnahmezustand

Mit rund 40.000 Festivalbesuchern ist das Summer Breeze Open Air für mich das bisher größte in Deutschland besuchte Festival. Insgesamt 130 Bands, verteilt auf 4 Bühnen, stehen dieses Jahr auf dem Programm und bedienen Geschmäcker diverser Metal-Genres. Entsprechend groß ist meine Vorfreude vor dem „1.Mal“ auf dem diesjährigen Summer Breeze.

 

Mittwoch, 14.08.19

Die Anreise gestaltet sich als sehr entspannt und unkompliziert, da bereits viele Besucher den zusätzlichen Anreisetag am Dienstag ausgenutzt haben. Auch die Vorabinfo durch den Veranstalter, die Baustelle rund ums Festivalgelände großzügig zu umfahren, erweist sich als guter Tipp dem hohen Anreiseandrang zu entkommen. Lediglich im Ort Dinkelsbühl, nur wenige Kilometer vom Gelände entfernt, kommt es staubedingt zu zeitlichen Verzögerungen.
Nachdem das Camp steht und die Sonne schon ordentlich Gas gibt, ist um 15 Uhr endlich Startschuss. Traditionell eröffnen die heimischen Blechbläser der Blasmusik Illenschwang das Festival und sorgen mit ihrem Gebläse für ordentlich Stimmung.

Neben NAILED OF OBSCURITY, die sich mit jedem Song steigern und für amtliches Gedränge vor der Open-Air-Bühne „T-Stage“ sorgen, zeigt die US-Combo DEATH ANGEL, dass auch ein eher langweilig wirkendes Erscheinungsbild durchaus täuschen kann. Endlich ist die Meute warmgemosht. Nun ist es Zeit alle Hemmungen fallen zu lassen. SOILWORK sind am Start und geben dem Dinkelsbühler Publikum die volle Packung feinsten Melo-Death Metal auf die Ohren. Die Schweden haben ihr neues Album „Underworld“ im Gepäck und feiern mit der Meute eine ausufernde Party mit hoher Hitdichte, die in den Songs „Stabbing the drama“ und „Stålfågel“ mit zahlreichen CrowdsurferInnenn und ansehnlichem Gegröle ihren Höhepunkt findet. Geil!
HYPOCRISY sind zweifelsohne die Headliner des Tages und spielen die feierwütigen Metaller in Grund und Boden. Die Nackenmuskeln vollbringen Höchstleistungen und die Vielzahl der reckenden Fäuste ist mehr als beeindruckend. Tägge & Co. beweisen mit ihrem Gig, dass die lange Ruhepause der Band keinesfalls geschadet hat. Im Gegenteil. HYPOCRISY zeigen sich in Bestform.

 

Donnerstag, 15.08.19

In gemütlichen Camprunde startet der Tag mit Eiern und Speck. Leider spielt das Wetter noch nicht so richtig mit. Regen und Windböen wechseln sich ab und lassen Gänsehautfeeling aufkommen. Die warme Dusche im Fußläufigen Sanitärbereich kommt dabei wie gerufen – und das ohne langes Anstehen. Toll! Einziges Manko: In und vor den Duschkabinen kann man seine Sachen nirgends ablegen. Nichts desto trotz wird das Angebot „Shit and Shower“, einer Flatrate für Duschen und Wasserklos, für 12 € pro Kopf von den Besuchern gut angenommen und ist mehr als fair.

Der musikalische Dark-Rock-Auftakt kommt von LOARD OF THE LOST. Die Hamburger liefern mit ihrer in Nebel gehüllten, düstersten Performance schon um die Mittagszeit eine gut tanzbare und sehr solide Show, die Lust auf mehr macht. Ein Glück das der lästige Regen endlich nachgelassen hat. Bei CLAWFINGER ist es bereits 20 Minuten vor Beginn rammel voll vor der Main-Stage. Das Bier fließt ordentlich, dem aufbrechenden Himmel und der aufkommenden, heiß ersehnten Sonne sei Dank. Auch ich habe die Schweden aus den 90-igern noch nie live gesehen – dafür aber gerade in meiner Jugend umso härter auf Songs wie „Do what I say“ oder „Out to get me“ gerockt. Letzterer stand zu meiner Enttäuschung leider nicht auf der Setlist. Dennoch: Die Mischung aus Rap und Crossover Metal kommt bei den Festivalbesuchern extrem gut an und die Spielzeit ist mit lächerlichen 60 Minuten eindeutig zu wenig. Beim nächsten Mal bitte mehr davon!

Mit einem der ganz wenigen Open-Air Shows in Deutschland sind IN FLAMES heute nach 6 Jahren Summer Breeze Abstinenz endlich wieder mit von der Partie. Ich habe die Jungs aus Göteborg schon viele Male live gesehen und weiß daher das mich eine geile Show erwartet. Dennoch wurde die Death-Melodic-Band rund um Frontmann Anders Fridén in noch junger Vergangenheit dafür kritisiert zu wenig alte Songs und zu kurze Konzerte zu spielen. Ob sie deshalb heute nicht die offiziellen Headliner waren? Man weiß es nicht. Was aber sicher ist: IN FLAMES haben allen Kritikern die lange Nase gezeigt und DAS Konzert mit der höchsten Crowdsurf-Durchlaufquote und für mich besten Stimmung abgeliefert. Kein Wunder, denn die Setlist der Schweden hätte nicht besser sein können. Klassiker, wie „Cloud Connected“, „The Mirror’s Truth“ oder „The End“ lassen die Masse vollkommen ausflippen. Ebenso gut laufen aber auch Songs der neuen Scheibe „I, the Mask“. Das Infield kocht gewaltig, Dinkelsbühl scheint zu brennen – besser geht’s nicht. IN FLAMES sind mit Abstand mein Highlight des Tages. Nach 10 Runden Crowdsurfen, inklusive Circle Pit und Wall of Death bin auch ich nach 90 Minuten dermaßen zerstört, dass ich nur noch ins Camp und ins Bett kriechen kann. Danke Jungs für dieses unvergessliche Konzert!

 

Freitag, 16.08.19

Metal-Core-Fans kommen heute mit PARKWA DRIVE, dem Tages-Headliner, voll auf ihre Kosten. Umgeben von vollständiger Dunkelheit ziehen Winston McCall & Co. mit einem Fackelzug aus der Masse heraus auf die Bühne und präsentieren sich in Bestform. Die Darbietung der Australier zeichnet sich durch harte Gitarrenriffs, langen Soli und melodischen Texten ohne den typischen Clean-Gesang aus. Das brutale Moshpit-Gemetzel bei „Prey“ im vorderen Bereich gleicht einem Hexenkessel und scheint kein Ende zu nehmen. Gepusht wird das Ganze durch ein saftiges Pyro-Gefeuere. PARWAY DRIVE zerlegen die Crowd vor der Main Stage erbarmungslos. Die feierwütige Meute ist außer Rand in Band.

Zuvor haben neben AFTER THE BURIAL, die trotz der frühen Uhrzeit ordentlich abliefern, auch die Hard Rocker KISSIN‘ DYNAMITE für eine beachtliche Party gesorgt. Feuerfontänen bei „I’ve got the fire“ zum Beginn der Show lassen die Stimmung steigen und liefern insbesondere für die Fotografen ausdrucksvolle Bilder. Die Schwaben kredenzen dem Publikum eine solide Show und lassen es in den Reihen gut krachen. Das macht Spaß! Dennoch: Etwas weniger Gepose und Weichspüler hätte das Ganze noch charmanter gemacht.

Recht spontan schaue ich mir auf Empfehlung DESERTED FEAR auf der T-Stage an. Die Vollblut-Metaller aus Thüringen überzeugen auf ganzer Linie und sprühen vor Energie. Frontmann Manuel Glatter trumpft mit seinen Jungs auch ohne Klampfe und liefert den Festivalbesuchern feinsten Death Metal. Neben älteren Stücken hat die Truppe auch ein paar neue Songs aus ihrem brandneuen Album „Drowned by Humanity“ im Gepäck. Die Meute bedankt sich mit wehenden Mähnen und mächtig vielen Pommesgabeln. Sehr cool!

Ganze 14 Jahre ist es her, dass SKINDRED auf dem Summer Breeze auf der Bühne standen. Ich sehe die Briten bereits zum 3. Mal und freue mich unglaublich auf eine erstklassige Reggae-Metal Show am frühen Abend. Die Sonne gibt indes alles und das Bier fließt in so ziemlich jeder Reihe. Mit „Sound the Siren“ und „Pressure“ startet das Set rund um Rampensau Benji Webbe. Nach knapp 60 Minuten Spielzeit wird der Gig schließlich mit “Nobody” gekrönt und von den Dinkelsbühlern ausgiebig betanzend. Jungs, das war mal wieder allererste Sahne!

THY ART IS MURDER machen den Sack für heute zu und knüppeln den Festivalbesuchern feinsten Metalcore um die Ohren. Stimmung, Band, Sound, alles passt. Super, das entspannt vollkommen. Gute Nacht!

 

Samstag, 17.08.19

Am frühen Morgen genehmige ich mir eine „entspannte“ Dusche bei eisigen 5 Grad. Die Warmwasserversorgung im Sanitärbereich ist vorübergehend defekt und in den Kabinen neben mir wird unter Schockstarre verkündet, dass der Schnaps heute schon zum Frühstück fließen wird. Eine super Idee! Irgendwie muss man sich ja schließlich aufwärmen.

Gut gestärkt geht’s dann los zum 1. Akt des Tages. MR IRISH BASTARD begeben sich zur Mittagszeit extrem gut gelaunt und mit musikalischem Support auf die T-Stage. Die folkig-punkigen Stücke der Münsteraner zwingen dazu das Tanzbein zu schwingen. Bereits auf dem diesjährigen Rockharz Festival habe ich die Truppe live gesehen und war ausnahmslos begeistert. Das Publikum lässt sich ab der ersten Sekunde mitreißen und zeigt, wie viel Energie schon um die noch recht frühe Uhrzeit freigesetzt werden kann. Neben zahlreichen CrowdsurferInnen beinhaltet der Gig eine Massenpolonaise und eine fette „Dalinka“ zum Finale. Running Gag: Frontmann Mr. Irish Bastard wird von der Meute mehrfach aufgefordert sich auszuziehen – passiert ist dann aber nichts. Fakt ist: MR IRISH BASTARD sind ein Garant für eine ausufernde Party mit ordentlich viel Action, sowohl vor als auch auf der Bühne. Dabei wirken sie unglaublich bodenständig und sympathisch.

Während der melodische Sound und die druckvollen Riffs der Island-Vikings SKÁLMÖLD Herzen der nordischen Mythologie höherschlagen lässt, geben sich BURY TOMORROW auf der Main Stage äußerst sympathisch und fan-nah. Die Briten haben sichtlich Bock die Sau raus zu lassen und heizen dem Publikum mit Songs wie “Man on fire“ oder „Black Flame“ gehörig ein. Ich stehe während des Konzerts am Autogrammstand von Metal.de und kühle mich ein wenig ab. VAN CANTO laden zur Autogrammstunde und posieren für einen kleinen Fan. Dieser ist total aus dem Häuschen und kann sein Glück gar nicht fassen. Super, dass auch die ganz kleinen auf ihre Kosten kommen.
Nach einem kurzem Futterbreak im Camp wird es exotisch. Die Folkmetal-Band ELUVEITIE tragen erstklassig vor und versprühen neben ihrem Charme vor allem drei Dinge: Feuer, Rauch und Funken soweit das Auge reicht. Mit voller Energie bieten die Schweizer eine musikalisch bunte Mischung und überzeugen auf ganzer Linie. Eine tolle Show, die nicht anders zu erwarten war. Fun Fakt: Ein Kollege erzählt mir anschließend, dass er sich von Matteo Sisti, dem Flöter der Band, vor der nächsten Deutschlandtour im November tätowieren lässt. Während SUBWAY TO SALLY, die mit ihrem 8. Besuch auf dem Summer Breeze bereits zum Inventar des Festivals gehören, emotional und mit ordentlich viel Schauspiel abliefern, begeistert der diesjährigen Geheimtipp SOEN auf der T-Stage in jeglicher Form. Inmitten von leichtem Nieselregen umhüllt das Quintett das Publikum innerhalb kürzester Zeit in einen Nebel der Melancholie. Die Stimmung ist unfassbar und die Stimme von Fronter Joel Ekelöf fesselt mich sofort. Es herrscht absolutes Gänsehautfeeling das sich im Laufe des Sets immer weiter steigert. Die Schweden bestechen sowohl technisch als auch musikalisch mit herausragenden und ausgefeilten Prog Metal Songs aus ihrem aktuellen Album „Lotus“ und verleihen dabei dem Ganzen eine sehr persönliche Note. SOEN sind mein Highlight des Tages und live eine absolute Offenbarung.

Jugenderinnerungen werden wach, wenn von BULLET FOR VALENTINE die Rede ist. Die vier Jungs aus Wales zocken im Headlinerspot und präsentieren ein Set bei dem für jeden Metal-Core Fan etwas dabei ist. Durchaus sehenswert und sehr solide aber dennoch kein Vergleich zu Größen wie PARKWAY DRIVE.

Es ist „Zeit für neue Hymnen“ grölt Sänger Nord indes ins Mikro und eröffnet damit als Schlusslicht des Tages, das auch für uns letzte Set. HÄMTOM sind zurück und präsentieren sich rotzig wie eh und je. Der Auftritt des deutschen Quartetts kann sich sehen lassen und der Kreativität der vier Franken scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Die Funken sprühen aus diversen Bühnenequipments und Körperöffnungen und geben der ohnehin extrem guten Show das gewisse Etwas. Danke für dieses wunderbare Finale.

 

Fazit:

Das Summer Breeze ist mit 40.000 Besuchern eins der größten und bestorganisierten Festivals in Deutschland und setzt auf kontinuierliche Verbesserung, die auf dem Feedback der BesucherInnen basiert. Das Line-Up ist ansehnlich und sehr abwechslungsreich, ein absoluter Hingucker die drehbare Hauptbühne. Die Wege zwischen Camp und Infield sind mit einem Fußmarsch von ca. 20 Minuten gut machbar und auch Spülklos sind ausreichend vorhanden. Die Preise für Bier & Co. sind fair, der Sound auf allen 4 Bühnen super. Die Breeze App ist absolut zu empfehlen und ist häufig zum Einsatz gekommen. U.a. können Bands markiert werden, ein Wecker erinnert den Besucher kurz vor Beginn. Toll! Ein großes Plus ist das Thema Müll. Ich habe selten so ein sauberes Festival erlebt und kann ziemlich sicher sagen, dass sich der Becherpfand mit 2 € absolut rentiert hat. Einziges Manko: Bei so viel Bandauswahl bleibt es leider nicht aus, dass sich einige Slots überschneiden. Summa Summarum: Das Summer Breeze ist ein Highlight der Festivalsession und definitiv eine Reise wert. Wir kommen gerne wieder!

Die Bilder zum Festival findet Ihr in unserer Galerie!

(Redakteur: Bea Hecker, Fotos: Jens Hecker / StagePix.de)

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