Soldiers of Forgiveness (USA) – The Year Of Aquarius: Only Poetry Lives Forever
Mit diesem Werk ist ein Konzeptalbum erschienen, dass Metalheads begeistern wird! Ja, Symphonic Metal ist ein Minenfeld: Zu viel
Mit diesem Werk ist ein Konzeptalbum erschienen, dass Metalheads begeistern wird! Ja, Symphonic Metal ist ein Minenfeld: Zu viel Pomp und du landest im Operettenkitsch, zu wenig Metal und es bleibt bloß Filmmusik mit Doublebass. Soldiers Of Forgiveness umgehen diese Falle auf „The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever“ bemerkenswert souverän. Das Album wirkt wie ein auf Hochglanz poliertes, aber dennoch scharfkantiges Stahlrelief – episch, ja, doch immer mit Riff-Handschlag und Songwriter-Instinkt. Und genau darin liegt der Reiz: Diese Platte will nicht nur beeindrucken, sie will dich festnageln.
Erst nach ein paar Minuten wird klar, wie breit die Basis tatsächlich ist. Natürlich dominieren Orchesterfarben, Chöre und Synth-Sphären – aber darunter marschiert ein Herz aus Heavy Metal und Power Metal, das immer wieder in einen NWOBHM-Galopp verfällt, als hätte jemand heimlich die alten Britenplatten entstaubt. Dass das so organisch ineinandergreift, ist keine Selbstverständlichkeit. Und trotzdem passiert hier nie dieses unangenehme „zu viel von allem“. Stattdessen: klare Dramaturgie, sauber gesetzte Steigerungen, und ein Mix, der selbst in den dichtesten Momenten Luft zum Atmen lässt.
Produktion: Mehrschichtig, druckvoll, selten so kontrolliert
Die große Stärke liegt im Klangbild. Soldiers Of Forgiveness stapeln Layer, ohne dass es wie ein Frequenzkrieg wirkt. Piano-Motive und Streicherflächen setzen Szenen, Chöre liefern die Gänsehaut-Komponente, während Gitarren und Bass als tragender Beton darunter liegen. Die Drums wirken straff und präsent, der Bass schiebt mit sattem Low-End, und die Gitarren schneiden sich mit Kontur durch den Mix – keine matschigen Wände, sondern definierte Kanten. Das Sounddesign ist dabei nicht „Deko“, sondern Regie: Es führt dich durch Räume, zieht Vorhänge auf, lässt die Spannung kippen, wenn die Story es verlangt.
Band-Herkunft: Seattle im Pass, Welt im Sound
Spannend ist auch die Entstehung: Die Formation wird dem Umfeld von Seattle (USA) zugerechnet, arbeitet aber als internationales Kollektiv – Musikerinnen und Musiker aus den USA, Argentinien, Italien, Portugal und Venezuela ziehen hier remote an einem Strang. Was nach Kompromiss klingen könnte, hört sich in der Praxis nach geschlossener Einheit an: Die Arrangements wirken wie aus einem Guss, die Übergänge sitzen, die Produktion hält alles zusammen. Das ist Teamarbeit, die man nicht nur „merkt“, sondern die im besten Sinne unsichtbar bleibt.
Songwriting: Ohrwürmer, aber mit Schwertklinge
Die Songs zielen auf Refrains, die sich festbeißen, ohne zur Plattitüde zu verkommen. Wenn „Evil That Men Do“ moralische Schärfe in hymnische Struktur gießt, funktioniert das, weil die Band nicht predigt, sondern zuspitzt: Der Track beschreibt eine Welt, in der man sich mit „Optimieren“ und „Absichern“ nicht aus der Dunkelheit herausrechnen kann – am Ende zählt, ob du nach deinen Regeln lebst oder nach denen der Angst. Genau diese Mischung aus Kopf und Faust macht den Song stark.
„Unquenchable Fire“ ist dann die Sorte Nummer, die dir den Nacken wärmt und gleichzeitig das Gewissen kitzelt. Inhaltlich prallen Glaubensversprechen, Geldlogik und Integrität aufeinander, bis aus einem drohenden Strafbild ein innerer Motor wird: ein Feuer, das nicht erlischt, weil es aus Entschlossenheit gespeist wird. Musikalisch wird das mit einem cleveren Anlauf umgesetzt – erst ein kurzes Flackern, dann der volle Metal-Antritt: galoppierende Riffs wie ein Schlachtzug, Leads mit jaulender Leidenschaft, dazu ein Arrangement, das ständig nach vorne drückt, ohne hektisch zu wirken. Hier schreit vieles nach „amtlich“ – vor allem die Art, wie Melodie und Härte miteinander um die Dominanz ringen und dabei beide gewinnen.
Ein anderer Höhepunkt ist „Autumn Winds“, das die NWOBHM-Ader offen auf den Tisch legt: treibender Puls, harmonische Gitarrenlinien, epische Keyboard-Schleier – und darunter ein Thema, das wehtut, weil es so menschlich ist. Der Song erzählt von der Liebe, die im Sommer wie „für immer“ wirkt, aber im Herbst an der Kälte der Realität gemessen wird. Was bleibt, ist diese nagende Unsicherheit: War das echt – oder nur ein Traum, der sich selbst überredet hat? Das Solo im gedrosselten Tempo wirkt wie ein letzter Blick über die Schulter, bevor die Tür zufällt.
Psychologie statt Fantasy-Staffage: Der innere Gegner übernimmt
Je weiter das Album fortschreitet, desto stärker verlagert sich der Konflikt ins Innere. Frieden wird hier nicht als Happy End verkauft, sondern als Moment, in dem verdrängte Stimmen erst recht laut werden. Genau dort setzt „The Year Of Aquarius (pt 2.) (The Enemy Inside)“ an: Es geht nicht mehr um Schlachten draußen, sondern um den Preis, den man bezahlt, wenn man das innere Kind jahrelang einsperrt und Emotionen wegsperrt wie alte Waffen in einer Kiste. Das ist düster, aber nachvollziehbar – und dadurch wirkt die Epik nicht wie Kulisse, sondern wie Verstärker echter Abgründe.
Als Gegenpol zeigt „Autumn Winds“ die Band stärker im klassischen Metal-Stride: weniger psychologischer Horrortrip, mehr gallopierende Eleganz. Gerade diese Wechsel machen das Album spannend, weil sie nicht wie Stilbruch wirken, sondern wie Kapitelwechsel – die Story wechselt den Blickwinkel, und die Musik folgt ihr.
Wertung:
9 von 10 Punkten
Fazit:
Große Leinwand, scharfe Kanten, echte Substanz
„The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever“ ist epischer Metal, der nicht im Bombast ersäuft, weil Soldiers Of Forgiveness das Handwerk beherrschen: starkes Songwriting, klare Arrangements, packendes Sounddesign und ein Mix, der Druck und Glanz gleichzeitig liefert. Die Platte klingt, als hätte jemand die große Symphonic-Leinwand ausgerollt – und dann mit Heavy-Metal-Stiefeln drübergestapft, bis daraus etwas Eigenes wurde. Wer Konzeptalben mag, die mehr können als Kulisse, sollte hier unbedingt eintauchen.
Titelliste:
- Dystopian Dreams
- Interlude: The Poet
- Part I: The Boy Who Only Wanted To Be A Poet
- Evil That Men Do
- Unquenchable Fire
- Autumn Winds
- Interlude: The Rebel
- Part II: The Enemy Inside
- Children Of The Moon
- Never Die
- Interlude: The Rhapsody Of Tormented Souls
- Part III: Welcome To The Madness
- Part IV: Where The Madness Reigns
- Part V: Only Poetry Lives Forever
- Interlude: The Legacy
- The Dance of The Owls
- Interlude: So Long
- Illusions And Dreams
Infos:
Info
Interpret: Soldiers Of Forgiveness
Titel: The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever
Herkunft: USA
Format: Album
VÖ: 14. Januar 2026
Genre: Symphonic Metal | Heavy Metal | Power Metal
Label: Independent




