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ROCKHARZ 2026 – Vier Tage Metal, Gemeinschaft und gelebte Festivalkultur

Bericht: Katja Richter und David Helmstetter Ballenstedt | 1.–4. Juli 2026 Es gibt Festivals, die leben von ihren Headlinern.

ROCKHARZ 2026 – Vier Tage Metal, Gemeinschaft und gelebte Festivalkultur

Bericht: Katja Richter und David Helmstetter

© Katja Richter

Ballenstedt | 1.–4. Juli 2026

Es gibt Festivals, die leben von ihren Headlinern. Es gibt Festivals, die leben von ihrer Größe. Und dann gibt es das ROCKHARZ. Seit Jahren gehört das Festival am Fuße der Teufelsmauer zu den beliebtesten Treffpunkten der deutschen Metal-Szene – nicht, weil es das größte oder lauteste ist, sondern weil es eine Atmosphäre schafft, die ihresgleichen sucht. Besucher, Crew, Helfer und Bands begegnen sich hier auf Augenhöhe. Das familiäre Miteinander ist längst zum Markenzeichen geworden.

Auch 2026 zeigte das ROCKHARZ wieder eindrucksvoll, warum die Tickets jedes Jahr innerhalb kürzester Zeit vergriffen sind. Alle 25.000 Wochenendtickets waren bereits lange vor Festivalbeginn ausverkauft. Zusammen mit den zahlreichen Tagesgästen strömten insgesamt rund 27.500 Besucher auf das Festivalgelände in Ballenstedt. Mehr als 50 Bands sorgten an vier Tagen für ein abwechslungsreiches Programm zwischen Heavy Metal, Thrash, Death, Folk, Metalcore und Hard Rock. Dazu kamen angenehme Temperaturen, eine entspannte Stimmung und unzählige kleine Momente, die das Festival weit über die Musik hinaus besonders machen.

Der Festivalauftakt begann allerdings zunächst etwas ungemütlich. Am Mittwoch zog kurz vor dem Einlass ein kräftiges Unwetter über Ballenstedt hinweg und ließ die ersten Besucher noch schnell Schutz unter Pavillons und Zelten suchen. Doch pünktlich zur Öffnung des Infields verzogen sich die Regenwolken wieder. Im Nachhinein erwies sich der Schauer sogar als echter Glücksfall: Die Wiesen waren leicht angefeuchtet und das ansonsten allgegenwärtige Staubproblem blieb über das gesamte Wochenende nahezu aus.

Die folgenden Tage boten nahezu perfektes Festivalwetter. Sonnige Abschnitte wechselten sich mit angenehmen Temperaturen ab und lediglich ein kurzer Regenschauer am Samstagnachmittag erinnerte daran, dass man sich unter freiem Himmel befand. Einziger echter Störenfried war der teilweise kräftige Wind. Böen von bis zu 50 km/h sorgten immer wieder für flatternde Fahnen, herumwirbelnde Becher und stellten einige Bands vor kleinere produktionstechnische Herausforderungen. Verglichen mit den Unwettern vergangener Festivaljahre war das jedoch Jammern auf hohem Niveau.

Mittwoch – Ein Auftakt zwischen Dinosauriern und Metal-Legenden

Pünktlich um 15:30 Uhr eröffneten Heavysaurus das ROCKHARZ 2026 und feierten damit gleichzeitig ihre Premiere am Fuße der Teufelsmauer. Was auf den ersten Blick wie ein Kinderprogramm wirkt, entpuppte sich schnell als gelungener Festivalauftakt. Vor der Bühne hatte das ROCKHARZ eigens einen kleinen Bereich für die jüngsten Metal-Fans eingerichtet, damit sie das Konzert sicher aus nächster Nähe erleben konnten. Doch nicht nur dort war die Begeisterung groß: Über das gesamte Infield verteilt waren Dinosaurierkostüme zu sehen, und spätestens mit den ersten Songs wurden auch viele Erwachsene wieder zu Kindern. Besonders bemerkenswert war der Zuschauerandrang: Bereits zum Festivalauftakt füllten schätzungsweise rund 12.000 Besucher das Infield – eine Kulisse, wie sie bei einem Opener auf dem ROCKHARZ bislang kaum zu sehen war. Gemeinsam feierten Jung und Alt die Dino-Band und sorgten für einen ebenso ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Auftakt, der perfekt zur familiären Atmosphäre des ROCKHARZ passte.Direkt im Anschluss übernahmen Soulbound die Rock Stage und lieferten modernen Metal mit reichlich Energie. Schon jetzt wurde deutlich, dass sich das Infield schneller füllte als in den vergangenen Jahren. Die Lust auf das erste Festivalwochenende des Sommers war den Besuchern anzusehen.

© Natalia Sokolowska | ROCKHARZ

Mit Harakiri for the Sky wechselte die Stimmung. Die Österreicher präsentierten ihren emotionalen Mix aus Post-Black-Metal und atmosphärischen Melodien und sorgten damit für die ersten Gänsehautmomente des Tages. Die intensive Performance wurde vom Publikum aufmerksam verfolgt und zeigte einmal mehr, wie stilistisch vielfältig das ROCKHARZ mittlerweile aufgestellt ist.

Härter wurde es anschließend mit The Haunted. Die schwedischen Thrash- und Death-Metal-Veteranen machten keine Gefangenen und lieferten einen kompromisslosen Auftritt voller Energie und messerscharfer Riffs.

© Marvin Heins | ROCKHARZ

Spätestens bei Ensiferum war das Festival endgültig angekommen. Die Finnen verwandelten das Infield mit ihrem Folk Metal in eine einzige große Party. Trinkhörner wurden in die Höhe gereckt, Arme schunkelten im Takt und die ersten größeren Moshpits des Festivals ließen nicht lange auf sich warten.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Mit Paradise Lost kehrte anschließend etwas Ruhe ein. Die britischen Gothic-Metal-Pioniere schufen eine dichte Atmosphäre und boten einen gelungenen Kontrast zum vorherigen Metal-Fest. Gerade in der langsam einsetzenden Abendstimmung entfalteten ihre Songs eine besondere Wirkung.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Als Black Label Society die Bühne betraten, wurde es wieder deutlich rifflastiger. Zakk Wylde zeigte einmal mehr, warum er zu den markantesten Gitarristen des Genres gehört. Wuchtige Gitarrenwände und groovende Songs sorgten dafür, dass die Menge bestens auf den Headliner vorbereitet wurde.

© Christian Plath | ROCKHARZ

Helloween schreiben Festivalgeschichte

Der erste ganz große Höhepunkt des ROCKHARZ 2026 ließ nicht lange auf sich warten. Helloween erhielten ganze zwei Stunden Spielzeit – ein Luxus, den sich auf Festivals nur wenige Bands leisten dürfen.

Bereits beim Betreten der Bühne war klar, dass dieser Auftritt etwas Besonderes werden würde. Mit Michael Kiske, Kai Hansen und Andi Deris standen gleich drei Sänger beziehungsweise prägende Stimmen der Bandgeschichte gemeinsam auf der Bühne. Kaum eine andere Metal-Band kann auf eine derart erfolgreiche und wechselhafte Karriere zurückblicken, und genau diese Geschichte wurde an diesem Abend musikalisch erzählt.

Die Setlist bot einen gelungenen Querschnitt durch mehrere Jahrzehnte Bandgeschichte. Klassiker wechselten sich mit neueren Songs ab, während Kai Hansen nicht nur an der Gitarre überzeugte, sondern auch selbst zum Mikrofon griff. Michael Kiske glänzte mit seiner unverwechselbaren Stimme, Andi Deris führte souverän durch den Abend und gemeinsam harmonierte das Trio beeindruckend.

Vor der Bühne wurde jede Zeile mitgesungen. Immer wieder reckten sich Fäuste und Pommesgabeln gen Himmel, während die untergehende Sonne den perfekten Rahmen für diesen besonderen Festivalmoment schuf. Selten wirkte eine zweistündige Festivalshow so kurzweilig.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Den Abschluss des ersten Tages übernahmen schließlich Steve ’n’ Seagulls auf der Dark Stage. Mit ihren Bluegrass-Interpretationen bekannter Rock- und Metal-Klassiker sorgten die Finnen noch einmal für ausgelassene Stimmung. Wer nach dem emotionalen Helloween-Auftritt noch Energie hatte, feierte bis weit nach Mitternacht mit – ein entspannter und humorvoller Ausklang eines ersten Festivaltages, der bereits Lust auf die kommenden drei Tage machte.

Erste Eindrücke: Gelungene Veränderungen mit kleinen Schwächen

Schon vor Festivalbeginn sorgte eine Veränderung auf dem Gelände für Diskussionen. Der beliebte Jack Daniel’s Stand war nicht mehr an seinem angestammten Platz zu finden, sondern zog hinter den FOH-Turm um. Viele Besucher begegneten dieser Entscheidung zunächst mit Skepsis, schließlich gehörte der bisherige Standort über Jahre hinweg fest zum gewohnten Festivalbild.

Vor Ort zeigte sich jedoch schnell, dass sich der Umzug gelohnt hat. Aus dem Bereich zwischen FOH und Jack Daniel’s entstand eine kleine Biergarten-Atmosphäre mit zahlreichen Sitzgelegenheiten und einer großen LED-Leinwand, auf der das Bühnengeschehen verfolgt werden konnte. Damit wurde eine Fläche, die zuvor hauptsächlich von einem Getränkestand geprägt war und ansonsten eher wenig Aufenthaltsqualität bot, deutlich aufgewertet. Gerade Besucher, die dem Trubel vor den Bühnen kurz entfliehen oder ein Konzert entspannt im Sitzen genießen wollten, nahmen das neue Angebot gerne an.

Lediglich die starken Bassvibrationen machten der Leinwand zu schaffen. Das Bild wackelte teilweise so stark, dass längeres Zuschauen etwas anstrengend wurde. Die Grundidee, den bislang wenig genutzten Bereich stärker in das Festivalgeschehen einzubinden, ging dennoch voll auf.

© Katja Richter

Am Mutantenstadel selbst änderte sich dagegen nichts Grundlegendes – und genau das ist auch sein großer Vorteil. Der Bereich rechts neben dem Eingang bleibt ein fester Rückzugsort auf dem Gelände, der Jahr für Jahr gerne angenommen wird. Abseits der Bühnen entsteht hier eine entspannte Atmosphäre zum Sitzen, Quatschen und Durchatmen.

Weniger überzeugend präsentierte sich dagegen der Sound. Bereits am ersten Festivaltag fiel auf, dass manche Bands nicht ganz die Klangqualität erreichten, die man vom ROCKHARZ aus den vergangenen Jahren gewohnt ist. Zwar blieb der Sound jederzeit ausreichend, um die Konzerte genießen zu können, doch insbesondere bei einigen härteren Bands fehlte stellenweise die gewünschte Klarheit und Durchsetzungskraft. Der hervorragenden Stimmung auf dem Gelände tat dies allerdings kaum einen Abbruch.

© Katja Richter

 

Donnerstag – ein Tag zwischen früher Ekstase, technischer Wucht und einem legendären Schockrock-Finale

Final Cry

Der Donnerstag begann deutlich früher, als es für viele Festivalbesucher eigentlich in den Knochen stand. Nach dem langen Anreisetag und den ersten Festivalstunden am Mittwoch war der Wecker für viele eine kleine Herausforderung. Doch Final Cry machten schnell klar, dass der erste volle Festivaltag keineswegs nur als „Warm-up“ gedacht war, sondern von der ersten Minute an mit voller Intensität starten würde.

Bereits um 11:50 Uhr war das Infield überraschend gut gefüllt – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele Fans den Auftritt der Thrash-Metal-Band nicht entgehen lassen wollten. Final Cry brauchten nur wenige Minuten, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Mit druckvollen Riffs, treibenden Rhythmen und einer energiegeladenen Bühnenperformance schafften sie es, die Müdigkeit der frühen Stunde schnell vergessen zu lassen.

Vor der Bühne dauerte es nicht lange, bis die ersten Circle Pits entstanden und sich immer mehr Besucher dem Geschehen anschlossen. Die Stimmung wurde von Song zu Song intensiver, das Publikum ging begeistert mit und sorgte bereits am Vormittag für Festivalatmosphäre, wie man sie sonst eher von späteren Slots kennt. Die Band spielte mit sichtbarer Spielfreude und ließ keinen Zweifel daran, dass sie den Tag mit einem Ausrufezeichen eröffnen wollte.

Den krönenden Abschluss bildete schließlich „Walk with the Devil“, der als letzter Song des Sets noch einmal sämtliche Reserven mobilisierte. Vor der Bühne wurde ein letztes Mal alles gegeben, laut mitgesungen und gefeiert, bevor Final Cry das Publikum mit einem würdigen Finale in den weiteren Festivaltag entließen. Ein gelungener Auftakt, der die Messlatte für die nachfolgenden Bands direkt hochlegte.

© Katja Richter

Die Habenichtse

Im Anschluss übernahmen Die Habenichtse und brachten eine punkige, direkte Energie auf die Bühne. Ohne Umwege, ohne große Inszenierung – dafür mit klarer Haltung und viel Tempo. Genau diese Unmittelbarkeit funktionierte am frühen Nachmittag hervorragend und hielt das Publikum wach und in Bewegung.

© Christian Plath | ROCKHARZ

Mittel Alta

Mit Mittel Alta wechselte die Stimmung in eine melodischere, teils klassisch geprägte Richtung. Die Band setzte eher auf Atmosphäre als auf rohe Wucht und schuf damit einen ruhigen, aber nicht langweiligen Kontrast zum vorherigen Auftakt.

Hagane

Hagane brachten anschließend frischen Wind ins Programm. Mit ihrem energiegeladenen Power-Metal-Ansatz und viel Spielfreude gelang es ihnen schnell, das Publikum mitzunehmen. Besonders die eingängigen Refrains sorgten dafür, dass sich bereits früh am Tag erste Mitsingmomente entwickelten.

© Christian Plath | ROCKHARZ

Stahlmann

Mit Stahlmann wurde es anschließend deutlich düsterer und elektronischer. Die Mischung aus NDH-Elementen und Industrial-Strukturen ließ das Infield in eine clubartige Atmosphäre kippen. Die Band setzte dabei vor allem auf Druck und Rhythmus – und traf damit genau den Nerv der frühen Abendvorbereitung.

© Marvin Heins | ROCKHARZ

Sagenbringer

Sagenbringer sorgten danach für einen stilistischen Bruch hin zu epischeren, folkig geprägten Metal-Klängen. Die Songs wirkten wie kleine Geschichten auf der Bühne und brachten eine ruhigere, erzählerische Komponente in den Tag.

Dogma

Mit Dogma wurde es wieder moderner und zugleich provokanter. Die Band setzte auf eine Mischung aus Dark Rock und theatralischer Inszenierung, die optisch wie musikalisch sofort ins Auge fiel und dem Nachmittag eine geheimnisvolle, leicht düstere Atmosphäre verlieh. Besonders prägend war dabei ihr markantes Bühnenbild: Die Musikerinnen traten in auffälligen Nonnen-Outfits auf, die einen starken Kontrast zur energiegeladenen Performance bildeten und den provokanten Charakter der Show zusätzlich unterstrichen. Die Kombination aus schweren Gitarrenriffs, eingängigen Melodien und der konsequent durchgezogenen Ästhetik sorgte dafür, dass der Auftritt nicht nur musikalisch, sondern auch visuell lange in Erinnerung blieb.

© Natalia Sokolowska | ROCKHARZ

Warmen

Warmen lieferten schließlich einen technisch versierten, keyboardlastigen Auftritt. Eingängige Melodien trafen auf klassische Metal-Strukturen, wodurch sich ein sauberer, melodischer Soundteppich über das Infield legte. Ein Auftritt, der weniger durch Härte als durch Präzision überzeugte.

Decapitated

Einer der klaren Höhepunkte des Donnerstags folgte mit Decapitated. Für mich war dieser Auftritt sogar das musikalische Highlight des gesamten Tages. Ohne große Verschnaufpause lieferten die Polen eine Death-Metal-Performance auf höchstem technischen Niveau. Riffs wie Maschinengewehrsalven, präzises Drumming und eine ungebremste Wucht machten den Auftritt zu einem der intensivsten und beeindruckendsten des Tages.

Besonders faszinierend war, mit welcher Präzision die Band selbst die komplexesten Passagen spielte, ohne dabei an Härte oder Dynamik einzubüßen. Die enorme Spielfreude und Routine der Musiker übertrugen sich unmittelbar auf das Publikum und sorgten für eine elektrisierende Stimmung vor der Bühne.

Auch wenn der Sound erneut nicht in allen Details perfekt war, spielte das für viele vor der Bühne kaum eine Rolle. Die Energie war jederzeit greifbar, die Moshpits nahezu durchgehend aktiv und die Fans feierten jede Sekunde des Sets. Für mich stimmte hier einfach das Gesamtpaket aus musikalischer Qualität, Intensität und Atmosphäre – ein Auftritt, der sich nicht nur hören, sondern förmlich körperlich spüren ließ und deshalb mein musikalisches Highlight des Donnerstags war.

© Katja Richter

Betontod

Mit Betontod zog etwas mehr Leichtigkeit ein. Punkrock mit klaren Hooks, direkten Texten und viel Bewegung im Publikum sorgte für einen der zugänglichsten Momente des Tages. Besonders die Mitgröhl-Passagen funktionierten im Festivalsetting hervorragend.

Agnostic Front

Direkt im Anschluss übernahmen Agnostic Front und lieferten NYHC in Reinform. Roh, direkt, ohne Umwege – genau so, wie Hardcore auf einem Festival wirken muss. Die Band verwandelte das Infield in einen einzigen, konstant pulsierenden Bewegungsraum.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Dominum

Am Abend kam es zu einer kurzfristigen Änderung im Ablauf: Dominum rückten durch einen Slottausch nach vorne. Der starke Wind hatte zuvor Teile der Produktion bei Hämatom erschwert.

Dominum nutzten ihren Auftritt für ein energiegeladenes Set im Rahmen ihres Albumreleases. Die düstere, fast cineastische Inszenierung funktionierte auch unter diesen Bedingungen sehr gut und zog das Publikum schnell in ihre eigene Welt.

© Christian Plath | ROCKHARZ

Avatar

Mit Avatar folgte einer der visuell stärksten Momente des gesamten Tages. Die Schweden kombinierten Musik, Theater und Wahnsinn zu einer Show, die irgendwo zwischen Zirkus, Albtraum und Metal-Performance pendelte. Frontmann Johannes Eckerström führte das Publikum dabei souverän durch dieses kontrollierte Chaos.

Ein Auftritt, der nicht nur gehört, sondern erlebt wurde.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Alice Cooper

Der Headliner des Donnerstags brauchte keine Einführung: Alice Cooper stand auf der Bühne – und damit ein Stück Rockgeschichte.

Die Show war perfekt inszeniert, voller Klassiker, visueller Effekte und genau der richtigen Portion Nostalgie. Cooper zeigte eindrucksvoll, warum er seit Jahrzehnten zu den größten Entertainern seines Genres gehört. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Gitarristin Orianthi, die sich nahtlos in das Bühnenbild einfügte und der Show zusätzliche Energie verlieh.

Alice Cooper
Der Headliner des Donnerstags brauchte keine Einführung: Alice Cooper stand auf der Bühne – und damit ein echtes Stück Rockgeschichte. Schon mit seinem ersten Auftritt war klar, dass hier nicht nur ein Konzert, sondern eine aufwendig inszenierte Rockshow auf das Publikum wartete.

Die Show war perfekt durchchoreografiert und vereinte alles, wofür Alice Cooper seit Jahrzehnten bekannt ist: große Klassiker, aufwendige Bühneneffekte, düstere Theaterelemente und genau die richtige Portion Nostalgie. Immer wieder wechselten sich kraftvolle Rockmomente mit den ikonischen Showeinlagen ab, die seine Konzerte seit jeher so einzigartig machen. Trotz seiner langen Karriere wirkte Cooper dabei erstaunlich präsent und souverän und bewies eindrucksvoll, warum er bis heute zu den größten Entertainern der Rockgeschichte zählt.

Unterstützt wurde er unter anderem von Gitarristin Orianthi, die sich nahtlos in das Bühnenbild einfügte und mit ihren präzisen Soli sowie ihrer Bühnenpräsenz zusätzliche Energie in die Performance brachte. Gemeinsam sorgte die Band für einen druckvollen, abwechslungsreichen Sound, der den zahlreichen Klassikern mehr als gerecht wurde.

Als würdiger Abschluss des ersten Festivaltages bot Alice Cooper eine Show, die musikalisch und visuell gleichermaßen überzeugte. Spektakuläre Effekte, ikonische Songs und eine beeindruckende Bühnenpräsenz machten den Auftritt zu einem Finale, das dem Donnerstag einen unvergesslichen Schlusspunkt setzte.

© Christian Plath | ROCKHARZ

Hämatom

Den Abschluss des Donnerstags übernahmen schließlich Hämatom. Trotz der zuvor erschwerten Bedingungen lieferten sie eine kraftvolle und intensive Show ab, die den zweiten Festivaltag mit viel Bewegung und Energie beendete. Ein später, aber passender Schlusspunkt eines Tages, der früh begann und bis tief in die Nacht reichte.

© Thomas von Schaewen | ROCKHARZ

 

Freitag – Freaky Friday, Überraschungen und ein Abriss bis tief in die Nacht

© Andre Schnittker

Der Freitag auf dem ROCKHARZ trägt längst seinen eigenen Namen: Freaky Friday. Was einst als kleine Idee der Grabenschlampen begann, hat sich über die Jahre zu einer der sympathischsten Festivaltraditionen überhaupt entwickelt. Die Grabenschlampen zählen inzwischen zu den bekanntesten und beliebtesten Security-Crews der Festivalszene. Ihre Arbeit geht dabei weit über reine Absicherung hinaus: Mit kräftigem Griff und viel Erfahrung ziehen sie Crowdsurfer sicher aus der Menge, halten den Fotograben frei und sorgen dafür, dass die Fotografen überhaupt erst ungestört arbeiten können.

Dabei ist das Verhältnis längst gegenseitig geprägt. Wenn es im Graben eng wird oder kurzfristig Unterstützung gebraucht wird, helfen auch die Fotografen selbstverständlich mit. Aus dieser eingespielten Zusammenarbeit ist über die Jahre eine eingeschworene Gemeinschaft entstanden, die das Festival im Hintergrund maßgeblich mitträgt – professionell, eingespielt und gleichzeitig mit einer großen Portion Humor.

Die inzwischen legendären Hawaiihemden im Fotograben stammen ursprünglich von genau dieser Crew. Was als kleines Insider-Ritual begann, wurde im Vorjahr von den Fotografen aufgegriffen – und verwandelte den gesamten Graben plötzlich in ein buntes Meer aus floralen Mustern. Auch 2026 setzte sich dieses Bild fort und gehörte längst genauso zum Freaky Friday wie das Publikum im Infield selbst.

Rodeo 5000

Rodeo 5000 eröffneten den Freitag mit viel Energie und einem klaren Ziel: keine Schonzeit. Der Auftritt war roh, direkt und sorgte dafür, dass der Tag ohne lange Anlaufphase sofort Fahrt aufnahm.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Haggefugg

Mit Haggefugg wurde es deutlich verspielter. Folkige Melodien, humorvolle Ansagen und eine lockere Bühnenpräsenz passten perfekt zum Freaky Friday. Das Publikum war sichtbar im Modus angekommen – überall Kostüme, Lachen und erste kleine Tanzgruppen im Infield.

Motorjesus

Motorjesus lieferten klassischen Heavy Rock mit viel Groove und Druck. Die Band spielte sich souverän durch ihr Set und sorgte dafür, dass auch die letzten Nachzügler im Festival angekommen waren.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Cypecore

Mit Cypecore änderte sich die Stimmung deutlich. Die Band erschuf eine dystopische, fast filmische Atmosphäre aus Industrial-Elementen und modernen Metal-Strukturen. Die Show wirkte wie ein Blick in eine apokalyptische Zukunft – kühl, präzise und visuell eindrucksvoll.

Hiraes

Hiraes überzeugten mit einer kraftvollen Mischung aus melodischem Death Metal, die trotz ihrer Härte jederzeit eingängig und abwechslungsreich blieb. Prägnante Gitarrenmelodien trafen auf druckvolle Riffs, während die markanten Growls von Sängerin Britta Görtz den Songs eine enorme Intensität verliehen. Die Band wirkte auf der Bühne eingespielt und konzentriert und schaffte es, ihre Energie vom ersten Moment an auf das Publikum zu übertragen.

Vor der Bühne wurde es zunehmend voller, die ersten Moshpits entstanden und die Stimmung entwickelte sich mit jedem Song weiter. Ein besonderes Highlight war einmal mehr Britta Görtz selbst: Für einen Teil eines Songs mischte sie sich unter die Fans und sang mitten aus dem Moshpit heraus. Die unmittelbare Nähe zum Publikum sorgte für einen intensiven Moment und wurde von den Anwesenden begeistert gefeiert. Mittlerweile ist diese Aktion zu einem echten Markenzeichen ihrer Live-Auftritte geworden und zeigt eindrucksvoll, wie wichtig ihr der direkte Kontakt zu den Fans ist.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Gothminister

Mit Gothminister wurde der Freaky Friday endgültig zur Bühne für Inszenierung. Masken, düstere Industrial-Ästhetik und eine bewusst theatralische Show machten den Auftritt zu einem visuellen Erlebnis, das sich stark von den vorherigen Bands abhob.

Rauhbein

Rauhbein sorgten anschließend für einen bodenständigeren Moment. Klassischer Rock, klare Refrains und direkte Ansagen boten einen willkommenen Kontrast und eine kurze Verschnaufpause im ansonsten sehr abwechslungsreichen Nachmittagsprogramm.

Walls of Jericho

Mit Walls of Jericho wurde es wieder kompromisslos hart. Frontfrau Candace Kucsulain fegte mit einer Energie über die Bühne, die sofort auf das Publikum übersprang. Die Moshpits waren entsprechend intensiv und dauerhaft in Bewegung – Hardcore in Reinform.

Fiddler’s Green

Fiddler’s Green verwandelten das Infield anschließend in eine riesige Partyfläche. Speed-Folk, schnelle Rhythmen und eine enorme Spielfreude sorgten für ausgelassene Stimmung. Der Freaky Friday bekam hier seine musikalisch fröhlichste Ausprägung.

© Thomas von Schaewen | ROCKHARZ

Die Apokalyptischen Reiter

Mit Die Apokalyptischen Reiter folgte ein weiterer Publikumsliebling. Die Band bewegte sich mühelos zwischen Härte, Melodie und augenzwinkernder Selbstironie und hielt die Energie des Nachmittags konstant hoch.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Biohazard

Bei Biohazard zeigte sich ein gemischtes Bild. Die Erfahrung und Bühnenpräsenz der Band war unbestritten, dennoch sprang der Funke nicht in allen Momenten vollständig über. Trotzdem blieb das Publikum in Bewegung und feierte die Hardcore-Veteranen respektvoll.

© Christian Plath | ROCKHARZ

P.O.D. – der Überraschungsmoment des Tages

Einer der größten Höhepunkte des Freitags kam völlig unerwartet mit P.O.D.. Obwohl die Band für viele bereits im Vorfeld ein interessanter Programmpunkt war, entwickelte sich ihr Auftritt vor Ort zu einer der größten positiven Überraschungen des gesamten Tages. Vom ersten Moment an sprang der Funke auf das Publikum über und verwandelte das Infield in eine einzige große Party.

Mit „Boom“ als explosivem Opener war sofort klar, in welche Richtung sich das Set entwickeln würde: kraftvoll, mitreißend und voller Energie. Die Mischung aus Nu Metal, Alternative Rock und den unverwechselbaren Grooves der Band sorgte dafür, dass sich kaum jemand dem Rhythmus entziehen konnte. Vor der Bühne wurde ausgelassen gesprungen, mitgesungen und gefeiert, während sich die gute Laune der Band spürbar auf die Zuschauer übertrug.

Trotz der enormen Härte vieler Songs verlor die Show nie ihre Leichtigkeit. P.O.D. wirkten authentisch, nahbar und hatten sichtlich Freude daran, auf der Bühne zu stehen. Genau diese Spielfreude machte den Auftritt so besonders und sorgte dafür, dass selbst Besucher, die die Band vorher kaum kannten, schnell mitgerissen wurden.

Den emotionalen Höhepunkt bildete schließlich „Alive“. Tausende Stimmen sangen den Refrain gemeinsam mit der Band, während das gesamte Infield noch einmal all seine Energie mobilisierte. Der Song entwickelte sich zu einem kollektiven Gänsehautmoment und bildete den perfekten Abschluss eines Auftritts, der viele Erwartungen übertraf.

Rückblickend war P.O.D. für viele Besucher – und auch aus meiner Sicht – die größte Überraschung des Freitags. Die Kombination aus mitreißender Musik, einer hervorragenden Bühnenpräsenz und einer außergewöhnlich positiven Atmosphäre machte diesen Auftritt zu einem der absoluten Highlights des gesamten Festivalwochenendes.

© Stefan Bollmann

Subway to Sally – ein Moment voller Bilder

Mit Subway to Sally kehrte eine ganz besondere, mittelalterlich geprägte Atmosphäre auf das Festivalgelände zurück. Die Band verband harte Rock- und Metal-Elemente mit folkloristischen Klängen, mystischen Texten und ihrer unverwechselbaren Bühnenästhetik. Von Beginn an entstand eine besondere Stimmung vor der Bühne, die sich deutlich von den vorherigen Auftritten unterschied.

Ein besonderer Moment folgte bei dem Klassiker „Kleid aus Rosen“, der bei vielen Fans für eine emotionale Reaktion sorgte. Passend zum Songtitel hatten einige Besucher Sonnenblumen mit ins Infield gebracht und hielten diese während des Liedes in die Höhe. Zwar waren es nur vereinzelte Blumen und keine große Aktion, dennoch entstand dadurch ein wunderschönes, fast poetisches Bild vor der Bühne.

Gerade diese kleinen, spontanen Momente machen ein Festival oft besonders: Zwischen lauten Gitarren, großen Shows und wuchtigen Sounds entstand für einen kurzen Augenblick eine ruhige, fast magische Atmosphäre. Die Mischung aus der emotionalen Wirkung des Songs, der besonderen Verbindung zwischen Band und Publikum sowie der einzigartigen Stimmung machte diesen Moment zu einem der erinnerungswürdigeren des Auftritts.

© Katja Richter

Airbourne

Airbourne machten anschließend das, was sie immer tun: Vollgas ohne Unterbrechung. Reine Rock’n’Roll-Energie, keine Pausen, keine Experimente – und ein Infield, das sich in eine einzige springende Masse verwandelte.

Kreator – der Abriss des Abends

Mit Kreator erreichte der Freitag seinen Höhepunkt. Die Thrash-Metal-Legenden lieferten eine gnadenlose, präzise und druckvolle Show, die das Infield noch einmal komplett in Bewegung brachte. Circle Pits, Moshpits und lautstark mitsingende Fans prägten das Bild vor der Bühne, während die Band mit einer beeindruckenden Spielfreude durch ihr Set führte. Jeder Song saß, jede Ansage von Mille Petrozza hatte Gewicht – ein klassischer Festivalhöhepunkt.

Für einen besonderen Moment sorgte Britta Görtz von Hiraes, die als Gastsängerin für den noch recht neuen Song „Tränenpalast“ auf die Bühne kam. Gemeinsam mit Mille Petrozza sorgte sie für eines der Highlights des Auftritts und wurde vom Publikum entsprechend gefeiert.

Mit ihrer Mischung aus Klassikern, neuen Songs und einer beeindruckenden Live-Präsenz bewiesen Kreator einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Thrash-Metal-Bands der Welt gehören.

© Stefan Bollmann
© Katja Richter

Saint City Orchestra

Den Abschluss des Freitags übernahmen Saint City Orchestra. Trotz der späten Stunde war das Infield noch erstaunlich gut gefüllt. Mit einer Mischung aus Energie, Melodie und Party-Atmosphäre lieferte die Band einen stimmungsvollen Ausklang eines Tages, der zwischen Kostümspaß, Überraschungen und brachialen Momenten alles geboten hatte.

 

Samstag – Müdigkeit in den Knochen, große Momente und ein würdiges Finale

Der Samstag auf dem ROCKHARZ hat jedes Jahr seinen ganz eigenen Charakter. Nach drei intensiven Tagen liegt eine gewisse Schwere über dem Gelände – nicht im negativen Sinn, sondern als Mischung aus Müdigkeit, Routine und gleichzeitig Vorfreude auf den letzten großen Festivaltag. Viele schleppen sich morgens noch etwas langsamer vor die Bühnen, doch genau diese Stimmung kippt oft schneller, als man denkt, sobald die ersten Riffs einsetzen.

Pinhead

Pinhead eröffneten den Samstag mit genau der richtigen Mischung aus Druck und Rohheit. Noch war das Infield vergleichsweise luftig, doch die Band nahm das sofort an und spielte, als wäre die Bühne bereits voll. Ohne große Pausen, dafür mit viel Energie, wurde der Grundstein für einen langsam erwachenden Festivaltag gelegt.

Drone

Mit Drone änderte sich die Stimmung in Richtung dichter, schwerer Klangflächen. Die Band baute eine intensive, fast hypnotische Atmosphäre auf, die perfekt zum noch verschlafenen Publikum passte. Besonders auffällig war dabei der sehr körperliche, fast schon kompromisslose Bühnenauftritt des Sängers, der sich sichtbar komplett in der Performance verlor.

Als das Set eigentlich beendet war und der Umbau anstand, hielt er sinnbildlich noch immer am Moment fest – sehr zum Amüsement vieler im Publikum. Mit einem augenzwinkernden Eingreifen der Security wurde er schließlich von der Bühne begleitet, eher als humorvoller “Abgang” verstanden denn als echte Situation. Ein typischer Festivalmoment, der zwischen Chaos und Charme genau richtig eingeordnet wurde.

© Marvin Heins | ROCKHARZ

Tailgunner

Tailgunner brachten danach klassischen Heavy Metal mit viel Vorwärtsdrang zurück auf die Bühne. Schnelle Riffs, klare Strukturen und ein direkter Sound sorgten dafür, dass die ersten echten Bewegungssignale im Publikum sichtbar wurden. Der Samstag bekam damit endgültig seinen musikalischen Puls.

© Marvin Heins | ROCKHARZ

Necrotted

Mit Necrotted wurde es deutlich kompromissloser. Die Band lieferte technisch präzisen, modernen Death Metal mit maximaler Intensität. Keine großen Ansagen, kein Leerlauf – nur Druck. Vor der Bühne verdichtete sich die Menge spürbar, und die ersten ernsthaften Moshpits des Tages entstanden.

Tungsten

Tungsten sorgten anschließend für einen melodischeren Gegenpol. Eingängige Refrains, klare Strukturen und ein moderner Sound machten den Auftritt zugänglich, ohne an Energie zu verlieren. Besonders im Festivalkontext funktionierten die Songs als Brücke zwischen den härteren frühen Acts und dem kommenden Nachmittagsprogramm.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Crypta

Mit Crypta wurde die Atmosphäre wieder deutlich dunkler. Die brasilianische Death-Metal-Formation spielte konzentriert, wuchtig und mit einer bemerkenswerten Klarheit im Soundbild. Die Band wirkte extrem fokussiert und zog das Publikum mit ihrer Intensität schnell in den Bann.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Artillery

Artillery brachten klassischen Thrash Metal ins Infield – direkt, schnell und ohne Umwege. Die Erfahrung der Band war in jedem Song spürbar. Präzise Riffs und ein konstantes Tempo sorgten dafür, dass die Energie im Publikum wieder sichtbar anstieg.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Majestica

Mit Majestica wurde es epischer. Symphonischer Power Metal, große Melodiebögen und viel Pathos machten den Auftritt zu einem der musikalisch ausladenderen Momente des Nachmittags. Die Band setzte klar auf Atmosphäre und Eingängigkeit und schuf damit einen bewussten Kontrast zum vorherigen Thrash-Block.

Annisokay

Annisokay lieferten modernen Metalcore mit starkem Fokus auf Dynamik. Wechsel zwischen cleanen Gesangspassagen und Shouts, kombiniert mit druckvollen Riffs, sorgten für viel Bewegung im Publikum. Die Band wirkte eingespielt und nutzte die größere Bühne souverän.

Finntroll

Mit Finntroll wurde das Infield endgültig zur ausgelassenen Folk-Metal-Zone. Die Mischung aus Troll-Ästhetik, treibenden Rhythmen und absurdem Humor sorgte für eine sehr spezielle Stimmung: laut, chaotisch und gleichzeitig unglaublich tanzbar. Das Publikum ließ sich komplett darauf ein.

© Marvin Heins | ROCKHARZ

Danko Jones

Danko Jones lieferten danach das genaue Gegenteil: purer Rock’n’Roll ohne Schnörkel. Direkt, laut und mit maximaler Bühnenpräsenz. Die Band spielte sich ohne Umwege durch ihr Set und hielt die Energie auf konstant hohem Niveau.

Doro – die Metal-Queen

Mit Doro folgte einer der emotionalsten Momente des Tages. Die Metal-Queen stand mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit auf der Bühne und zeigte einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten fest zur Szene gehört. Ihre Nähe zum Publikum, gepaart mit klassischem Heavy Metal und klarer Haltung, machte den Auftritt zu einem der herzlichsten des Wochenendes. Gitarrist Zibby Krebs unterstützte sie dabei kraftvoll und präzise und fügte sich nahtlos in den Sound ein.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Knorkator – Chaos, Humor und ein legendärer Bühnenmoment

Den Höhepunkt des Tages übernahmen Knorkator – und wie so oft beim ROCKHARZ wurde daraus weit mehr als nur ein Konzert.

Die Band brachte ihre gewohnt absurde Mischung aus Musik, Performance und Wahnsinn auf die Bühne und verwandelte den späten Slot in ein einziges Spektakel. Besonders legendär war erneut der Moment, in dem alle Fotografen aus dem Graben auf die Bühne geholt wurden. Was längst zu einer Art inoffizieller ROCKHARZ-Tradition geworden ist, sorgte auch dieses Jahr wieder für ein einmaliges Bild: eine Bühne voller Musiker, Fotografen und purem Chaos.

Das Publikum feierte diese Szene ebenso wie die Songs selbst – denn genau diese Mischung aus musikalischem Können und völliger Selbstironie macht Knorkator auf dem ROCKHARZ jedes Mal zu einem der beliebtesten Acts.

© Katja Wisotzki | ROCKHARZ

Emperor

Mit Emperor folgte ein drastischer Stilwechsel. Die Black-Metal-Ikonen lieferten eine atmosphärisch dichte, technisch brillante und zugleich sehr ernsthafte Performance. Die Bühne wirkte reduziert, fokussiert – und das Publikum entsprechend konzentriert.

© Stefan Bollmann

Feuerschwanz – großes Finale auf der Rock Stage

Feuerschwanz übernahmen anschließend die Rock Stage und verwandelten den späten Abend in eine große Festivalparty. Pyrotechnik, humorvolle Inszenierung und eingängige Songs sorgten dafür, dass das Gelände noch einmal kollektiv aufdrehte. Ein bewusster Gegenpol zum vorherigen Black-Metal-Block – laut, bunt und voller Energie.

© Bastian Brocks | ROCKHARZ

Soen – ruhiger Ausklang

Den offiziellen Abschluss des ROCKHARZ 2026 übernahmen schließlich Soen auf der Dark Stage. Die Band setzte auf Atmosphäre, emotionale Tiefe und ruhige Dynamik. Nach einem Tag voller Extreme wirkte dieser reduzierte, konzentrierte Auftritt wie ein bewusst gesetzter Gegenpol – ein sanfter Ausklang eines intensiven Festivals.

Ein kurzer Regenschauer am Nachmittag blieb die einzige wetterbedingte Unterbrechung des Tages.

 

Nachhaltigkeit mit Haltung – und einer guten Portion Festivalrealität

Das ROCKHARZ Festival 2026 zeigt einmal mehr, warum es in Sachen Nachhaltigkeit längst zur festen Größe in der deutschen Festivallandschaft gehört. Hier wird nicht nur darüber gesprochen, hier wird umgesetzt – laut, staubig und mitten im Moshpit.

Ein Herzstück bleibt „Glück in Dosen“: Über das gesamte Gelände – besonders auf den Campingflächen – werden Pfanddosen und Becher gesammelt. Was liegen bleibt, ist hier kein Müll, sondern Rohstoff. Ehrenamtliche Helfer ziehen täglich über die Plätze, unterstützt von Sammelpunkten und Aktionen wie der Wurfwand. Der komplette Erlös aus dem Pfand geht anschließend an soziale und regionale Projekte – aus Festivalabfall wird echte Hilfe.

Noch sichtbarer wird der Nachhaltigkeitsgedanke bei der Recycling Fabrik. Direkt vor Ort werden Becher gesammelt, verarbeitet und zu neuem Materialgranulat aufbereitet. Ein echtes Highlight für viele Besucher: Für 8 gesammelte Becher gibt es einen Taschenaschenbecher aus dem 3D-Drucker – ein kleines, aber ziemlich cooles Upcycling-Souvenir direkt aus dem Festivalkreislauf. Wichtig dabei: Bezahlt wird ausschließlich mit Bechern, Bargeld spielt hier keine Rolle.

Rock’n’Recycle – Nachhaltigkeit zum Anpacken

Das Schülerprojekt Rock’n’Recycle, das 2022 ins Leben gerufen wurde, hat sich inzwischen fest ins Festivalgeschehen eingebrannt. Schülerinnen und Schüler unterstützen hier aktiv die Mülltrennung und das Recycling direkt auf dem Gelände. Statt trockener Theorie gibt es echte Festivalpraxis: Sortieren, erklären, anpacken – mitten im Rockharz-Gewühl.

Das Ergebnis ist spürbar: weniger Müllchaos auf dem Campingplatz, mehr Bewusstsein bei den Besuchern und ein Projekt, das zeigt, dass Nachhaltigkeit auch im Metal-Kontext funktioniert, ohne den Spaß zu bremsen.

Inklusion, die nicht erklärt werden muss

Ein echtes Aushängeschild bleibt das Inklusionscamp, das in Kooperation mit der Lebenshilfe Braunschweig betrieben wird. Hier wird nicht getrennt, sondern gemeinsam gefeiert.

Barrierearme Wege, individuelle Unterstützung und ein 24/7-Betreuungsteam sorgen dafür, dass Menschen mit und ohne Behinderung das Festival gleichberechtigt erleben können. Das Ganze wirkt nicht wie ein „Extra-Bereich“, sondern wie ein selbstverständlicher Teil des Festivals – genau so soll es sein.

Preise, Bier, Essen – fair bleibt hier wirklich fair

Trotz steigender Festivalpreise bleibt das ROCKHARZ erstaunlich bodenständig – zumindest im Vergleich zur Szene. Eine praktische Neuerung gab es in diesem Jahr ebenfalls: Direkt neben dem Bereich der Autogrammstunden stand ein Bierautomat. Gerade wer sich für ein Meet & Greet in die teilweise längeren Warteschlangen einreihte, konnte sich dort unkompliziert ein kühles Bier ziehen, ohne seinen Platz verlassen zu müssen. Eine kleine Idee, die bei vielen Besuchern gut ankam.

  • Bier: 4,50 €
    • Wasser: 3,50 €
    • Cocktails: 8 €
    • Pfand: 0,50 € / Cocktails: 1 €

Beim Essen bleibt das Niveau ebenfalls stabil, bewegt sich aber – wie schon in den vergangenen Jahren – im gehobenen Festivalpreisbereich:

  • Leberkässemmel: 5 €
    • Nackensteak / Krakauer / Currywurst: 6 €
    • Backfisch: 7 € (mit Kartoffelsalat 9 €)
    • Burger: 10–12 € ohne Pommes
    • Dumplings: 10 € (im Preis-Leistungs-Verhältnis am schwächsten, da die Portion für den Preis sehr klein ausfiel)
© Katja Richter

Infrastruktur zwischen Komfort und Festivalrealität

Beim Bezahlen ist das ROCKHARZ längst im modernen Festivalalltag angekommen: Kartenzahlung funktioniert an den meisten Ständen problemlos, nur vereinzelt tauchen noch Cash-only-Punkte auf. Wer also ohne Bargeld unterwegs ist, kommt in der Regel gut durch – sollte aber nicht komplett darauf wetten.

Auch bei den sanitären Anlagen zeigt sich das typische ROCKHARZ-Bild: funktional, ehrlich, festivaltypisch.

  • Spültoiletten: kostenlos
  • Duschcamp: 4 € pro Nutzung oder 15 € Flatrate
  • Warmes Wasser gibt es tatsächlich, auch wenn der Rest eher praktisch als luxuriös ist – Spiegel sucht man vergeblich.

30 Jahre Metal.de

Ein emotionaler Moment fand abseits der Bühnen statt. Das Online-Magazin Metal.de feierte sein 30-jähriges Bestehen und erhielt vom ROCKHARZ-Team eine Ehrenurkunde.

Mit rund 30 Teammitgliedern begleitet Metal.de das Festival seit vielen Jahren mit Interviews, Fotos, Videos, Berichten und Autogrammstunden und gehört inzwischen fest zur Geschichte des Festivals.

© Katja Richter

Fazit

Das ROCKHARZ 2026 war erneut ein Festival der besonderen Art. Zwar verhinderten der teilweise schwache Sound und der starke Wind eine perfekte Ausgabe, doch die familiäre Atmosphäre, ein hervorragend zusammengestelltes Line-up sowie das außergewöhnliche Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit und Inklusion machten dies mehr als wett.

Das Festival beweist einmal mehr, dass ein modernes Metal-Festival weit mehr sein kann als eine Aneinanderreihung von Konzerten. Gemeinschaft, soziales Engagement und Umweltbewusstsein gehören längst genauso selbstverständlich zum ROCKHARZ wie Headbangen vor den Bühnen.

Passend dazu blickte das Organisationsteam bereits unmittelbar nach Festivalende nach vorne. Die erste Bandwelle für das ROCKHARZ 2027 wurde direkt veröffentlicht und umfasst mit 29 bestätigten Bands so viele Frühankündigungen wie nie zuvor. Mit Bruce Dickinson, Arch Enemy, Accept, Eisbrecher, Metal Church, GWAR, The Sisters of Mercy und vielen weiteren Namen dürfen sich Metal-Fans bereits jetzt auf den nächsten Sommer an der Teufelsmauer freuen.

Ebenso beeindruckend verlief der Vorverkauf für das ROCKHARZ 2027. Zunächst erhielten über drei Tage hinweg die treuen Stammgäste, die bereits mindestens einmal das Festival besucht hatten, ein exklusives Vorkaufsrecht. Erst danach gingen die verbleibenden Tickets in den freien Verkauf – allerdings waren zu diesem Zeitpunkt nur noch rund zehn Prozent des Kontingents verfügbar. Auch diese Restkarten waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen, sodass das ROCKHARZ 2027 bereits kurz nach Vorverkaufsstart vollständig ausverkauft war. Das unterstreicht eindrucksvoll den Stellenwert, den das Festival inzwischen in der Metal-Szene genießt, und zeigt gleichzeitig die große Verbundenheit seiner langjährigen Besucher.

Eines steht schon heute fest: Wenn Anfang Juli 2027 wieder die ersten Gitarrenriffs über Ballenstedt erklingen, wird es erneut heißen: See you at the Devil’s Wall!

© Andre Schnittker Photographie