Party.San Open Air 2018 – Schlotheim – 09.08. – 11.08.2018

Party.San Open Air 2018 – Schlotheim – 09.08. – 11.08.2018

📁 Allgemein, Live, Musik, News 🕔28.August 2018
Party.San Open Air 2018 – Schlotheim – 09.08. – 11.08.2018

Alle Jahre wieder….. kehrt der Beelzebub zurück nach Schlotheim. Und zur 24. Auflage des Party-San Open Airs (P:S:O:A), die vom 09.-11.08.2018 zelebriert wurde, hatte der Kumpel für die geneigte Fangemeinde einmal mehr die Vollbedienung in Sachen extremen Metal im Gepäck.

Fanfreundlichkeit wird in Thüringen immer noch großgeschrieben. Das reflektiert sich jedes Jahr aufs Neue in der super entspannten Atmosphäre, fairen Preisen und vor allem einem stets hilfsbereitem Orga-Team. Auch den Temperaturen nahe des Glutofens wurde auf professionelle Weise Tribut gezollt. Flugs ein paar überdachte Sitzplätze aufs Infield, ein paar zusätzliche Wasserstellen zur Abkühling installiert und Fans und Veranstalter sind gleichermaßen zufrieden und das muntere Treiben kann beginnen.

Bilder in der Galery 

Für uns begann das Treiben nach einer entspannten Anreise pünktlich mit den amerikanischen Death Verehrern GRUESOME. Bei sengender Hitze wird dem Publikum ordentlich Adrenalin ins Tanzbein gepumpt, was eine überaus positive Reaktion erzeugte. So langsam wird die Chuck Shuldiner Tribute Kapelle (nein, kein Plagiat!) ernst genommen. Entsprechend macht die Florida Dampframme abermals keine Gefangenen und legt die Messlatte für die folgenden Bands schon mal ordentlich hoch und bescherte uns den erhofften Einstand nach Maß ins Party-San Open Air 2018

Leider konnten UNANIMATED die hoch gelegte Messlatte nicht ganz halten. Die Schweden sind seit ihrem melodischen Todesblei Masterpiece ‘Ancient God of Evil‘ eine Institution. Mit neuer (großartiger) EP im Gepäck reisten die Jungs aus Stockholm an. Leider reichte es diesmal   als nette Beschallung aufzufallen, aber mitreißen konnten die Herren nicht. Schade.

Bereits beim Umbau für die griechische Abrissbirne DEAD CONGREGATION bemerkte man auffrischenden Wind und dunkle Wolken. Egal…. Musikalisch wurde hier herrlich roher Todesblei anstelle Weißer Rosen aus Athen kredenzt. Trotzdem mit hohem Lieb-Hab Faktor. Dem zum Trotz wurde es allerdings allmählich doch Zeit Richtung Camp zu marschieren denn der Wind weitete sich langsam aber sicher zum Sturm auf. Kaum dort angekommen regnete es auch schon die ersten Patches vom davonfliegenden Merch-Stand gegenüber. Nachdem dem fliegenden Holländer auch noch sein kompletter Pavillon aufs Autodach krachte, war klar, dass die Sandwolke am Horizont einen ausgewachsenen Sturm in seiner ganzen unheilvollen Pracht vor sich herschob. Zelte, Pavillons (und Händlerbuden) wurden reihenweise zum Einsturz gebracht, und sorgten erstmals in der Geschichte des P:S:O:A für eine ungewollte Unterbrechung. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt so dass nach der rund einstündigen Zwangspause die Party weitgehen konnte.

Nachdem ANAAL NATHRAKH ordentlich eingeheizt haben, schien der Partyklimax zu meiner großen Verwunderung bei Joel Grind und seiner TOXIC HOLOCAUST Meute zu steigen. Das Brett, das der Haufen aus Portland hier vom Stapel ließ, war fett! – Richtig fett!!!

Die Meute ging steil, der Sound war rasiermesserscharf und der Pit eskalierte völlig.

Warum dieser infernalische unsinnige Krach, den REVENGE da anschließend aus den Boxen schmetterte zur Primetime laufen muss, ist höchsten mit deren Flugplan zu erklären. Ansonsten gibt es nichts, was die Kanadier berechtigt auf diesem Slot spielen zu dürfen. Unterirdisch war die einhellige Meinung…. Nicht ganz, Ein unbeugsamer (unbelehrbarer?) fand die Band total super, denn sein Platz in der ersten Reihe blieb bis zu seiner Rückkehr vom Bierstand frei.

MASTER’S HAMMER erklärten sich bereit, den aufgrund der Wetterkapriolen durcheinandergewirbelten Plan wieder gerade zu rücken. Somit reihten sie sich nach dem Headliner zu späterer Stunde wieder ins Billing ein. Chapeau! Daher dröhnte es nach kurzer Umbaupause von der Mainstage: „Ihr habt sie euch lange gewünscht, hier sind sie nun. „From Telemark, Norway: EMPEROR!“. Die Legende des norwegischen Black Metal spielte auf dem Party-San ihre einzige Deutschland-Show in diesem Jahr. Und ja… es war der beeindruckende epische und über alles erhabene Auftritt, den viele erwartet haben.  Ihsahn, Samoth und ihre Mitstreiter überzeugen durch erbarmungslose Präzision und zocken ihre schwarzmetallischen Hymnen mit affenartiger Geschwindigkeit. Nachdem man in den letzten zwei Jahren die ‘Nightside Eclipse‘ gebührend gefeiert hat, gibt es nun den zweiten Longplayer „Anthems To The Welkin at Dusk“ in nahezu Gänze. Den Weg zum finalen Ende geleiteten jedoch mit „I Am The Black Wizards“ und „Inno A Satana“ zwei Stücke des Debüts. Herrliche Gänsehaut, großes Kino!

Während sich viele noch die endgeilen ENDSEEKER auf der Zeltbühne gaben, oder sich von den Tschechischen Urgesteinen MASTER’S HAMMER die letzten Hirnwindungen torpedieren ließen war für uns heute Schluß. Der Brutz & Brakel Stand, wo sich alljährlich alles schart, war bei unserer Abreise allerdings noch gut besucht, was auf eine lange Partynacht schließen ließ.

Bilder in der Gallery 

Tag 2:

Bei deutlich kühleren und angenehmen Temperaturen, man nennt es perfektes Festivalwetter, begann der zweite Tag äußerst durchwachsen und zäh. Der obligatorische Opener des zweiten Tages in Form des Party-San Brötchens konnte in diesem Jahr nicht mit gewohnter Qualität glänzen. Aber die Marschroute für den Tag hat er zumindest treffend vorhergesagt.  Während die Exoten RAM um Frontmann Oscar Carlquist die Bühne systematisch beackerten und dafür mehr als nur Szenenapplaus ernteten waren bei The BLACK DAHLIA MURDER irgendwie der Wurm drin. Alles ‘ganz nett‘ aber irgendwie hatte man das Gefühl, das den Modern Death Metallern aus Detroit etwas die Hummeln im Arsch fehlten. Das war schon mal besser Jungs.

Allerdings gab es dann die erhoffte Party vor der Bühne. Als DESERTED FEAR fürs Heimspiel die Bretter entfernten, zog es auch den letzten Todesstahljünger in Richtung Bühne. Alles was an Pyro hinter der Bühne lagerte, wurde gefühlt abgefackelt und abgeschossen, allerdings auch mal ausserplanmässig, was auch bei den Protagonisten zu dem Zitat des Festivals führte: „Das war aber so nicht geplant. Guckt sich das fackelnde Ding hier noch einer an? – Ach, Scheiß drauf. Nächster Song“. Nach einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Querschnitt durch alle drei Alben haben DESERTED FEAR wieder einmal bewiesen, dass Sie derzeit mit das heißeste sind was wir derzeit in puncto Death Metal zu bieten haben.

An EXHORDER führt an diesem Tag allerdings kein Weg vorbei. Was die Breitwandbeschallung aus New Orleans im Anschluss auf der Bühne ablieferte war schlicht und ergreifen fett! – Lediglich Zwei Alben die vor über 25 Jahren veröffentlicht wurden, würden die meisten Combos auf den 11:00 Opener zurückversetzen. Nicht so EXHORDER. Kyle und Co, blasen mit ihrer Soundwand einfach mal alles nieder, ohne dabei die Finessen der Songs zu zermatschen. Den Fans, denen zuhauf (und zurecht) die Kauleiste auf den Asphalt vor der Bühne klappert, ist die Freude über die Rückkehr von Exhorder deutlich anzumerken. Die Band wird schlichtweg abgefeiert, egal ob der Song von The law, Slaughter in the Vatican oder dem Get Rude Demo kommt. Schon jetzt ein klarer Tagessieg für die Saints-Fans.

Noch völlig geflasht von der Performance von EXHORDER geht es zu UNLEASHED. Die Schweden, grundsolide wie immer rotzen in amtlichen Tempo ihre Death Metal Hymnen  aufs Volk. Egal ob „The Longships Are Coming“ oder das unvermeidliche „Death Metal Victory“ – die Wikinger gaben mal wieder alles und konnten dafür den gebührenden Applaus einfahren.

Applaus gab es bei VENOM

hingegen weniger, denn los ging es mit dem klassischen Intro des Ansagers aus der Hölle, gefolgt von einem müde dahin getrotzten Opener „Black Metal“.  Anschließend bediente man sich alten und auch neueren Materials um einen lustlosen Auftritt zu bestreiten. Keine Ahnung was Cronos über die Leber gelaufen ist, gut getan hat es dem Trio allerdings nicht. Zwischendurch kam Dante auf die Bühne um zu versichern, dass er weiterhin an den Kesseln arbeiten wird und momentan nur verletzungsbedingt pausiert. Bei einer mittlerweile kühlen Nacht stand man da, und hoffte auf den AHA Moment, aber der stellte sich diesmal bei Venom nicht ein. Nicht mal richtig schlecht, was der langsam aus dem Leim gehende Cronos da abgeliefert hat, aber leider über weite Strecken zu durchwachsen und zäh.

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Tag 3

Auf dem Gelände war eine gewisse Katerstimmung nicht zu leugnen. Allerorts zollte der Körper den letzten  beiden Tagen Tribut. Da kommt eine Band wie CARPATHIAN FOREST gerade recht. Herrliche „F*** off“ -Attitüde und eine schrullige Show sollten hier auf der Tagesordunung stehen. Nattefrost ist ein Unikat, aber heuer war er mit seiner Gesangsleistung definitiv das schwächste Glied der Truppe. Black Rock’n’Roll (Glory Hole) funktioniert bei 25°C und Sonnenschein eh schwerlich, aber, wenn man dann noch wie eine gekniffene Katze singt, wird es irgendwann zu viel des guten.

Bei EXCITER waren es hingegen eher die technischen Probleme, die Songs wie „Heavy Metal maniac“ oder „Under attack“ schief und gruselig klingen ließen. Die Show der Kanadier um den trommelnden Sänger Dan Beehler mühte sich redlich, aber so richtig mitgenommen haben sie kaum einen der Anwesenden. Schade.

Die Pestilenz von  PESTILENCE sind die beiden ersten Alben. Da kann das aktuelle Album „Hadeon“ noch so gut sein. Solange der Song nicht von Consuming Impulse oder Malleus Malleficarum stammt, taugt das nix. So zumindest die Reaktion vieler Fans, die artig vor der Bühne den Klängen der Holländer lauschten. Alles im Grünen Bereich bei den Holländern, die auf dem P:S:O:A bewiesen haben, dass sie Live immer noch mächtig Arsch treten.

TRIBULATION werden im Anschluß wie Headliner empfangen und abgefeiert, wobei insbesondere die immer weiter fortschreitende Symbiose aus Black Metal und Okkult Rock viele zu begeistern scheint.

Pyros, und die dauernde Walldorf-Performance von Gitarrist Jonathan Hultén un ihr übriges und sind sicher der Hingucker. (ACHTUNG: subjektiver Eindruck) Weniger ist manchmal vielleicht mehr aber ok. Wer allerdings sein Handwerk derart gut beherrscht, darf auch mal etwas extravagant daherkommen. Die Fans bekommen hier die visuelle und akkustische Vollbedienung, die natürlich entsprechend honoriert wird. Das Tribulation derzeit auf dem Weg nach oben sind, ist unbestreitbar. Und das ist auch gut so.

Nachdem BRUJERIA eher bedingt liefern konnten, hauten die Frankfurter TANKARD nochmal alles raus und feierten eine amtliche Party mit den Fans. „One Foot in the Grave“  ist der passende Opener auf der Zielgeraden. Gerre und Basser Frank waren eigentlich überall auf der Bühne zu finden und zogen mit diesem agilen Stage-acting auch den müdesten Metaller vor die Bühne. Mit „Zombie Attack“ griff man zwischendurch ganz tief in die Mottenkiste, fand geschmeidig den Weg zurück zum „A Girl, called Cerveza“  um beim finalen „Empty Tankard“ dem Spaß im Überschwank zu frönen. Einfach mal wieder ganz großes Kino.

Den finalen Höhepunkt des Party-San 2018 sollten die Schweden von WATAIN liefern. Aber irgendwie war das ne laue Nummer, wenngleich darüber sicher kontrovers diskutiert werden darf. Love it or hate it trifft es wohl am besten. So möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Für den Verfasser dieser Zeilen steht nach zwei WATAIN Konzerten innerhalb von 3 Wochen fest:   WATAIN sind oder werden nicht Böse, noch sind sie künstlerisch wertvoll.  Da kann Sänger Eric auf der Bühne mittels Fackel noch zwei Dutzend Kerzen oder sonst was anzünden, irgendwelche Schmodderpuppensuppe auf den Fotografen und Securities verteilen. Dementsprechend langweilig und war dann auch der vielgepriesene musikalische Höhepunkt. Ach nein, Stop! -„Waters Of Ain“ ist einfach großartig. Danke dafür, WATAIN.

Bilder in der Gallery 

Damit ist das beste Festival im extremen Sektor schon wieder Geschichte. Was bleibt unterm Strich?

  • Wie immer war es ein Fest, das beste des Jahres.
  • Die Solidarität der Fans untereinander nach dem Sturm war mal wieder großartig
  • Die Orga ist nahezu perfekt. Danke an alle
  • PSOA bleibt klein, familiär und gemütlich
  • Die Preise bleiben stabil und Fanfreundlich.

 

Somit bleibt uns nur zu sagen: Wir freuen uns auf eine superentspannte Neuauflage in 2019!

 

Text: Babara Feike, Marc Feike

Fotos: Marc Feike, Katrin Truckenbrodt und Katja Borns

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