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Mark (NO) Monolitt

Black Metal lebt seit jeher vom Spannungsfeld zwischen fest verankerter Tradition und individueller Handschrift. Mork gehört zu jenen Projekten,

Mark (NO) Monolitt

Black Metal lebt seit jeher vom Spannungsfeld zwischen fest verankerter Tradition und individueller Handschrift. Mork gehört zu jenen Projekten, die beides miteinander vereinen, ohne daraus einen faulen Kompromiss zu formen. Seit Thomas Eriksen das norwegische Projekt 2004 ins Leben rief, entwickelte sich dessen Musik von einer deutlich durch die zweite Black-Metal-Welle geprägten Ausrichtung zu einer eigenständigen Mischung aus frostiger Raserei, finsteren Melodien und zunehmend weitläufigen Arrangements.

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Hört die Songs und Schaut die Clips „Monolitt“ von Mork. in dieser Playlist

Auf „Monolitt“ werden diese Elemente in einer besonders kompakten und druckvollen Form gebündelt. Das achte Studioalbum wirkt aggressiver als der experimentierfreudige Vorgänger „Syv“, verzichtet dabei jedoch keineswegs auf dessen atmosphärische und progressive Errungenschaften. Gemeinsam mit Schlagzeuger Asgeir Mickelson und dem für zusätzliche Gesangspassagen verantwortlichen Øyvind Kaslegard erschafft Eriksen neun Stücke, die zwischen ungezügelter Kälte, schweren Grooves und eindringlicher Melodik pendeln. Thematisch beschäftigt sich das Werk mit Zusammenbruch, Isolation, Veränderung und der unerbittlichen Gewalt einer Wirklichkeit, in der der Mensch keineswegs das Maß aller Dinge darstellt.

Ohne Vorwarnung in die Tiefe

„Under Vekten Av Verden“ eröffnet das Album ohne atmosphärisches Vorgeplänkel. Die Gitarren schneiden unmittelbar durch den Raum, während Asgeir Mickelson mit drängenden Schlägen und präzise gesetzten Tempowechseln für eine enorme Vorwärtsbewegung sorgt. Statt seine Riffs hinter einer absichtlich undurchsichtigen Produktion zu verbergen, lässt Thomas Eriksen jede einzelne Linie deutlich hervortreten. Dadurch verliert das Stück nichts von seiner Rohheit, gewinnt jedoch erheblich an körperlicher Wirkung. Unter den frostigen Tremolo-Passagen arbeitet ein fast schon rockiger Rhythmus, der den Song ständig in Bewegung hält und dafür sorgt, dass die knapp sechs Minuten wie im Flug vergehen.

Besonders stark gerät der Kontrast zwischen den schnellen Angriffen und den schwereren, deutlich gröber angeschlagenen Riffs. Mork verlässt sich nicht auf pausenloses Dauerfeuer, sondern arbeitet mit Spannung, Gewicht und Wiedererkennungswert. Eriksens Stimme klingt rau, ausgemergelt und angriffslustig, bleibt im Mix aber präsent genug, um nicht bloß als weiteres Geräusch innerhalb der Instrumentierung wahrgenommen zu werden. Der Opener lässt keine Zweifel daran, dass „Monolitt“ zwar fest im Norwegian Black Metal verwurzelt ist, sich jedoch nicht mit der bloßen Wiederholung alter Genreformeln zufriedengibt.

Mit „Ødelagt“ wird die Gangart zunächst weiter verschärft. Galoppierende Rhythmen treffen auf sägende Gitarren, bevor sich die Komposition immer stärker in Richtung einer schleppenden und beinahe doomigen Schwere bewegt. Gerade dieser Verlauf weiß zu gefallen, weil der Song nicht einfach nur verschiedene Tempi aneinanderreiht. Die zunehmende Verlangsamung wirkt wie ein schrittweiser Kontrollverlust. Aus Bewegung wird Erstarrung, aus Angriff wird Belastung. Die Gitarren erzeugen dabei keine romantische Melancholie, sondern eine kalte und entkräftete Stimmung, in der jeder Akkord wie ein weiterer Schritt in Richtung Zusammenbruch erscheint.

Melodien, die Wunden hinterlassen

„Torden“ fällt wesentlich kompakter aus und gehört zu den unmittelbarsten Nummern des Albums. Der Song benötigt keine ausgedehnte Entwicklung, sondern konzentriert seine Energie auf einprägsame Gitarrenfiguren, ein treibendes Schlagzeug und einen Refrain, der sich bereits nach dem ersten Durchlauf im Gedächtnis festsetzt. Eingängig bedeutet bei Mork allerdings keineswegs gefällig. Die melodischen Linien tragen stets etwas Unheilvolles in sich und schneiden mit einer Schärfe durch die Instrumentierung, die jede Form von Behaglichkeit verhindert.

Das Schlagzeug liefert hierzu eine fantastische Leistung. Mickelson spielt kraftvoll, ohne die Gitarren mit unnötiger technischer Selbstdarstellung zu überfahren. Seine Akzente verstärken die Riffs, die Becken öffnen einzelne Passagen und die Doublebass erzeugt an den richtigen Stellen zusätzlichen Druck. Dadurch bekommt „Torden“ eine beinahe physische Wucht. Die Musik bleibt trotz der klaren Produktion ungezähmt und besitzt genau jene schroffe Außenhaut, die ein solches Stück benötigt.

Das folgende „Skrømt“ gibt sich weniger direkt. Die Gitarrenlinien wirken hier verschlungener, während die Melodien wie undeutliche Gestalten aus einem dichten Nebel auftauchen und kurz darauf wieder verschwinden. Das Stück benötigt mehrere Durchläufe, bevor sich seine gesamte Struktur erschließt. Gerade darin liegt jedoch sein Reiz. Unter der zunächst verschlossenen Oberfläche befinden sich zahlreiche feine Übergänge, rhythmische Verschiebungen und harmonische Details, die das Material mit jedem erneuten Hören wachsen lassen.

Eriksen beweist in diesen Passagen ein ausgezeichnetes Gespür für die Wirkung einzelner Töne. Er spielt nicht möglichst viele Noten, sondern lässt melodische Motive lange genug stehen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Gitarren klingen gleichzeitig alt und zeitlos. Man hört die Verbindung zur norwegischen Schule der frühen Neunziger, doch Mork kopiert weder Darkthrone noch Mayhem. Stattdessen werden vertraute Klangfarben innerhalb einer eigenen kompositorischen Sprache neu angeordnet.

Einsamkeit auf dem Weg nach vorn

Mit „Ferdamann“ tritt das Album in seine atmosphärischste Phase ein. Der Song bewegt sich weniger hektisch und räumt den Gitarrenmelodien deutlich mehr Platz ein. Schwere Rhythmen tragen eine Komposition, die gleichzeitig entschlossen und nachdenklich wirkt. Das Bild eines Wanderers, der Vergangenes hinter sich lässt und dennoch dessen Erinnerung mit sich trägt, wird nicht durch übertriebenen Bombast ausgeschmückt. Stattdessen setzt Mork auf eine spröde und einsame Stimmung, die hervorragend zur kalten Klangwelt des Albums passt.

Die melodischen Verzierungen verleihen dem Stück eine beinahe folkige Färbung, ohne dass daraus Pagan Metal oder romantisierte Naturverehrung entsteht. Der Weg durch Berge, Winter und verlassene Landschaften bleibt beschwerlich. Selbst die offeneren Gitarrenpassagen vermitteln keine wirkliche Freiheit, sondern lediglich die Aussicht auf eine ungewisse Zukunft. „Ferdamann“ entwickelt seine Intensität deshalb nicht über Geschwindigkeit, sondern über Atmosphäre und Wiederholung.

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Seht hier das offizielle Musikvideo zu „Ferdamann“ von Mork.

Das mehr als sechseinhalb Minuten lange „Inn I En Annen Sfære“ führt diese Entwicklung weiter und bildet einen der zentralen Höhepunkte des Albums. Ruhigere Gitarren und beinahe schwebende Klangflächen öffnen den Song, bevor Schlagzeug, Verzerrung und Gesang die anfängliche Distanz zunehmend aufbrechen. Mork arbeitet hier mit einem langen Spannungsbogen, der sich nicht in einem einzigen großen Ausbruch entlädt. Vielmehr wechseln sich meditative, harsche und majestätische Passagen ab, ohne dass die Komposition ihren inneren Zusammenhang verliert.

Gerade dieses Stück zeigt, wie viel musikalische Tiefe Thomas Eriksen inzwischen aus seinem Projekt herausholt. Die Atmosphäre entsteht nicht durch nachträglich aufgesetzte Keyboards oder eine überladene Produktion, sondern durch die Anordnung der Gitarren, die Dynamik des Schlagzeugs und den gezielten Einsatz von Pausen. Jeder Übergang erhält genügend Zeit, sich zu entwickeln. Trotzdem entsteht nie der Eindruck, dass der Song unnötig in die Länge gezogen wurde. Großes Kino für Freunde atmosphärischer Schwarzmetallkunst.

Von Raserei und alten Kräften

Nach dieser ausladenden Reise schlägt „Martyr“ wesentlich direkter zu. Das Riffing ist kantiger, das Schlagzeug unnachgiebiger und der Gesang klingt besonders bissig. Gelegentlich schimmert sogar eine leichte Thrash-Metal-Schlagseite durch, die der Komposition zusätzliche Schrfe verleiht. Der Titel gehört zu den aggressivsten Momenten des Albums und erfüllt innerhalb der Dramaturgie eine wichtige Funktion. Nach den weit geöffneten Klangräumen des Vorgängers wird das Publikum wieder auf den Boden geschleudert.

Dabei bleibt auch „Martyr“ keineswegs eindimensional. Zwischen den rasenden Passagen tauchen kleinere melodische Veränderungen auf, die das Stück vor stumpfer Gleichförmigkeit bewahren. Mickelson treibt das Geschehen mit einer bemerkenswerten Präzision voran, während der Bass den Gitarren ein sattes Fundament bietet. Der Sound ist druckvoll, aber nicht künstlich aufgeblasen. Genau deshalb entfaltet die Nummer jene amtliche Durchschlagskraft, die bei modern produziertem Black Metal keineswegs selbstverständlich ist.

„Jutul“ verbindet anschließend rohe Gewalt mit einer fast majestätischen Stimmung. Die Bezeichnung verweist auf die riesenhaften Wesen der norwegischen Überlieferung, und entsprechend großformatig wirken einige der melodischen Gitarren. Statt folkloristische Motive plump auszustellen, überträgt Mork die Vorstellung einer uralten und übermächtigen Naturkraft in schwere Riffs, eindringliche Leads und markante Gesangsschichten.

Die zusätzlichen Stimmen von Øyvind Kaslegard setzen punktuelle Kontraste zu Eriksens heiserem Organ. Sie werden sparsam eingesetzt und verändern deshalb nicht den grundsätzlichen Charakter der Musik. Vielmehr erweitern sie die räumliche Wirkung und geben einzelnen Passagen etwas Beschwörendes. „Jutul“ gehört zu den stärksten Kompositionen des Albums, weil hier Melodie, Härte und Atmosphäre besonders ausgewogen ineinandergreifen.

Kein versöhnlicher Ausgang

Mit „Utryddelse“ endet „Monolitt“ nicht in ruhiger Resignation, sondern in einer letzten Verdichtung sämtlicher Kräfte. Geräuschhafte Elemente und entfernte Stimmen schaffen zunächst eine unheilvolle Erwartung, bevor die Gitarren mit schweren Akkorden einsetzen. Der Song wechselt mehrfach zwischen schleppenden Passagen, rasender Bewegung und finsteren Melodien. Dadurch wirkt der Abschluss weniger wie ein klassisches Finale als wie ein fortschreitender Zerfall.

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie das Stück immer wieder neue Energie aus scheinbar bereits erschöpften Motiven gewinnt. Ein Riff wird reduziert, neu akzentuiert und anschließend mit größerer Wucht zurückgeführt. Das Schlagzeug hält den Song zusammen, ohne dessen chaotische Wirkung zu glätten. Über allem liegt Eriksens Stimme, die hier einen ihrer intensivsten Auftritte auf der gesamten Platte erhält. Erlösung oder einen beruhigenden Ausklang gibt es nicht. Die Musik zieht sich zurück, doch die Bedrohung bleibt bestehen.

Die Kunst des kontrollierten Drucks

Ein großer Teil der Wirkung geht auf die Produktion zurück. Das von Børge Finstad im Toproom Studio gemischte Album besitzt genügend Transparenz, um die zahlreichen Gitarrenschichten und rhythmischen Details hörbar zu machen. Gleichzeitig wurde die Musik nicht bis zur Leblosigkeit poliert. Verzerrung, Anschlag und kleinere Unebenheiten bleiben erhalten und geben den Songs eine organische Schärfe.

Das Mastering von Jack Control und Maor Appelbaum sorgt für zusätzliche Lautstärke und Präsenz, ohne das Klangbild vollständig zusammenzupressen. Besonders das Schlagzeug profitiert davon. Snare, Becken und Bassdrum besitzen jeweils einen klaren Platz, während die Gitarren breit und frostig aus den Boxen dringen. Der Bass ist nicht bloß zu erahnen, sondern verankert die Songs mit einem kräftigen Tiefenfundament. Wer Wert auf ein prächtiges und dennoch finsteres Soundesign legt, kommt voll und ganz auf seine Kosten.

Auch kompositorisch präsentiert sich Mork bemerkenswert geschlossen. Die Stücke unterscheiden sich deutlich in Tempo und Aufbau, wirken jedoch jederzeit wie Bestandteile desselben Albums. Wiederkehrende Gitarrenfarben, Eriksens charakteristischer Gesang und die konsequent bedrückende Stimmung bilden einen roten Faden. Trotz einer Spielzeit von knapp 47 Minuten entsteht kaum Leerlauf.

Lediglich im mittleren Abschnitt verlangt das Album etwas Geduld. „Skrømt“ und „Ferdamann“ setzen weniger auf sofortige Wirkung und können beim ersten Durchlauf hinter den offensiveren Titeln zurückstehen. Ihre Stärken liegen in kleinen melodischen Veränderungen und einer langsam wachsenden Atmosphäre. Wer ausschließlich schnelle Höhepunkte und sofort erkennbare Refrains erwartet, könnte sich daran reiben. Mit zunehmender Beschäftigung erweisen sich jedoch gerade diese Stücke als wichtige Gegenpole zur ungezügelten Raserei.

Unser Fazit

Mit „Monolitt“ liefert Mork ein kraftvolles und außergewöhnlich ausgewogenes Album ab. Thomas Eriksen besinnt sich stärker auf die schroffe Energie des norwegischen Black Metal, ohne die atmosphärischen und kompositorischen Fortschritte der vergangenen Veröffentlichungen aufzugeben. Das Material klingt roh, besitzt jedoch genügend Tiefe und Dynamik, um nicht in vorhersehbarer Nostalgie zu versinken.

Mork – Monolitt

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