Interzone (D) – Letzte Ausfahrt: Lost Tapes

Interzone (D) – Letzte Ausfahrt: Lost Tapes

📁 Allgemein, Musik, Reviews 🕔02.Oktober 2019
Interzone (D) – Letzte Ausfahrt: Lost Tapes

Ende der siebziger Jahre aus der Blues-Band Curly Curve hervorgegangen, konnten sich die Berliner um Sänger Heiner Pudelko (1948-1995) ziemlich schnell zu einer der einflussreichsten Bands der frühen achtziger Jahre etablieren. Doch die Anfänge für das, was später Hits wie „Armer Paul“, „Kinderlieder aus Beton“ oder „Aus Liebe“ hervor brachte, lag bereits Ende der siebziger Jahre, als Interzone sich Texten des deutschen Dichters und Rockpoeten Wolf Wondratschek annahmen und diese vertonten. Doch das entstandene Album wurde aufgrund der fehlenden Zustimmung Wondratscheks nie veröffentlicht. Auf der Webseite Heiner Pudelkos ist dazu zu lesen: Im Sommer 1979 debütierten INTERZONE beim Berliner ‚Young Music Summer Festival‘, fielen durch ihre Wondratschek -Texte auf, erhielten sofort einen Schallplattenoptionsvertrag von der Plattenfirma WEA/Warner Music aus Hamburg und „…wir waren naiv genug zu glauben, ihnen ginge es um unsere Musik“, erinnerte sich Pudelko später. Als die Euphorie über den schnellen Plattendeal vergangen war, zeigte es sich jedoch, dass die WEA weniger an INTERZONE interessiert war und es der Company hauptsächlich darum ging, die musikalischen Verlagsrechte an den Wondratschek Texten zu erhalten. Als sich dies immer klarer herausstellte, zog der deutsche Lyriker zog die Zusage für die Veröffentlichung seiner Texte auf Langspielplatte zurück. Offiziell begründete Wondratschek dies damit, dass er gehört habe, dass der Tonträger nicht über alternative Vertriebswege in die Läden kommen sollte, sondern über eine Industriefirma. Pudelko verteidigte ihn bedingungslos: „Wondratschek wollte sich nicht auf einer Teenie-Ebene und in BRAVO wiederfinden.“ Die Konsequenz war eindeutig und zeigte den Musikern noch einmal eindringlich, um was es den Plattenbossen in Wirklichkeit gegangen war: keine Wondratschek-Texte = keine Platte. So kam es im Spätsommer 1979 zum Bruch zwischen INTERZONE und der WEA. Pudelko meinte dazu später auf seine trockene aber ehrliche Art: ”Rock’n’Roll ist ein besonderer Saft. Wie immer beim Duft von blutigem Fleisch erschien ein Schwarm von Schmeißfliegen, um seine unreine Brut daran zu mästen.”

Nun liegt dieses Album endlich auch als CD vor, war die auf 500 Stück limitierte LP, erschienen im März diesen Jahres, innerhalb nur weniger Stunden restlos ausverkauft. Die treibende Kraft an der Veröffentlichung ist Jim Rakete, der zusammen mit Pudelkos Witwe, Angela Schönberger-Pudelko, mit einer Taschenlampe in die Tiefen eines Berliner Kellers abtauchte und die Bänder sichern konnte. Nachdem Rakete die Bände digitalisiert hatte, kam es auch endlich zum erhofften Ritterschlag und Wondratschek gab sein Einverständnis zur Veröffentlichung. Was wir nun zu hören bekommen ist reinrassiger Rhythm and Blues und über allem thront die so eigenwillige, markante Stimme von Heiner Pudelko. Ein Stück deutsche Musikgeschichte, die hier erstmals als CD erhältlich ist.

Fazit: Ein Stück deutscher Musikgeschichte.

  1. Café Capri
  2. Liebeslied
  3. Das alte, sentimentale Gefühl
  4. R&R Freak
  5. Gizeh
  6. Picknick auf einer Blutfontäne
  7. Letzte Ausfahrt
  8. The Ticket That Exploded
  9. Henry Miller geht wieder auf den Strich
  10. Supergirl
  11. Wartehalle 9
  12. Apartment 302

 

Label: Repertoire Records

VÖ: 13.09.2019

Laufzeit: 39:59 Min.

Herkunft: Deutschland

Stil: Rhythm & Blues/Rock

Webseite: http://www.heinerpudelko.de/

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