Hidas (D) A Sense Of Impending Doom
Zugegeben, bei dem knapp-kantigen Namen dieser Münchner Formation rechnet man nicht automatisch mit einem derart finsteren Brocken, doch musikalisch
Zugegeben, bei dem knapp-kantigen Namen dieser Münchner Formation rechnet man nicht automatisch mit einem derart finsteren Brocken, doch musikalisch ist das hier schwerer Stoff: Doom Metal mit Stoner-, Black– und Groove-Schlagseite, roh im Zugriff, aber erstaunlich fein justiert. Hidas schieben auf „A Sense Of Impending Doom“ nämlich keinen bloßen Riffhaufen durch den Nebel, sondern ein Album, das Spannung aus Gewicht, Dynamik und Atmosphäre zieht. Gerade weil die Band komplett ohne Gesang arbeitet, steht hier jede Wendung im Arrangement unter Beobachtung – und genau das wird zur Stärke. Was schon die ersten Minuten andeuten, bestätigt sich über die gesamte Laufzeit: Diese Platte setzt auf Sogwirkung statt Showeffekte und entwickelt daraus eine düstere, druckvolle Eigenlogik.
Schwere mit Sogwirkung
Schon „Dynger“ legt die Karten offen auf den Tisch: ein schleppender Einstieg, massiver Tiefgang und Gitarren, die nicht einfach nur walzen, sondern mit feinen melodischen Linien Spannung aufbauen. Hidas denken Doom nicht als statisches Gewicht, sondern als Bewegung in Zeitlupe. Genau deshalb funktioniert auch „Splint“ so gut, das den tonnenschweren Fluss kurz anzieht und mit deutlich ruppigerem Zugriff einen beinahe aggressiven Kontrast setzt. Besonders stark ist dabei das Sounddesign: der Bass sitzt tief und breit im Fundament, die Drums klingen trocken, direkt und körperlich, während die Gitarren zwischen körniger Schwere und kaltem Nachhall changieren. Das hat Biss, aber eben auch Raum.
Richtig beeindruckend wird es, wenn die Band längere Spannungsbögen ausrollt. „ASOID“ wirkt wie ein dunkler Lavastrom, in dem sich Stoner-Groove, schwarze Schärfe und fast schon psychedelische Wiederholung ineinander verhaken. Das Stück frisst sich nicht mit Gewalt fest, sondern über Konsequenz. Genau darin zeigt sich, wie gut die Kompositionen gebaut sind: Die Riffs haben Gewicht, doch sie werden nicht sinnlos gedoppelt, sondern klug variiert, um Atmosphäre und Vorwärtsdrang in Balance zu halten. Diese Musik lebt davon, dass Hidas ihr Timing beherrschen und wissen, wann ein Motiv stehen bleiben muss – und wann es kippen darf.
Präzision statt bloßer Bleiwand
Der eigentliche Trumpf von „A Sense Of Impending Doom“ liegt aber im Arrangement. „Vakuum“ ist dafür das beste Beispiel: ein Monolith von einem Track, der seine Länge nicht als Selbstzweck versteht, sondern aus wiederkehrenden Figuren, Verdichtung und Entlastung eine fast filmische Dramaturgie entwickelt. „Cisza“ wirkt danach wie ein kurzer, unruhiger Atemzug, bevor „The Riddle“ das Album mit einer greifbareren melodischen Linie aus dem Nebel zieht. Diese Abfolge ist stark durchdacht und verhindert, dass die Platte in bloßer Gleichförmigkeit versinkt.
Auch produktionstechnisch ist das bemerkenswert sauber gelöst. Die Aufnahme klingt warm, aber nicht wattig, schwer, aber nicht dumpf. Gerade bei instrumentaler Musik ist das entscheidend, weil jeder Fehler im Klangbild sofort Leere erzeugen würde. Hier passiert das Gegenteil: Die Platte erzählt ohne Worte, weil jede Spur eine Funktion hat. Das Schlagzeug hält nicht nur den Puls, sondern setzt Akzente; der Bass trägt nicht bloß, sondern färbt; die Gitarren liefern nicht nur Riffs, sondern Struktur. Wer auf ständige Refrains oder plakative Hooks wartet, wird hier natürlich anders abgeholt. Wer sich jedoch auf Atmosphäre, Aufbau und klug gesetzte Wiederholung einlässt, bekommt ein Album, das seine Düsternis mit handwerklicher Klasse absichert.
Unser Fazit:
Hidas machen ordentlich epischen Sound mit Druck auf dem Kessel. „A Sense Of Impending Doom“ ist ein stark komponiertes, hervorragend produziertes Instrumental-Album, das Doom, Stoner und finstere Metal-Kanten zu einer erstaunlich geschlossenen Klangwelt verschweißt. Wer schwere Riffs mit Atmosphäre und Substanz sucht, liegt hier goldrichtig.

Trackliste
- Dynger
- Splint
- ASOID
- Vakuum
- Cisza
- The Riddle
Credits
Interpret: Hidas
Titel: „A Sense Of Impending Doom“
Herkunft: München, Deutschland
Format: Album
VÖ: 23. Januar 2026
Genre: Doom Metal | Stoner Metal | Instrumental Metal | Blackened Doom
Label: Tonzonen Records
Recording & Mixing: Flo Bätz
Mastering: Brad Boatright at Audio Siege, Portland
Cover Photo: Phil Hart
Artwork & Design: Kacper Gilka Art


