GRUZJA – „I Iść Dalej“

GRUZJA – „I Iść Dalej“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔21.Mai 2019
GRUZJA – „I Iść Dalej“

GRUZJA – „I Iść Dalej“

Label: Godz ov War Productions

Laufzeit: 28:43 min

VÖ: 27.02.2019

Genre: abgrundtief bösartiger Black Metal – großartig und wunderschön!

GRUZJA sind eine Band aus dem dunklen Nichts. Sie kommen wohl aus Polen (oder vielleicht doch aus Georgien?), aber wer sie sind, was sie antreibt, woher sie kommen, wohin sie gehen, wir wissen es nicht. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal, wenn aus dem dunklen Nichts ein solch alles überstrahlendes Debüt kommt. „I Iść Dalej“ ist nichts weniger als ein Meisterwerk der abgrundtiefen Menschenverachtung, Bösartigkeit und Bosheit – und dabei in seiner Musikalität entwaffnend schön und einzigartig.

Die Riffs sind düster, sägend, manisch, mal rasend schnell, mal massiv und schwer, dabei jederzeit simpel und nachvollziehbar. Scheinbar immer und immer wieder aufeinander geschichtet, ergibt sich eine massive Masse aus Undurchdringlichkeit, Schwärze und schleifender Brutalität. Schlagzeug und Bass legen darunter einen bluttriefenden und schmutzstarrenden Leib, der im Tode zuckt, sich windet, aufbäumt – und stirbt. Vor allem das Schlagzeug glänzt mit einer herausragenden Beckenarbeit an Crash und Ride und neben einem rasend vorwärts stürmenden Krawallieren mit stoischen, unbeirrbaren Grooves, die einen packen, kraftvoll, unbarmherzig und ohne jedes Mitleid. Das sorgt in seiner Unnachgiebigkeit bereits allein für hypnotische Momente. Und dann kommt da dieser Gesang. Diese unsagbar böse, fiese, garstige, hässliche, entmenschte Stimme, immer wieder mäandernd zwischen heiserem Krächzen, manisch, zerrend, und einem dunklen Proklamieren, aggressiv, bollerig, brutal, stumpf, kotzend. Das ist bedrückend, angsterregend, beklemmend und unheimlich.

Zu hören gibt es einen rohen, räudigen Black Metal, der sich unfassbar dicht und intensiv über uns ergießt, sich energisch und mitleidlos in uns hinein drängt, in unsere Körper, die Haut, das Fleisch, in unsere Schädel, die Augen und Ohren, tief hinein in den Schlund, in unsere Seele. Jeder Ton, jeder Beckenschlag, jedes Zerren an den Saiten, jeder rasselnde Atemzug und jeder erbrechende Schwall aus Buchstaben und Silben ist abstoßend, hässlich und zutiefst beunruhigend. Das ergibt Lieder, die sich entfalten können, die atmen dürfen, in denen Riffs durch repetitive Klarheit („Moja Ratyzbona“), eine eigenartige Rhythmik („Manam“) oder als dissonante Fanfaren („Opuść mnie“) dämonische Präsenz entwickeln dürfen. Verstärkt wird dies durch mantraartige Gesänge, die sich gebetsartig erheben, wabernd, umschmeichelnd, kreischend, gequält. All dies gelingt dem musikalischen Organismus GRUZJA – aus wie vielen und welchen Elementen und welcher negativen Energie sich dieser auch immer selbst erschaffen haben mag – in einer zwingenden und drastischen Konsequenz, die sich aus einer radikalen musikalischen Reduktion speist, geformt aus dem Zusammenwirken all seiner Einzelteile. Hier ist kein Ton unnütz, kein Würgen, Geifern, kein Brummen, Zischen, kein Vers, kein Wort, kein Gramm Hass, Abscheu und Verderben. Und selbst der abschließende, mit düsteren Effekten angereicherte Elektrobeat des Titelstücks wirkt ebenso wie die elektronischen Effekte am Ende der meisten Songs bedrohlich und ungemütlich.

Fazit: GRUZJA ist es mit ihrem Debüt „I Iść Dalej“ gelungen, fasziniernede harte Musik zu erschaffen. Ihr abgründiger, nihilistischer Black Metal fordert, frisst Energie, verunsichert, verstört, ängstigt. Und erstrahlt gleichzeitig in einem unvergleichlich starken Licht. Das mich umschmeichelt, liebkost, küsst. Und das wird es jeden, der dafür bereit ist, der loslassen kann, der sich öffnet, der sich befreit. Das ist große Kunst, herausgeschält aus all der Unwichtigkeit, konzentriert auf den puren Kern, das reine Wesen, die eine einzige Essenz. Was die ausmacht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich sind GRUZJA Schönheit, Licht und Erfüllung. In einer ganz eigenen Welt, in ihrem eigenen Universum. Ich verneige mich tief und sage: Danke! Und ich hoffe. Auf mehr.

Liederliste:

1. Gruzini (3:28)
2. Moja Ratyzbona (4:18)
3. Opuść mnie (3:59)
4. Manam (4:50)
5. Jego głos (3:08)
6. Ilu nas było? (4:40)
7. I Iść Dalej (4:20)

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