SIX FEET UNDER, CRITICAL MESS u. a. – 02.06.2018, Röbel, Alte Heimat

SIX FEET UNDER, CRITICAL MESS u. a. – 02.06.2018, Röbel, Alte Heimat

📁 Live, Musik 🕔03.Juni 2018
SIX FEET UNDER, CRITICAL MESS u. a. – 02.06.2018, Röbel, Alte Heimat

SIX FEET UNDER, CRITICAL MESS u. a. – 02.06.2018, Röbel, Alte Heimat

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Ein Abend zwischen jungen Wilden, alten Helden und Männern ohne Nerven

Schöne Grüße hinaus in die weite Welt aus dem beschaulichen Röbel in Mecklenburg-Vorpommern. Hier, wo das Bier noch günstig, das Land weit und der Durst auf Death Metal und dieses günstige Bier noch riesig ist, beenden SIX FEET UNDER ihre The Lord Of The Underworld Tour 2018. Mit dabei waren die deutschen Newcomer CRITICAL MESS, die kroatischen Zerstörer INFERNAL TENEBRA und die beiden US-Krawallanten MOROSE VITALITY und DEAD EYES ALWAYS DREAMING. Die „Alte Heimat“ befindet sich auf einer alten Industriebrache, die Halle ist geräumig, der Vorplatz gemütlich und die Mitarbeiter*innen sind alle sehr nett und freundlich. Ich kann nur bewundern, was die Leute hier im Nirgendwo auf die Beine stellen. Chapeau!

Seht auch die Bilder in der Galerie!

SIX FEET UNDER – Die unkaputtbare Macht

Ich habe die Herren zuletzt 2015 beim Hatefest in Berlin gesehen – und ehrlich gesagt hatten sie da gegen Marduk, Vader und Hate nicht den Hauch einer Chance. Das alles wirkte kraftlos und Herr Barnes insgesamt ziemlich ausgelaugt. Und heute? Da betritt um 21.50 Uhr ein Chris Barnes die Bühne, der zwar verdammt dünn aussieht, mit seiner manifesten Ausstrahlung, seinem in sich ruhenden Charisma alle Menschen im Saal locker in den Sack steckt (mich selbstverständlich ausgenommen!), mitreißt, begeistert (mich selbstverständlich auch!). Dazu hat er neben den bekannten Herren Pitruzella am Schlagzeug und Hughell am Bass mit den beiden Gitarristen Ray Suhy und Jack Owen eine perfekte Mischung aus frischem Blut und altgedienter Erfahrung. Das hört und sieht man. Die Band ist unglaublich tight und fett, von Beginn an erhebt sich ein monströses Soundgebirge aus schweren Grooves, sägenden Riffs und pumpendem Bass, das sich auf die Schultern und Brustkörbe der Menschen in der Halle legt wie große Säcke voller schwerer, schwarzer Seelen. Herr Barnes gibt sich recht wortkarg, wirkt aber dennoch zufrieden und kann sich zwischen den Stücken immer wieder ein verstecktes Grinsen nicht verkneifen. Seine Mitstreiter haben Spaß an der Sache, beackern die Instrumente, schrauben sich die Rüben ab und fordern die Fans immer wieder energisch auf, sich ebenso in der Musik abzuarbeiten wie sie auch. Zwischen den Songs genehmigen sie sich immer wieder ein paar Kurze mit den als Techniker aushelfenden Musikern der anderen Bands. Kurzum: Die Stimmung ist von Beginn an grandios und bleibt es bis zum letzten verdammten Ton.

In 80 Minuten geht es einmal durch den Kosmos von SIX FEET UNDER, und zum Beginn gibt es zunächst Stücke im schweren Midtempo zu hören. Los geht es mit „Slaughtered as They Slept“ von der neuen Scheibe „Torment“, und es folgen Stücke wie „Silent Violence“, „Revenge Of The Zombie“ und „Feasting On The Blood Of The Insane“. Das alles ist massiv, brachial und tonnenschwer und reißt die Fans mit. Und es folgen Hits wie „Amerika The Brutal“, „My Hatred“, „Deathklaat“, „Still Alive“ und „Beneath a Black Sky“. Und dann das Ende. Da drehen die Massen durch, total, komplett, Bier, Wahnsinn, Blut, Geschrei, Gewalt: Denn da holt Herr Barnes die Vergangenheit ins Heute, da gibt es CANNIBAL CORPSE: „Stripped, Raped and Strangled“, „Hammer Smashed Face“ – und nach „Born in a Casket“ kommt dann nur noch Jubel und die einsame Nacht.

Fazit: In der Form sind SIX FEET UNDER eine echte Macht. Chris Barnes hat eine eingespielte Band, in der vor allem mit den beiden Gitarristen Ray Suhy und Jack Oween die Qualität nochmals deutlich gestiegen ist. Das ist eingespielt, brutal, schwer, und atmet doch jederzeit Spaß, Hingabe und gute Laune. So muss das ein! Kommt nur bald wieder, ich werde auf Euch warten und da sein!

Und dazu gab es noch zu sehen:

CRITICAL MESS – Die Aufsteiger

Die hannoverschen Newcomer haben mit ihrem fulminanten Debüt „Human Praey“ die Messlatte im brutalen Death Metal für dieses Jahr verdammt hoch gehängt. Und sie beweisen in Röbel eindrucksvoll, dass die Stücke auch live funktionieren. Die vier Herren und Frontkrawallantin Britta Görtz sind sofort präsent, musikalisch wie körperlich, und nutzen jeden Zentimeter der Bühne, um ordentlich Radau zu machen. Britta holt aus ihrer Kehle alles raus, sie growlt, grunzt, schreit und röchelt, dass es eine wahre Freude ist. Zudem wirkt sie genauso wie ihre Jungs voll motiviert und hochkonzentriert. Zudem genießt sie es offensichtlich, dass die Leute schon nach wenigen Minuten die Lieder ordentlich abfeiern und auch zwischen den Stücken reichlich Alarm machen – nicht zuletzt, nachdem sie im zweiten Song von der Bühne ins Publikum sprintet und einige Leute so freundlich wie energisch näher an die Bühne lotst. CRITICAL MESS agieren verdammt professionell – und wirken dabei doch unglaublich erfrischend authentisch, ungeschminkt, geradlinig und zugänglich. Die Stücke sind live wie auf Platte schwere Brocken aus sägenden Riffs und abwechslungsreichem Schlagzeugspiel zwischen zackigen Blastbeats und schwer drückenden Grooves, vor allem aber wirken sie trotz aller Brutalität und Komplexität immer fokussiert und kompakt. Das Konzert endet mit dem Riff-Monster „Into Oblivion“ und lautem Jubel der zahlreichen Leute. Wenn die Band weiter so auftritt und das nötige Durchhaltevermögen an den Tag legt, dann werden sie ohne Zweifel weiter nach oben klettern auf der Death Metal Skala. An Leidenschaft, Energie, Inspiration und Enthusiasmus mangelt es jedenfalls nicht. Ich drücke Euch jedenfalls ganz fest die Daumen!

 

INFERNA TENEBRA – Die Melodischen

Auch die mir vorher unbekannten INFERNAL TENEBRA wissen zu überzeugen. Die kroatischen Herren spielen Melodic Death Metal, den sie in zumeist recht lange Stücke gegossen haben. Die Songs leben vom abwechslungsreichen und versierten Gitarrenspiel, so dass sich vor allem die beiden Gitarristen in melodischen Leads und die Stücke enorm aufwertenden langen Soli auszeichnen können. Vor allem die beiden Songs „As Nations Fall“ und „The Seventh Seal“ stechen in ihrer Komplexität und ihrer Mischung aus hoher Virtuosität und gnadenloser Härte heraus. Den Leuten gefällt es augenscheinlich auch, denn es gibt viel Applaus und lauten Jubel, den die Herren sehr genießen.

 

MOROSE VITALITY – Die Brutalen

Die aus Raleigh, NC, stammenden MOROSE VITALITY spielen einen schnellen und brutalen Death Metal, der vor allem mit der Stimme von Sänger und Bassist Dave Swan punkten kann. Die Herren machen gehörig Alarm und können so die Halle langsam füllen. Nach dem letzten Song gibt es verdient lauten Applaus und Herr Swan muss viele Hände schütteln.

 

DEAD EYES ALWAYS DREAMING – Die Wahnsinnigen

Die aus Battle Creek, MI, stammende Band nennt ihre Musik Hatecore. Ja, das kann man so nennen. Ich nenne das allerdings in-Noten-verpackten-Wahnsinn. Und das meine ich absolut positiv. Was da an brutalen, sperrigen, wütenden, zwischen ultrafiesen Blasts und tiefsten Zeitlupenriffs wechselnden Soundbatzen und Songfetzen auf uns herniederprasselt, das ist schon sehr verstörend, packend, anders. Der Sänger Alexander „Sasha“ Hunter, der abseits der Bühne eher wie ein schüchterner junger Mann wirkt und im Gespräch äußerst freundlich und ruhig agiert, wird auf der Bühne zum besessenen Derwisch, zum spuckenden, gurgelnden, gehetzten Tier. Ich kann nicht anders – ich freue mich und lächle. Wunderbar.

 

 

 

 

 

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