Allgemein Reviews Tipp der Redaktion

Die Infizierten (AT) Fear And Loathing (Live In Budapest) (Kostenloser Konzertfilm)

Seit einigen Jahren arbeiten sich Die Infizierten aus Wien mit einer kompromisslosen Mischung aus Punkrock, Deutschpunk, Hardcorepunk und metallischer

Die Infizierten (AT) Fear And Loathing (Live In Budapest) (Kostenloser Konzertfilm)

Seit einigen Jahren arbeiten sich Die Infizierten aus Wien mit einer kompromisslosen Mischung aus Punkrock, Deutschpunk, Hardcorepunk und metallischer Härte durch den Untergrund. Unter dem Begriff Aggropunk hat die Band ein Profil entwickelt, das auf Druck, Direktheit und klare Haltung setzt, ohne sich in bloßer Pose zu verlieren. Mit „Fear And Loathing (Live In Budapest)” dokumentieren Die Infizierten nun genau jene Qualitäten, die ihre Musik live besonders wirksam machen. Der Konzertfilm, aufgenommen im S8 Underground Club in Budapest, fängt die Band in einer Form ein, in der ihre Songs noch unmittelbarer, noch bissiger und noch druckvoller wirken als auf Studioveröffentlichungen wie „Bankrotter Punkrocker“. Statt polierter Oberfläche gibt es hier Schweiß, Reibung und eine Performance, die ihre Wirkung aus echter Präsenz bezieht. Präsentiert wird Fear And Loathing (Live In Budapest) auch von Martin „Otte“ Örtels Blattturbo.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Schaut hier das volle Konzert

Kein Live-Dekor, sondern kontrollierte Verwüstung

Mit Pinhead, DOC, N01Z und BANDIT – der die Band inzwischen verlassen hat – stand in Budapest ein Line-up auf der Bühne, das nicht einfach Songs herunterspielt, sondern sie mit echter Reibung, Druck und Kollektivschärfe neu auflädt. Die Infizierten klingen live nicht wie eine Kopie ihrer Studioaufnahmen, sondern wie deren gefährlicheres Gegenstück. Die Gitarren schneiden sich mit metallischer Härte durch das Set, der Bass walzt sich mit Nachdruck durch die Arrangements, und Pinheads Gesang liegt über allem wie ein rostiger Haken im Fleisch. Gerade Stücke wie „Heuchler“, „Judas“ oder „Punkpolizist“ profitieren von dieser unmittelbaren Live-Spannung enorm. Hier greifen Dynamik, Tempo und Aggression präzise ineinander, ohne dass die rohe Energie je domestiziert würde. Das Ergebnis ist eine Performance, die nicht chaotisch wirkt, sondern entschlossen und geschlossen zuschlägt.

Die Infizierten 2026 (v.l.n.r.)
N0IZ – Schlagzeug und Hintergrundgesang
Pinhead – Hauptgesang und Bass
DOC – Gitarre und Hintergrundgesang

Zwischen Szenehass, Straßenwut und klarer Haltung

Auch inhaltlich halten Die Infizierten weiter auf Konfrontationskurs. Kommerzgier, Mitläufertum, falsche Rebellion, gesellschaftliche Abstumpfung und verlogene Komfortzonen werden nicht nur benannt, sondern mit Anlauf zerlegt. Entscheidend dabei ist, dass die Band ihre Themen nicht in leere Posen kippt. Die Songs bleiben kompakt, zwingend und auf Wirkung gebaut. „Die Infizierten“ entwickelt live eine zusätzliche Schärfe, „Ekelhaft“ tritt wie ein stumpfer Stahlkappenschuh in die Magengrube, und „Bankrotter Punkrocker“ vereint Selbstironie, Milieukritik und Abgesang auf szeneinterne Verlogenheit mit bemerkenswerter Treffsicherheit. Diese Band will nicht gefallen. Sie will treffen. Genau deshalb funktioniert dieser Mitschnitt nicht nur musikalisch, sondern auch als inhaltliches Statement mit Haltung, Biss und Konsequenz.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Schaut hier die Lyric-Videos zur kompletten EP „Bankrotter Punkrocker“ von Die Infizierten

Roh belassen, aber mit klarem Produktionswillen

„Fear And Loathing (Live In Budapest)” lebt auch davon, dass dieser Konzertfilm seine Kanten nicht versteckt. Der Sound bleibt rau, atmet Clubluft und trägt sichtbar die Spuren eines echten Live-Abends. Genau das macht ihn glaubwürdig. Die Gitarren haben Dreck unter den Nägeln, die Drums marschieren druckvoll nach vorn, und selbst dort, wo nichts klinisch glattgezogen wurde, bleibt das Material jederzeit tragfähig. Die Stärke liegt darin, dass die Songs trotz aller Rohheit nicht auseinanderfallen. Die Kompositionen behalten Kontur, die Refrains setzen sich durch, und die Setlist ist so gebaut, dass Härte, Tempo und kurze Luftlöcher ein funktionierendes Spannungsgerüst bilden. Auch die visuelle Umsetzung erfüllt ihren Zweck ohne Effekthascherei: Péter Drapkó hält das Geschehen dicht und direkt, ohne die Atmosphäre des Clubs zu zerstören. Die Nachbearbeitung durch Philipp Gottfried sorgt zusätzlich dafür, dass das Ergebnis nicht wie ein Zufallsfund wirkt, sondern wie ein bewusst geformtes Release mit Charakter.

Ein Live-Release als Ansage

Am Ende funktioniert dieser Konzertfilm vor allem deshalb so gut, weil er als Belegstück taugt. Die Infizierten behaupten ihre Live-Qualitäten nicht – sie demonstrieren sie. Songs wie „Nichts Ist Wie Es Scheint“, „No More“, „Geiz Ist Geil“ oder „Schachmatt“ leben hier nicht nur von Text und Attitüde, sondern von Zusammenspiel, Druckaufbau und echter Bühnenpräsenz. Das ist ein entscheidender Unterschied. Denn rohe Energie allein macht noch keine starke Band. Erst wenn sie gebündelt, kontrolliert und mit Substanz in Szene gesetzt wird, entsteht ein Auftritt, der über bloßen Lärm hinausgeht. Genau das gelingt Die Infizierten auf „Fear And Loathing (Live In Budapest)”. Dieser Mitschnitt ist kein beiläufiger Fanservice, sondern ein klares, lautes und glaubwürdiges Argument für eine Band, die sich ihren Platz zwischen Deutschpunk, Hardcore und Metallkante mit Nachdruck erspielt hat.

Unsere Wertung:

7, 5 von 10 Punkten! – Punk as F*ck

Unser Fazit:

Die Infizierten liefern mit „Fear And Loathing (Live In Budapest)” keinen geschniegelt glattgezogenen Konzertfilm, sondern ein druckvolles, aggressives und glaubwürdiges Live-Release mit Substanz. Der Mitschnitt bündelt die Härte, die Haltung und die direkte Schlagkraft dieser Band in einer Form, die gleichermaßen nach Straße, Club und kontrollierter Eskalation klingt. Wer wissen will, wie Aggropunk mit Metallkante in seiner überzeugendsten Form funktioniert, bekommt hier eine klare Antwort.

Facebook

Instagram

Spotify