BLUT & SCHWEIß – SICK OF IT ALL / Die Geschichte der Koller Brüder

BLUT & SCHWEIß – SICK OF IT ALL / Die Geschichte der Koller Brüder

📁 Allgemein, Buch, Reviews 🕔24.März 2021
BLUT & SCHWEIß – SICK OF IT ALL / Die Geschichte der Koller Brüder

Während Roger Miret mit seiner Band AGNOSTIC FRONT eher als Mitbegründer des NYHC gilt, so sind die Brüder Lou und Pete Koller mit ihrer Band SICK OF IT ALL mindestens als fruchtbarste Vertreter dieses wütenden Mix aus Härte, Geschwindigkeit, Dreck und Punk zu verstehen und auch respektvoll so zu behandeln. Was auch die Vorgeschichte beider Bands unterscheidet, ist das familiäre und soziale Milieu hinter den Akteuren; die Koller Brüder wurden nicht mit goldenen Löffeln im Mund geboren, mussten aber auch nicht soviel Scheißdreck durchmachen, wie zum Beispiel die eingangs erwähnten AGNOSTIC FRONT. „BLUT & SCHWEIß“ / SICK OF IT ALL – Die Geschichte der Koller Brüder“ aus dem Iron Pages Books Verlag erzählt unterhaltend mit Hilfe von Lou und Pete Koller selbst, sowie dem Autor Howie Abrams den Weg der Band, spricht über Erfolge, Niederlagen, gibt Anekdoten preis und lässt auch ein wenig Selbstreflektion der Hauptakteure zu. Dazu gesellen sich Kommentare und Statements diverser Musikerkollegen (z.B.: Gary Holt (Exodus/ Slayer, Kurt Brecht /D.R.I., Igor Cavalera / Sepultura & Cavalera Conspiracy, Barney Greenway / Napalm Death, u.m.), Familienmitglieder und weiteren (mehr und weniger wichtigeren) Begleitern der Band, die alle etwas zum Thema Lou und Pete Koller zu sagen haben. Erzählen tun die beiden in einer sehr interessanten Form; man stellt sich beim Lesen tatsächlich vor, dass alle Involvierten an einem Stuhlkreis teilnehmen, und einen zum Besten geben. Als würden sich die Beteiligten selbst interviewen, und das macht einfach nur mehr Spaß zu verfolgen, als Bios, die mit den Worten „Geboren wurde ich…“ beginnen und mehr oder weniger in einem erzählenden Monolog bis Tod verlaufen. Das Buch liest sich dadurch aus meiner Weise irgendwie flüssiger und unterhaltsamer. Es werden in den einzelnen Kapiteln auch Zeitsprünge unternommen, doch findet man schnell wieder zurück in die Gegenwart.

Louis Pierre (Lou) und Pierre Michel (Pete) räumen dabei mit der eigenen Vergangenheit auf, können einige Unklarheiten klären und beseitigen und geben natürlich auch einen Einblick ins Tour- und Bandleben, ohne irgendwelche Fettnäpfchen, Triumphe und Niederlagen auszulassen. Auch bekommt man beim Lesen einen kleinen Einblick darüber, wie es in der Szene aus der Sicht von SICK OF IT ALL aussah und ablief, was sich letztendlich nicht viel von Roger Miret´s Geschichte über AGNOSTIC FRONT abhebt. Was aber auch nochmal die Glaubhaftigkeit beider Bands bestärkt, denn sie werden nicht zusammengesessen, und sich gegenseitig die Bios abgesprochen haben. Leicht aufgelockert wird durch die Strichmännchenzeichnungen des Autors, Abbildungen diverser Flyer & Plakate sowie Fotos.

Fazit: Eine kurzweilige, unterhaltsame und sehr informative Biografie, die nach 35 Jahren Bandbestehen auch an der Zeit war, haben SICK OF IT ALL in ihrer Karriere doch allerhand erlebt. Die Liebe zum Heavy Metal, positive und auch negative Erlebnisse, sowie auch äußerst ärgerliche und höchsterfreuliche Momente werden beleuchtet und aufgeklärt. Auch Marc Nickel (M.A.D. Tourbooking) hat einiges zum Leben der Band zu berichten, hat er sie doch als erster nach Europa geholt, wo SICK OF IT ALL überall geliebt und gefeiert werden. Abgerundet wird das Ganze noch mit einigen Listen von der Band zu den Themen, Lieblingsmusiker, Lieblingsalben, sowie einer kleinen feinen Liste namens „Die schlimmsten Flughäfen der Welt (in keiner Reihenfolge – sie sind alle auf ihre Weise beschissen!)“.

Mein Minuspunkt gilt einzig und allein dem selten bekloppt und überflüssig übersetzten Titel des Buches. Die Biografie wurde grundsätzlich anlehnend an das Debütalbum „Blood & Sweat“ getauft. Das kann ich doch beim besten Willen nicht mit Blut und Schweiß übersetzen!!! Oder hat sich jemand tatsächlich die Mühe gemacht und seine Albumcover neu gestrichen, um sie übersetzt ins Regal zu stellen? Mal ganz davon abgesehen, dass Blut und Schweiß eher nach einem ganz anderen Genre riecht… Die Übersetzung im Buch ist soweit sehr flüssig gelungen, doch könnte man an der einen und anderen Stelle vielleicht nicht ganz so steif / wortgleich schreiben, und mehr logische, inhaltliche, wortnahe Übersetzungsmöglichkeiten nutzen.

Die Geschichte von SICK OF IT ALL ist anders spannend als die, vieler anderer NYHC Bands, aber nicht weniger lesens-, lebens-, und liebenswert, sowie authentisch. Howie Abrams, Lou & Pete Koller ist es auch gelungen, die eigene Geschichte UND die Geschichte des NYHC lebhaft wiederzugeben, ohne dabei irgendwelchen Glorifizierungen oder der Selbstverliebtheit verfallen zu müssen. Sehr gut angelegte 20 Euro!

BLUT & SCHWEIß

Sick Of It All – Die Geschichte der Koller Brüder

Herausgeber: I.P. (Iron Pages Books) / 26. Februar 2021
Sprache: Deutsch
Erscheinungsform: Taschenbuch, 272 Seiten, über 80 Fotos & Zeichnungen
ISBN 978-39408221477
Preis: 19,99 €

 

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