BETONTOD – Interview mit Maik Feldmann (22.02.2019)

BETONTOD – Interview mit Maik Feldmann (22.02.2019)

📁 Allgemein, Interviews, Tipp der Redaktion 🕔28.Februar 2019
BETONTOD – Interview mit Maik Feldmann (22.02.2019)

 

BETONTOD – Interview mit Maik Feldmann (22.02.2019)

Im Rahmen des zweiten Teils ihrer VAMOS Tour 2019 hatte ich am 22.02.2019 im Mau in Rostock die erfreuliche Gelegenheit, mit Schlagzeuger Maik Feldmann ausführlich zu sprechen (Seht und lest dazu auch die Galerie und die Konzertkritik!). Anlass war neben der Tour auch ihre am 31.08.2018 veröffentlichte neue Scheibe „Vamos“. Damit haben BETONTOD erneut ein ebenso fröhliches wie nachdenkliches Ausrufezeichen im weiten Feld zwischen Punkrock und Metal gesetzt. Herr Feldmann zeigte sich als echter Gentleman, sympathischer und jederzeit bodenständiger, interessierter und reflektierter Zeitgenosse. Für mich als Schlagzeuger war es zudem ein besondere Freude, mit Maik ein bisschen über dieses Thema zu plaudern. Im Gespräch äußert er sich ebenso offen wie tiefgründig. Aber lest am besten selbst:

Hallo Maik. Zunächst vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview nimmst. Heutet hattet Ihr den vierten Termin Eurer VAMOS Tour 2019. Wie fühlt es sich an, wie geht es Dir, wie geht es Euch damit, wieder auf der Straße unterwegs zu sein? Bist Du denn schon wieder richtig im Tourmodus angekommen – oder dauert das noch ein bisschen?

Doch, wir sind im Tourmodus, weil die erste Rutsche der Tour ja noch gar nicht so lange her ist. Wir hatten ja nur zwei Monate Pause dazwischen, da war ja dann Weihnachten und Jahreswechsel, da kommt man dann natürlich auch ein bisschen runter. Aber eigentlich sind wir voll im Tourmodus. Es ist ja im Grunde nur die Fortsetzung der Tour, es ist ja kein komplett neues Thema, keine neue Platte, keine komplett neue Produktion, wo man sich dann immer so ein bisschen einfinden muss. Wir sind ja vertraut mit dem Ganzen, weil es eben eine Fortsetzung der ersten Tour ist, deshalb sind wir auch alle gut drin.

Gibt es Lieder, die Du live besonders gerne spielst? Weil Sie Dir selbst gut gefallen, weil Du besondere Dinge damit verbindest, oder weil sie die Fans lieben?

Hm, da kommen ja mehrere Komponenten zusammen. Einmal gibt es ja bestimmte Songs, auf die du dich freust, weil du weißt, dass das Publikum da besonders mitgeht, weil du einfach schon vorhersehen kannst, dass da dann die Post abgeht. Aber für mich als Schlagzeuger gibt es natürlich auch Songs, die ich besonders gern spiele. Weil die mir halt liegen, weil der Groove gut ist, ein gutes Timing, alles solche Dinge, die da halt zusammenkommen. Ja, es gibt so ein paar Songs. Soll ich ein paar Namen nennen? „Küss mich“ spiele ich sehr gerne, sehr sehr gerne sogar. „Flügel aus Stahl“, das ist ja ein bisschen härter. Solche Sachen eben. Ja, das sind so meine favourites. Und das sind jetzt, auf mein Schlagzeugspiel bezogen, wo ich weiß, dass da die Bude bebt, „Traum von Freiheit“ und solche Sachen.

Was machst Du, was macht Ihr, wenn Ihr nicht auf Tour seid? Wie viel ist dann Musik, wie viel ist dann Business, und wie viel ist dann Familie, Freunde und Freizeit?

Ich spreche jetzt mal für alle. Wir versuchen natürlich alle, das ganze Gesamte unter einen Hut zu bekommen. Also klar, wenn Du jetzt auf Tour bist, da hast Du nicht viel Zeit für andere Sachen. Da ist man von zu Hause weg, Frau, Freundin, Kinder, wir haben auch alle Kinder, aber die sind natürlich alle zu Hause dann. Aber es ist ja jetzt auch nicht so, dass wir irgendwie 200 Tage unterwegs sind, bei uns ist es ja eigentlich noch mehr oder weniger überschaubar. Wenn ich zu Hause bin, spiele ich tatsächlich auch viel Schlagzeug, weil ich Unterricht gebe an der Musikschule. Und den Rest meiner Zeit widme ich meinem Kind und meiner Freundin, die üblichen Dinge, die jeder andere auch tun würde.

Auch wenn Du Familie hast, ich frage trotzdem: Gibt es denn auch für Dich dieses emotionale Loch, in das viele Musiker fallen, wenn sie von der Tour kommen, also voll auf dem Olymp auf der Tour, geistig und körperlich immer voll am Anschlag, und dann zu Hause erst mal wieder Alltag. Merkst Du das, gibt es das für Dich?

Ich sage es mal so: Es ist bei mir persönlich jetzt nicht so extrem, aber ich kann es nachvollziehen. Ich glaube, wenn du dich auf einem bestimmten Level bewegst, wenn Du ein Einzelkünstler bist, ich glaube, dann ist es wirklich krasser. Wir fungieren ja als gesamte Band. Aber wenn der Fokus wirklich zu 100 Prozent nur auf dich allein gerichtet ist, wenn das schon gewisse Ausmaße hat, wenn du da zig Tausend Leute vor Dir stehen hast – dann kann ich mir schon echt vorstellen, dass man in so ein Musikerloch reinfällt, wenn man nach Hause kommt. Ich kenne das ansatzweise, vielleicht ein bisschen. Aber bei mir, bei uns gibt es genügend Dinge, die zu tun sind, und da hat man auch gar nicht die Zeit, um auf dumme Gedanken zu kommen.

Gehst Du in Deiner Freizeit noch selbst auf Konzerte?

Ja. Definitiv. Ich war in letzter Zeit sogar recht häufig auf Konzerten.

Und dann, eher Metal, eher Punk, eher querbeet?

Alles quer gemischt. Wo war ich denn zuletzt? Ich war bei The Neighbourhood in Köln. Ich war in letzter Zeit sehr viel in Köln auf Konzerten, gut, wir kommen ja aus der Nähe. The Neighbourhood, das ist Alternative Rock, Hip Hop, alles gemischt, eher smooth. Bei Don Broco war ich auch, eine Band aus UK. Ja, ich gehe viel auf Konzerte, ich bin ja auch selbst Fan.

„Vamos“ ist jetzt fast genau ein halbes Jahr draußen, das ist im Musikbusiness fast schon uralt. Und für Euch ist die Musik ja noch viel älter, über ein Jahr, wahrscheinlich eineinhalb, zwei Jahre. Wie fühlst Du Dich, wie fühlt Ihr Euch derzeit mit der Scheibe. Hat sich da bei Dir etwas verändert? Siehst Du technisch etwas anders, gibt es emotionale Veränderungen?

Ich glaube, wir haben mit der Platte etwas fortgeführt. Es ist Betontod-like. Also Leute, die Betontod mögen oder lieben, die sind mit der Platte auch warm geworden, schätze ich. Verändert hat sich eigentlich gar nichts großartig. Und es ist ja immer so, wenn du eine Platte raushaust, ist das für uns als Band immer dasselbe Schema. Du haust eine Platte raus, danach gehst du auf Tour. Je nachdem, wann du die raushaust, kommen die Festivals dazwischen, und danach gehst du nochmal auf Tour. Du spielst natürlich die Konzerte, die hängen ja mit dem Album zusammen, das ist ja der Aufhänger, warum du auf Tour gehst, das ist ja bei jeder Band so. Aber bei uns ist es eigentlich vom Kopf her immer so: Wenn du die Platte veröffentlichst, am Tag, an dem sie rauskommt, da schließt man eigentlich irgendwie damit schon ab. Man ist in dem Thema mit mehr als 110 Prozent während der Aufnahmen und während des Songwritings. Und wir sind ja immer recht fleißig, da braucht man sich ja auch nur die Veröffentlichungen in den letzten Jahren anschauen, wie viele Platten wir veröffentlicht haben. Wir sind ja immer recht fix am Zug. Und wir schreiben jetzt schon wieder. Man schreibt ja immer, eigentlich die ganze Zeit, wir zumindest. Und wie du gerade schon gesagt hast, eine halbe Ewigkeit ist das dann schon, obwohl die Platte erst ein halbes Jahr draußen ist.

Was beherrscht Euch im Moment dann mehr: das Momentum von „Vamos“, das genießen, oder seid ihr längst schon auf dem Weg, nach vorne, Gedanken, Arbeit, im Kopf…

Fifty – fifty. Weil: Wir sind ja gerade auf Tour. Und Tour heißt ja genießen. Du spielst abends, die Leute kommen ja aufgrund der Platte, die ist ja wie gesagt der Aufhänger, warum wir unterwegs sind. Und das ist natürlich dann genießen. Klar. Aber, und da mache ich auch kein Geheimnis draus, natürlich beschäftigt man sich dann schon mit weiteren Plänen. Also, es ist jetzt nicht so, dass wir die Tour zu Ende spielen und dann passiert erstmal gar nichts. Es passiert ja hinterm Vorhang total viel. Jetzt kommt dann auch erstmal ein Festivalsommer und dann haben wir noch zwei, drei kleine andere Sachen geplant für dieses Jahr. Aber klar, wir machen uns da schon Gedanken und schreiben und treffen uns hier und da. Wir haben jetzt nicht im Kopf, dann und dann muss die nächste Platte kommen, aber: Wir schreiben. Und irgendwann wird man ja ein konkreteres Gefühl bekommen, das da was Gutes zustande kommt. Und dann nimmt das Ganze ja immer Formen an. Und dann fängt man an, sich irgendwelche Termine zu setzen, und so geht es weiter. Jetzt ist es erstmal locker, aber klar, wir beschäftigen uns immer mit neuen Sachen.

Ich selbst finde „Vamos“ so gut, weil ich diese stilistische Bandbreite so mag. Und die finde ich bei dieser Scheibe extrem. Auf der einen Seite „Nie mehr Alkohol“, für mich, und das meine ich jetzt nicht despektierlich, ist das ein Mallorca-Hit, und auf der anderen Seite mit „Stück für Stück“ ein brachialer, düsterer Brecher. Wie gelingt Euch diese kompositorische Bandbreite, wie kriegt Ihr das hin?

Also, die ist ja jetzt nicht nur auf dieser Platte zu finden. Das ist ja wie so ein roter Faden, der sich durch die Alben zieht. Die Band hatte ja schon 2006, bei „Schwarzes Blut“, so leichte Iron Maiden Anleihen in der Gitarrenarbeit. Dann bin ich irgendwann eingestiegen, und meine Wurzeln liegen halt im Metal. Die Jungs fahren da auch drauf ab, und dann bringt man halt seine Einflüsse da mit ein. Ja, und wie du so sagst, bei uns gibt es alles, von der 6/8 Ballade bis zum absoluten Brett. Wir legen uns da nicht auf einen bestimmten Sound fest, weil wir auch gerne alle unterschiedliche Musikrichtungen hören. Wir haben da Spaß dran. Ich finde es gut, wenn da auch ein bisschen Abwechslung auf dem Album ist und nicht alle Songs in so einem 08/15 Schema durchgaloppieren, wie man sie sonst bei der Band kennt oder vermutet. Ich finde es gut, wenn man immer ein bisschen für Überraschungen gut ist, aber trotzdem seine Trademarks behält.

Nächstes Jahr habt Ihr 30 Jahre voll. Ich finde, das ist echt eine unglaublche Zeit für eine Band. Das ist eine Generation. Das sind Konzerte, das sind Reisen, Begegnungen mit fröhlichen und glücklichen Menschen, Erlebnisse, Erinnerungen. Davor steht aber immer die Musik, die Produktivität. Und wenn ich mir Euer Werk anschaue, dann sind das 10 Alben, und dazu noch Compilations, Livealben, Samplerbeiträge, dann ist dann ja viel mehr. Seid Ihr Euch dessen bewusst, seid Ihr Euch dieser Wirkung bewusst, welche Reichweite Ihr mit Eurer Musik in diesen Jahren geschaffen habt, was das an Qualität und auch an Quantität heißt, wenn man so viel rauswirft über solche Jahre? Reflektierst Du das auch mal?

Ja. Eigentlich schon. Aber auch nur in so einem ruhigen Moment. Das ist bei den anderen Jungs aber natürlich noch viel extremer. Wie gesagt, ich bin ja so ein bisschen der Jüngling und seit 2010 dabei. Das sind 9 Jahre, die anderen Jungs machen es ja seit 29 Jahren. Bei denen ist das natürlich noch ein bisschen extremer, die kennen sich ja irgendwie alle seit der Grundschule. Das ist ja eine Bandstory, da könnte man schon einen Film drüber drehen. Aber klar, man weiß natürlich, dass man viel rumgekommen ist und seine Musik weit verbreitet hat im Laufe der Jahre. Aber das ist auch eine Genugtuung, weil über die Jahre ja alles viel Arbeit gewesen ist, ja, und so ein bisschen diese Klischees eben: sehr viel Schweiß, Blut und Tränen. Aber das ist ja wirklich so, wenn du so lange herum werkelst und so viel Output hast über die Jahre hinweg. Mir wird das manchmal dann wieder erst bewusst, besonders im Bekanntenkreis. Ich finde es ganz witzig, wenn man neue Leute trifft oder sich manchmal mit Leuten unterhält und die gar nicht wissen, in welcher Band man spielt. Und wenn man dann irgendwie auf das Thema Musik kommt, dann kommt sowas wie: „Wie, Du spielst in der Band, das kann ich jetzt gar nicht glauben, überhaupt nicht, zeig mal Deinen Ausweis, den muss ich mal abgleichen!“ Und das kommt öfter vor. Da muss ich immer schmunzeln. Und das sind diese Kleinigkeiten, wo ich dann merke, wie krass es ist, wie viele Leute diese Band eigentlich kennen, im Land, in jeder Stadt, groß, klein. das ist schon irre manchmal. Aber das wissen wir auch sehr zu schätzen.

Was mir bei Euch auffällt, wenn man sich durch das Internet wühlt: Ich finde, es gibt relativ wenig Vergleiche zu diesen üblichen Verdächtigen, Tote Hosen, Böse Onkelz, Rammstein. Bei vielen anderen deutschen Rockbands oder Punkbands tauchen die als Referenzen immer auf. Bei Euch ist das, das finde ich jedenfalls, eher wenig. Ihr habt da anscheinend eine gewisse Einzigartigkeit. Seht Ihr das auch so? Habt Ihr auch das Gefühl, dass Ihr wenig in diese Schubladen geschmissen werdet?

Jein. Ich finde, man liest doch öfter Vergleiche, gerade auch online bei diversen Reviews, und wenn es am Ende der Klischeesatz ist: „Für alle Freunde der Toten Hosen und der Bösen Onkelz.“ Das lese ich schon häufiger. Und man vergleicht ja auch Bands. Aber vielleicht ist es genau das: dass wir in unseren Songs so viel mixen, von Metal zu Punk über popartige Melodien, was es ausmacht. Ich weiß aber nicht, wie Du das gesagt hast, ob einzigartig übertrieben ist, aber vielleicht stechen wir schon ein bisschen heraus aus diesem ganzen Kosmos aus Bands. An vielen guten Bands, auch an vielen schlechten Bands (Wir beide lachen.).

Ich habe noch Fragen zu Dir als Schlagzeuger: Spielst Du viel? Also übst Du auch zu Hause viel?

Ja. Ich spiele viel.

Allein?

Ja. Wie gesagt, ich gebe auch noch Unterricht an der Musikschule zwei Tage die Woche. Aber ich nehme auch immer noch selbst Unterricht, nach 16, 17 jahren, immer noch.

Und dann bestimmte Techniken, Doublebass, oder andere Sachen?

Ich habe früher viel Metal gespielt, das ist mittlerweile weniger. Jetzt beschäftige ich mich viel mit anderen Sachen. Ich bin so jemand, ich gucke, dass ich überall so ein bisschen grabe. Gerade beschäftige ich mich viel mit lateinamerikanischen Sachen, afro cuban, Bossa Nova, Cha-Cha-Cha. Aber auch ein bisschen Jazz, ich versuche, alles ein bisschen mitzunehmen. Aber ich bin schon Rockschlagzeuger. Und fünf bis sechs mal die Woche spiele ich auf jeden Fall.

Bist Du ein Technikfreak? Bist Du immer auf der Suche nach dem nächsten neuen Becken, nach der nächsten neuen Fußmaschine…

(Maik hakt ein.) Nein. Ich habe mein Zeug, und da vertraue ich auch drauf. Ich bin natürlich viel im Austausch mit meinem Drumtech, der ist ein Freak in diesen Sachen. Und klar, ich bin auch im Austausch mit den Firmen, mit denen ich zusammenarbeite. Aber ich bin jetzt keiner, der, wenn er sieht, dass eine neue Serie an Becken herauskommt, sofort zur Fabrik zu Paiste fahren und alles testen muss. Ich habe meine Sachen, und damit bin ich glücklich. Klar, auf einer Messe probiere ich Sachen aus, ja. Aber wie gesagt, ich bin keiner, der jetzt jede Fußmaschine ausprobieren muss. Aber falls es Dich interessiert, meine Fußmaschine spiele ich jetzt seit 13 oder 14 Jahren, eine Pearl Eliminator. Da wurde nur mal eine Trittplatte ausgewechselt. Marko, der Drumtech bei uns ist, der hegt und pflegt das Ding. Ich möchte nichts neues haben, keine Leichtfußmaschinen für 1.000 Euro, ich bin mit meinem Teil total glücklich.

Und Du musst ja auch zufrieden sein. Denn wenn du dir ganz viele neue Sachen holst, birgt das immer die Gefahr, ein bisschen unsicher zu werden, weil du hin und her springst zwischen neu und alt, und dann denkst, was soll ich jetzt machen? Und wenn ich da manche Trommler sehe, die 12 Becken haben, und alles unterschiedliche Serien, das muss dann jeder selbst wissen. Für mich ist das nichts. Ich bin ja auch von meinem Schlagzeugspiel eher so der dienliche Bandtrommler – und keiner, der vier verschiedene Chinabecken haben muss.

Wo siehst Du Dich, wo seht Ihr Euch als Band in 10 Jahren? Und damit meine ich nicht nur die Musik, sondern auch die Persönlichkeit. Was hast Du für Ziele, persönlich, aber auch mit der Band?

Hm, mit der Band: Klar, die Zeit rennt natürlich, da muss man sich nichts vormachen. Es geht aber natürlich auch im fortgeschrittenen Alter, das machen ja andere Bands vor, dass man aktiv ist. Für die Band wünsche ich mir einfach, dass alle zusammen bleiben und keiner irgendwie weichen muss. Es sind ja hinterher, wenn man älter wird, nicht nur solche Gründe wie: „Ich habe keinen Bock mehr“. Da kommen ja auch gesundheitliche oder andere Sachen, die dafür sorgen könnten, dass da leider mal jemand ausscheiden muss. Ich wünsche mir einfach, dass die Gruppe so zusammen bleibt, mit allen ihren Ecken und Kanten, denn das macht die Truppe auch aus. Und dass wir noch auf der Bühne stehen und Spaß daran haben. Ich finde, Spaß ist immer ganz wichtig. Ich meine, da muss man sich nichts vormachen, wenn sich ein gewisser Erfolg einstellt nach einer Zeit, dann guckst du auch nach solchen Dingen und handelst auch teilweise so. Und da macht man auch kein Geheimnis draus: So eine Band ist dann eben auch irgendwann eine Firma, das ist dann einfach so, das ist ganz klar.

Und da geht ja nicht nur um 4 Leute, da geht es um Familie…

(Maik hakt ein.) Ja, da geht es um Beschäftigte. Wir sind mit 15 Leuten unterwegs, wir beschäftigen da 10 Leute, die die ganze Zeit mit uns unterwegs sind.

Verantwortung.

Verantwortung. Ja. Definitiv. Ganz klar. Dass das alles weiterhin so klappt, das finde ich wichtig. Und dass wir Spaß daran haben. Das ist bei uns alles schon so ein bisschen family-like: Wenn man mal überlegt, wir haben auch ein paar Leute dabei, die sind mit der Band seit 20, 25 Jahren unterwegs. Und die haben damals die Zeiten mitgemacht, wo wir in der Konzerthalle auf der Bühne mit dem Schlafsack gepennt haben. Und wenn man sich heutzutage dann hier und da einen gewissen Luxus leisten kann, dann ist das einfach geil, wenn man dann so zurück blickt. Weil wir auch wissen, wie es anders geht. Wenn du mal 800 Kilometer fährst und dann vor 3 Leuten spielst. Solche Sachen eben.

Für mich persönlich trifft dasselbe zu. Mit zunnehmendem Alter, na ja, ich bin jetzt noch nicht der alte Mann irgendwie, aber ganz wichtig ist eben Gesundheit, gesund bleiben. Denn ohne das geht eben nichts. Wenn wir nicht gesund sind, können wir nicht die Dinge tun, die wir lieben. Auch wenn es sich nach Klischee anhört: Gesund bleiben, weiter am Ball bleiben, Spaß haben.

Letzte Frage: Was ist für Dich die beste Coverversion aller Zeiten? Und weil ich unfair bin, fange ich an: Marilyn Manson mit „Sweet Dreams“.

(Maik überlegt lange.) Ich habe Buddys bei mir aus Oberhausen, die haben auch eine Band, Any Given Day heißen die Jungs, und die haben von Rihanna „Diamonds“ gecovert, ich weiß nicht, ob Du das kennst (Ich: „Ja, das kenne ich.“)? Das hat mittlerweile auch 10 Millionen Clicks, und das ist ein guter Buddy, mit dem ich auch mal in einer Band gespielt habe. Das ist jetzt nicht die beste Coverversion aller Zeiten, das ist aber so ein Ding, wo ich danach gesagt habe, das war ein Sechser im Lotto irgendwie. Das war gut umgesetzt, das war geil gemacht. Das war eine gute Coverversion. Aber das beste Ding aller Zeiten, das ist auch schwierig zu sagen, obwohl ich das Marilyn Manson Cover auch ganz geil finde. Ich habe den mal in Wacken gesehen, vor zwei Jahren glaube ich, auch mit dem Song, und das war auch ganz geil.

Okay, Maik, das war es. Besten Dank! Ich wünsche Dir und Euch heute verdammt viel Spaß, und ja, Dir und Euch von ganzem Herzen Gesundheit, Spaß und Erfolg!

Hendrik

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