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Bericht: Night Of The Proms mit Alice Cooper, Michael Schulte, Vanessa Amorosi, Safri Duo, Midge Ure, Joss Stone, APO & Fine Fleur, 04.12.2025, ZAG Arena Hannover

Alle Jahre wieder. Seit 40 Jahren sind die Night Of The Proms für viele Besucher ein fester  Bestandteil der

Bericht: Night Of The Proms mit Alice Cooper, Michael Schulte, Vanessa Amorosi, Safri Duo, Midge Ure, Joss Stone, APO & Fine Fleur, 04.12.2025, ZAG Arena Hannover

Alle Jahre wieder. Seit 40 Jahren sind die Night Of The Proms für viele Besucher ein fester  Bestandteil der Vorweihnachtszeit und, je nach Datum, auch schon mal der Start in den Winterurlaub. 40 Jahre – eine lange Zeit, in der Traditionen genauso dazu gehörten, wie Veränderungen. Die größte Veränderung war sicherlich der Tod von John Miles, der stets als die gute Seele der NOTP galt und mit „Music“ die perfekte Hymne parat hatte. Eines aber war immer sicher: die Stars, die stets eine Mischung aus alten Helden und jungen Künstlern war. In diesem Jahr durften sich Alice Cooper, Michael Schulte, Vanessa Amorosi, die bereits im letzten Jahr zusammen mit Dave Stewart eine glanzvolle Vorstellung gab, das Safri Duo, Midge Ure und Joss Stone gemeinsam die Bühne teilen. Allen voran natürlich das wunderbare Antwerp Philharmonic Orchestra unter der Leitung der Brasilianerin Alexandra Arrieche und der Chor Fine Fleur aus Antwerpen, die für die klassische Untermalung des Abends verantwortlich zeichnen.

Bereits mit dem Einstieg „The Greatest Showman“ war sie da – die Magie, die in diesem Jahr zum vierzigsten Mal durch die Arena zog und von Beginn an die Menschen in Verzückung versetzte. Natürlich durfte zur Einstimmung auf einen wundervollen Abend auch der Walzer  nicht fehlen, der jedes Jahr zum Tanz auffordert und auch in diesem Jahr das ein oder andere Paar zum Runden drehen animieren konnte.

Mit Joss Stone, der britischen Soul-Röhre und vierfachen Mutter, stand dann auch der erste Star der diesjährigen NOTP auf der Bühne. Sie brillierte mit einer einzigartigen Stimme, die wohlige Schauer den Rücken runter laufen ließen, was auch seitens des Publikums mit den ersten Begeisterungsstürmen bestätigt wurde. Mit Inbrunst, leidenschaftlicher Hingabe und viel Energie präsentierte sie sich an diesem Abend und legte damit die Basis für die nächsten drei Stunden.

Weiter ging es mit Midge Ure, der nicht nur mit Ultravox mehrere Welthits produziert hat, sondern auch als Solo-Künstler einige Hits vorzuweisen hat. Die beiden Ultravox Klassiker „Dancing With Tears In My Eyes“ und „Vienna“ sorgten für echte Gänsehautmomente, die speziell durch das Orchester eine ganz besondere Note verliehen bekommen haben. Mit „Breathe“ folgte dann noch einer der Hits aus den Solojahren, vorgetragen mit dieser unfassbaren Stimme. So zeigte sich Midge Ure in großartiger Verfassung dem Publikum und ließ Zweifel gar nicht erst entstehen.

Das Safri Duo, das im Anschluss an den klassischen Ausflug mit der „Baccarole“ von Jaques Offenbach folgte, warf dann ein ganz anderes Licht auf den Abend und konnte vor allem mit den Drum-Sounds Maßstäbe setzen, Unterstrichen wurde das mit einem wie immer grandiosen Licht, das für mich persönlich mit zum besten weltweit gehört. Die beiden Dänen, von denen man lange nichts mehr gehört hatte, verstanden es eindrucksvoll das Publikum zum Mitmachen zu animieren – sogar zum in die Hocke gehen und dann springen (war die perfekte Bewegungsübung für den Abend) ließen sich viele Zuschauer begeistert hinreißen.

 

Mit der Australierin Vanessa Amorosi hielt dann tanzbarer Pop Einzug in die ausverkaufte ZAG-Arena. Bereits im letzten Jahr verstand sie es mit ihrer unwiderstehlichen charmanten Art das Publikum zu verzaubern und schaffte es in diesem Jahr dem Ganzen sogar noch einen drauf zu setzen. Mit einer fantastischen Version des The Doors Klassikers „Light My Fire“ schaffte sie es das Publikum sofort auf ihre Seite zu ziehen.

Auch sie agierte mit voller Hingabe, Leidenschaft und eben dieser voluminösen Stimme, die ebenfalls für Gänsehaut sorgen konnte. „Absolutely Everybody“, ihr Hit aus dem Jahr 1999, sorgte dann für wahre Begeisterungsstürme und bewies, dass sie zu den ganz Großen in diesem Jahr zählen darf. 

Wie bei jeder NOTP darf während der Shows in Deutschland auch immer ein nationaler Künstler sein Können zeigen. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Michael Schulte, der 2018 mit seinem Song „You Let Me Walk Alone“ beim ESC einen sensationellen 4. Platz belegen konnte und damit zu den erfolgreichsten deutschen Teilnehmern des ESC gehört. Natürlich durfte dieser Song auch bei der NOTP nicht fehlen, war es doch der Song, der den Grundstein für seine seitdem andauernde Karriere legte. Ohne irgendwelche Allüren, charmant und fast schon zurückhaltend, agierte der 1990 in Eckernförde geborene Sänger und zeigte sich dem Publikum offen und als der geborene Entertainer der ruhigeren Art. 

Das Safri Duo durfte noch ein zweites Mal ran und konnte mit einer ganz besonderen Version des Weihnachtsklassikers „Carol Of The Bells“ für die perfekte vorweihnachtliche Stimmung sorgen, dem nach einem weiteren Song der ungewöhnliche „Trauermarsch für eine Marionette“ von Charles Gouno folgte. Wunderbar in Szene gesetzt, konnte er selbst Klassikmuffel hinter dem Ofen hervorlocken.

Auch Michael Schulte durfte ein weiteres Mal ran, diesmal allerdings nicht alleine. Im Duett mit Joss Stone performte er mit „Ordinary“ den Hit von Alex Warren, der es 2015 in vielen Ländern schaffte den ersten Platz der Charts zu erklimmen. Eine wunderbare Kombination dieser beiden Stimmen.

Michael Schultes Position nahm dann Vanessa Amorosi ein und zusammen mit Joss Stone im Duett gab sie mit „Lady Marmalde/It’s Raining Men“ erneut eine grandiose Vorstellung. Hier zeigte sich die Passion der beiden Sängerinnen, die voller Inbrunst ihr Bestes geben konnten. 

Dann war es endlich soweit und mit der lebenden Legende Alice Cooper betrat der Hauptstar des Abends die Bühne. Diesmal kam der Schock-Rocker, wie er immer wieder gerne genannt wird, ohne Schlangen, Guillotine und anderen Elementen, die sonst zu einer echten Alice-Cooper-Show gehören, aus.

Zwar durfte seine Frau Sheryl mal wieder bei „Only Women Bleed“ das „Opfer“ spielen, das war es dann aber auch schon. Mit „Might As Well Be On Mars“ begab er sich mit seiner Gitarristin Nita Strauss, der „Rampensau“ in persona und Gitarrist Tommy Henricksen sogar auf Neuland, denn der Song wurde, so Cooper bei der Vorstellung des Songs, nur sehr selten live gespielt, da ihm immer ein Orchester fehlte.

Sein wohl bekanntester Hit „School’s Out“ läutete dann den Endspurt des fast dreistündigen Abends voller musikalischer Ausflüge ein.

Doch in diesem Jahr gab es dann auch wieder das obligatorische Finale, bei dem sich alle Beteiligten, meist zu einem Song der Beatles, die Bühne zum großen Show Down teilen. So war dann „Come Together“ wohl auch als Motto des Abends zu verstehen, der sicher vielen Besuchern die Sorgen des Alltags kurzzeitig vergessen ließ.

Und weil es immer so schön ist, startete der Vorverkauf für das nächste Jahr bereits vor Beginn der Show am Ticketschalter der ZAG-Arena. Die Schlange war entsprechend lang und ist sicher ein kleines Phänomen in der Konzertwelt, denn welche Stars im nächsten Jahr dabei sein werden, steht noch nicht fest. Das nennt man dann wohl Treue.

Mehr Bilder des Abends sind hier zu finden.