Allgemein Live Musik Reviews Tipp der Redaktion

Bericht: Dirkschneider „Balls To The Walls 40th Anniversary Tour“, Support: Evil Invaders, 13.01.2026, Capitol Hannover

Bericht: Dirkschneider „Balls To The Walls 40th Anniversary Tour“, Support: Evil Invaders, 13.01.2026, Capitol Hannover

Knapp 74 Jahre und kein bisschen leise. Wenn „uns Udo“ in der Stadt ist, muss man da hin. So dachte ich zumindest. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich feststellte, dass am selben Abend auch in der Swiss Life Hall mit den Architects aufs Gaspedal gedrückt wurde. So waren es dann auch „nur“ 1000 Fans, die an diesem Abend den Weg ins Capitol fanden.

Doch bevor Udo mit seinen Mannen die Bühne enterte, durften die Belgier Evil Invaders ran. Wer sich schon immer mal gefragt hat, was es eigentlich so für typische Klischees im Metal gibt, durfte sämtliche Merkmale bei den Belgiern finden. Die Belgier sind eine fleischgewordene „Karikatur“ eben jener Klischees, mit denen sie allerdings gekonnt gespielt haben.

Energiegeladen, lebendig, frisch und old school-mäßig gingen sie dabei vor. Speed Metal, der hier und da auch ein paar Elemente aus dem Thrash beherbergt, wurde den Anwesenden um die Ohren geballert. Wobei das auch das Stichwort ist, denn von Sound kann man tatsächlich kaum sprechen. Alles wurde durch die Wucht der Double-Bassdrum gnadenlos im Keim erstickt, wodurch sowohl der Gesang als auch die Gitarren kaum eine Chance hatten im Vordergrund stattzufinden.

Ein großes Manko der Belgier trat dabei zu Tage, ähnelten sich die Songs doch in ihren Ansätzen sehr, was einige Die-Hard-Fans nicht davon abhalten konnte jede Zeile, so der Song denn erkennbar war, mitzusingen. Stellenweise erinnerten die Evil Invaders dabei an ihre alten Landsmänner von Killer, die vor allem in den 80ern ihre Hochphase hatten. Dennoch darf man durchaus gespannt sein, wohin der Weg für die Belgier noch führen wird.

Nach der Umbaupause erklang dann auch endlich das altbekannte „Hei-Di-Hei-Do“ aus den Boxen und sofort waren die Fans da, sangen lauthals mit, was durch das Erscheinen der Band auf der Bühne noch zusätzliche Anfeuerung bekam.

Udo, wie immer, in seiner typischen Army-Kleidung wirkte erstaunlich frisch – die anstehenden 74 Jahre waren zu keiner Sekunde erkennbar – und die Stimme war einfach da. Peter Baltes, alter Weggefährte, hatte dermaßen Spaß und vor allem Bock, dass es eine echte Freude war diesem Mann bei der Arbeit zuzusehen.

Leider hatte auch Dirkschneider mit einem recht üblen Sound zu kämpfen, wodurch eines der Hauptmerkmale der alten Accept-Songs nicht wirklich zum Vorschein kommen konnte. Gerade Baltes ist für sein druckvolles und vor allem grooviges Spiel bekannt und setzt damit häufig die Akzente in den Accept-Songs. Doch an diesem Abend kam der Bass leider nur selten richtig zu Geltung, was aber letztlich dem Spiel und der Spielfreude der Band keinen Abbruch tat.

Das 40-jährige Jubiläum, okay, inzwischen sind es 42 Jahre, sollte den Hauptteil des Abends abbilden und so standen am Anfang dann erst mal ein paar Klassiker, allen voran natürlich „Fast As A Shark“, dem dann noch ein paar weitere Klassiker folgen sollte, bevor dann das „Balls To The Wall“-Album in seiner Gänze und chronologisch gespielt wurde.

Neuzugang Alen Brentini verstand es sofort sich in das Gefüge der Band einzubringen, stand häufig bei Soli im Rampenlicht und konnte seine Klasse beweisen. Auch Fabian Dee Dammers, zweiter Gitarrist und bereits seit 2018 an Udos Seite, stellte sein Können immer wieder vor, während Udos Sohn Sven mit mächtig Wumms sein Schlagzeug malträtierte.

Natürlich war der Altersdurchschnitt an diesem Abend im Capitol recht hoch, dürften doch die meisten Anwesenden sich noch an die Veröffentlichung 1984 erinnern können. Accept hat mit dem Album einen Klassiker erschaffen, der weltweit für Respekt und Anerkennung geführt hat und der Band schließlich auch die Tore in den USA aufstoßen konnte.

Natürlich wurden die Songs zum größten Teil auch lauthals mitgesungen, was besonders auf die entsprechenden Parts in Songs wie „Losers & Winners“ („Write a letter, you feel better“ – Lyrik und Prosa der besonderen Art) und dann im Zugabenteil bei der Hymne „Princess Of The Dawn“ abzielt. Dirkschneider präsentierten sich kein bisschen altersmüde oder gar verbraucht, sondern zogen ihren Stiefel durch, was auch seitens des Publikums mehr als abgefeiert wurde. In dieser Form werden Udo und Co. sicher noch ein paar Jahre ihre Fans beglücken können, bevor es dann auch für ihn heißt sich auf den Altenteil zu begeben. Aber bis dahin dauert es hoffentlich noch ein wenig.

 

Setlist Dirkschneider:

  1. Fast as a SharkPlay Video
  2. Living for Tonite
  3. Midnight Mover
  4. Breaker
  5. Flash Rockin‘ Man
  6. Metal Heart
  7. Breaking Up Again
  8. Balls to the Wall
  9. London Leatherboys
  10. Fight It Back
  11. Head Over Heels
  12. Losing More Than You’ve Ever Had
  13. Love Child
  14. Turn Me On
  15. Losers and Winners
  16. Guardian of the Night
    Play Video
  17. Winterdreams
    Encore:
  18. Princess of the Dawn
  19. Up to the Limit
  20. Burning

Mehr Bilder des Abends sind hier zu finden.