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Bericht: Biffy Clyro „Futique Tour 2026“, Support Bartees Strange, Sporthalle Hamburg, 18.02.2006

Hamburg ist bekanntlich immer eine Reise wert. Doch die pulsierende Stadt an der Alster hat auch ein paar Schattenseiten.

Bericht: Biffy Clyro „Futique Tour 2026“, Support Bartees Strange, Sporthalle Hamburg, 18.02.2006

Hamburg ist bekanntlich immer eine Reise wert. Doch die pulsierende Stadt an der Alster hat auch ein paar Schattenseiten. Eine davon ist die Lage der Alsterdorfer Sporthalle, die inmitten eines reinen Wohngebiets ihr Dasein fristet. Regelmäßig finden hier Konzerte statt, was für Anwohner sicher keine allzu große Freude ist. Denn ist der Parkplatz der Halle belegt, drängt sich alles in den angrenzenden Seitenstraßen, wobei jede noch so kleine Parklücke genutzt wird. Besonders eng wird es, wenn, wie an diesem kalten Mittwochabend, die städtischen Verkehrsbetriebe streiken. Das ist dann aber auch das einzige Manko, denn die Halle an sich ist nach wie vor gerade für Konzerte prima geeignet.

Pünktlich zum Support, dem amerikanischen Sänger Bartees Strange, traf ich nach einem ordentlichen 20-minütigem Spaziergang durch die Gassen Hamburgs an der Halle ein. Die Halle war trotz der Verkehrsverhältnisse schon gut gefüllt, was vor allem durch die Mischung des Publikums positiv ins Auge fiel. An diesem Abend trafen sich jung und alt, Metal-Fans und Indie-Enthusiasten und feierten eine großartige Party. Doch zurück zu Bartees.

Alleine, ohne irgendwelche Unterstützung, saß der Mann auf seinem Stuhl, hinter ihm die Gitarren, vor ihm das Mikro – das wars. Was anfangs noch ein wenig langweilig anmutete, entwickelte sich mehr und mehr zu einem eindringlichen Ritt durch die verschiedensten Stile. So fanden sich Country, Blues, Rock, Indie und Hip Hop zu einer eigenwilligen Melange, die zum einen von der eindringlichen Stimme getragen wurde und zum anderen mit seinem durchaus interessanten Spiel in den Bann ziehen konnte.

Ein Support, der vielleicht nicht unbedingt zu der Hauptband passte, dafür aber mehr als eindringlich war. Chapeau für den Mut, solch ein Experiment zu wagen.

Punkt 21:00 Uhr erklangen die ersten Töne der Band, weswegen die 5.500 Zuschauer an diesem Abend non nah und fern angereist waren. Knallrotes Licht tauchte die Bühne in eine fast schon gespenstisch anmutende Kulisse, was für die Fotografen eine echte Herausforderung darstellte. Die Schotten stellten dabei natürlich ihr aktuelles Album „Futique“ vor, das ihr mittlerweile zehntes Studioalbum ist. Gewohnt zwischen Stadion Rock, Hymnen, Balladen und eruptiven Indie-Kaskaden, legte die Band um Fronter Simon Neil in ihren 110 Minuten ein echtes Feuerwerk vor, das vor allem vom zuckenden, stroboskopartigem Licht in Szene gesetzt wurde. Hauptfarben des Abends waren dann rot, gelb und blau, da wäre meiner Meinung sicher ein besseres Licht zur Unterstreichung der Musik der Schotten angemessen gewesen, was aber eine rein subjektive Empfindung ist.

Dass die Band auf ihren Bassisten James Johnston aus gesundheitlichen Gründen verzichten musste, war für manche sicherlich ein kleiner Wermutstropfen. Doch er wurde hervorragend von Naomi Macleod vertreten, die mit ihrer Spieltechnik dem etatmäßigen Bassisten in nichts nach stand.

Live wurde die Band neben dem grandiosen Gitarristen Mike Vennart und dem Keyboarder Richard A. Ingram noch von zwei Streicherinnen, die für den Gesamtsound ein echter Gewinn waren. Drummer Ben Johnston thronte hoch oben auf der Bühne und trieb mit seinem wuchtigen und manchmal auch fein akzentuierten Spiel  an, während sich Simon Neil wie ein Derwisch aufführte. Man bekam den Eindruck, dass er jeden Ton, jedes Riff geradezu lebt, sich seinem eigenen Spiel hingibt.

Neben den Songs des aktuellen Albums durften ein paar Klassiker natürlich nicht fehlen. So gab es eine grandiose Version von „Black Chandelier“, eine akustische Version von „Mountains“, das gefühlvolle „Space“ oder eine fantastische Version von „Different People“, dem in sich verschachtelten Werk vom „Opposites“ Album.

Mit den Ansagen ging die Band sehr spärlich um – ein kurz hin genuscheltes „Hallo Hamburg“, ein paar mal die Feststellung was für ein fantastisches Publikum doch da sei. Ansonsten ließ die Band die Musik für sich sprechen und das machten sie richtig gut. Auch in ihrem dreißigsten Jahr sind die Schotten eine Klasse für sich und mit Sicherheit keine Band für Alltägliches.

Setlist:

A Little Love

Hunting Season

That Golden Rule

Who’s Got A Match?

Shot One

Space

Wolves Of Winter

Tiny Indoor Fireworks

Goodbye

Friendshipping

Biblical

A Thousand And One

Different People

A Hunger In Your Haunt

Black Chandelier

Instant History

Two People In Love

Mountains

Encore:

Machines

The Captain

Living Is A Problem Because Everything Dies

Bubbles

Many Of Horror

Mehr Bilder des Abends gibt es hier.