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Bericht: ARCH ENEMY European Blood Dynasty Tour 2025 Special Guests: Amorphis, Eluveitie, Gatecreeper Freitag, 14.11.2025 – Hannover, Swiss Life Hall

Vier Bands, vier Metal-Universen, ein Abend: Als sich am Freitagabend die Tore der Swiss Life Hall öffneten, wartete auf

Bericht: ARCH ENEMY European Blood Dynasty Tour 2025 Special Guests: Amorphis, Eluveitie, Gatecreeper Freitag, 14.11.2025 – Hannover, Swiss Life Hall

Vier Bands, vier Metal-Universen, ein Abend: Als sich am Freitagabend die Tore der Swiss Life Hall öffneten, wartete auf die 3.500 Besucher eine musikalische Reise von keltischen Melodien über finnische Melancholie bis hin zur Präzision des schwedischen Death Metal.

Der ungewöhnlich frühe Beginn um 18 Uhr störte die Zuschauer nicht im geringsten. Die Death-Metal-Band GATECREEPER aus Arizona eröffnete den Abend vor zahlreichem Publikum. Die eingenebelte Bühne wurde hauptsächlich grün beleuchtet mit ein paar Spots von hinten, man hat nicht wirklich was gesehen. Geknüppelt wurde aber für knapp 35 Minuten heftig.

Setlist:

Dead Star

Ruthless

A Chilling Aura

Caught in the Treads

The Black Curtain

From the Ashes

Mistaken For Dead

Flesh Habit

Sick of Being Sober

Flamethrower

Seit über 30 Jahren haben sich die finnischen Pioniere AMORPHIS mit ihrer gefühlvollen und zugleich kraftvollen, melancholischen und doch tröstlichen Musik eine ganz eigene Nische geschaffen. Mit ihrem neuesten Studioalbum „Borderland“ unterstreicht die Band einmal mehr ihren bahnbrechenden Status als eine der originellsten und besten Bands, die jemals aus dem Land der tausend Seen hervorgegangen sind.

Bereits um 18:50 Uhr betraten sie überraschenderweise die Bühne und lieferten das technisch und atmosphärisch beste Set des Abends ab. Warum der Slot mit Eluveitie getauscht wurde ist nicht bekannt. Angekündigt war es nicht. Gut für alle die pünktlich da waren. Die Finnen präsentierten sich in Topform und demonstrierten eindrucksvoll, warum sie seit über 30 Jahren zur internationalen Metal-Elite gehören.

Der Opener „Bones“ vom aktuellen Album „Borderland“ setzte sofort die Messlatte hoch: präzise Riffs, durchdachte Dynamik und Sänger Tomi Joutsen, der mühelos zwischen brutalem Growling und melodischem Klargesang wechselte. Er bedankte sich auch oft bei den Fans für Ihre Unterstützung, auch ohne von ihm animiert zu werden. Der Sound war exzellent abgemischt – jedes Instrument war klar definiert, ohne dass die Gesamtwirkung darunter litt. Auch das Lichtdesign passte sich intelligent der musikalischen Dramaturgie an, ohne in Effekthascherei abzudriften.

„Silver Bride“ bildete einen gelungenen Kontrast, während neuere Songs wie „Wrong Direction“ und „The Moon“ immer gut funktionierten. Besonders „The Moon“ profitierte von der stimmungsvollen Beleuchtung und den melancholischen Melodien, die live noch eindringlicher wirkten als auf dem Album. Der absolute Höhepunkt war „Death of a King“ mit seinen orientalisch angehauchten Melodien. Mit „Black Winter Day“ aus den 90er-Jahren unternahm die Band dann eine Reise in die Vergangenheit, die den älteren Fans Jubel entlockte und die stilistische Bandbreite von AMORPHIS eindrucksvoll unter Beweis stellte. „House of Sleep“ entwickelte sich zu einem Mitsing-Moment, bevor „The Bee“ das Set mit einem kraftvollen Finale abschloss.

Setlist:

Bones

Silver Bride

Wrong Direction

The Moon

Dancing Shadow

Death of a King

Black Winter Day

House of Sleep

The Bee

ELUVEITIE sind seit fast 20 Jahren weltweit aktiv. Angefangen mit ihrem Debütalbum „Spirit“ (2006) über „Slania“ (2008) bis hin zu ihrem neuesten Werk „Ategnatos“ (2019) haben die Schweizer einen bahnbrechenden Stil entwickelt. Fernab von Klischees und albernem Battle-Rummel haben sie eine Musikrichtung kreiert, die das Beste aus Folk Metal und Melodic Death Metal zu einer unvergleichlichen Einheit vereint.

Um 20:00 Uhr war dann Showtime für ELUVEITIE. Die Schweizer Folk-Metal-Band lieferte ein Set ab, das das Publikum schnell mitriss. Sie eröffneten den Abend mit einer kraftvollen Interpretation von „Ategnatos“, gefolgt von „Deathwalker“ und „The Prodigal Ones“. Als sie die Klassiker „King“ und „Inis Mona“ spielten, war die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Die keltischen Melodien und Dudelsack-Einlagen mögen nicht jedermanns Sache sein, aber die Band versteht ihr Handwerk und weiß, wie sie das Publikum mitreißt. Ein guter Sound rundete den Auftritt ab.

Setlist:

Ategnatos

Deathwalker

The Prodigal Ones

Exile of the Gods

A Rose for Epona

Premonition

Ambiramus

The Call of the Mountains

King

Inis Mona

ARCH ENEMY betraten um 21:20 Uhr als Headliner die Bühne und lieferten genau das, was erwartet wurde: technisch makellosen Melodic Death Metal mit beeindruckender Bühnenpräsenz. Die Schweden agierten wie eine perfekt geölte Maschine, was gleichzeitig Stärke und Schwäche ihres Auftritts war. Der Opener war intensiv: „Deceiver, Deceiver“ donnerte mit brutaler Wucht durch die Halle, nachdem der mittlerweile obligatorische Vorhang fiel.

Alissa White-Gluz‘ Growls waren messerscharf und das Gitarrenspiel von Michael Amott und Joey Concepcion makellos aggressiv. „Blood Dynasty“, „War Eternal“ und „My Apocalypse“ setzten diese Intensität fort und zeigten die Band in ihrem Element: kompromisslos, präzise, vernichtend. Danach jedoch flachte das Set etwas ab. Die mittlere Phase mit „Illuminate the Path“, „Liars & Thieves“ und den etwas zahmeren Arrangements von Songs wie „Saturnine“ wirkte wie ein Zugeständnis an die verschiedenen Fangruppen.

Das Set folgte einem kalkulierten Muster, und die Interaktion mit dem Publikum beschränkte sich auf die üblichen Aufrufe zum Mitsingen und Faustheben. Zum Finale drehten ARCH ENEMY dann aber richtig auf: „No Gods, No Masters“ und „Avalanche“ brachten die ursprüngliche Power zurück, bevor die Zugaben den Abend spektakulär abrundeten.

„Snow Bound“ ging nahtlos in „Nemesis“ über – und hier ereignete sich der visuelle Höhepunkt des Abends: Dutzende große Ballons wurden von hinten ins Publikum geworfen und verwandelten die Halle in ein chaotisches, aber fröhliches Durcheinander. Dieser unerwartete, spielerische Moment durchbrach die sonst so professionelle Ernsthaftigkeit der Band.

Das instrumentale Outro „Fields of Desolation“ setzte dem Abend einen epischen Abschluss. Der Sound war mit bis zu 103 Dezibel ziemlich laut und bewies, dass lauter nicht immer besser ist. Alissas Ansagen waren kaum zu verstehen.

Setlist:

Deceiver, Deceiver

Ravenous

Dream Stealer

Blood Dynasty

War Eternal

My Apocalypse

Illuminate the Path

Liars & Thieves

The Eagle Flies Alone

First Day in Hell

Saturnine

Sunset Over the Empire

No Gods, No Masters

Avalanche

Zugaben:

Snow Bound

Nemesis

Fields of Desolation (Instrumental outro only)

Fazit: Es war ein Abend mit sehr unterschiedlichen Metal-Interpretationen. Technisch und produktionstechnisch war alles auf hohem Niveau: Sound, Licht und Bühnenshow waren durchweg professionell umgesetzt. Ein toller Start ins Wochenende, den die Fans sicherlich in den zahlreichen Kneipen in Hannovers Innenstadt verlängerten.

 

Bericht verfasst von Jens-Peter Topp.

Mehr Bilder des Abends sind hier zu finden.