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ARCTIC WINTER – „Plek Meddl“

ARCTIC WINTER – „Plek Meddl“ Label: Eigenveröffentlichung Laufzeit: 68:58 min VÖ: März 2018 Genre: verdammt fetter traditioneller Heavy Metal

ARCTIC WINTER – „Plek Meddl“

ARCTIC WINTER – „Plek Meddl“

Label: Eigenveröffentlichung

Laufzeit: 68:58 min

VÖ: März 2018

Genre: verdammt fetter traditioneller Heavy Metal

ARCTIC WINTER sind alte Metal Hasen. Schon seit 1989 machen sie den deutschen Underground unsicher – allein das verdient allerhöchsten Respekt. Dennoch misst sich letztlich abseits jeder noch so schönen Erinnerungen und schicker Nebensächlichkeiten alles an der Qualität der Musik. Und das vorweg, da beschenken uns die Lebensalter gestählten Herren aus dem Saarland auf ihrer neuen Scheibe „Plek Meddl“ mit großartiger Musik, die beweist, wie einfach und packend es sein kann, herrliche Klischees mit Abwechslungsreichtum und Eingängigkeit mit Härte zu vereinen.

ARCTIC WINTER spielen Heavy Metal. Punkt. Der bricht jedoch auch gerne mal in Richtung Thrash und Death Metal aus. Das liegt am zumeist recht hohen Tempo der Songs, denn an Geschwindigkeit wird zum Glück nicht gespart. Das Schlagzeug treibt und schiebt all das unbarmherzig voran, dabei agiert es so songdienlich wie originell mit packenden Breaks und überraschenden Ausflügen in den Blastbeat. Dazu pumpt ein breitbeiniger Bass, der sich wunderbar trocken und knackig in bester Overkill-Manier immer wieder gekonnt in Szene zu setzen weiß (Hört nur „Self Destruction Sequence“!). Der Sound ist für eine Eigenveröffentlichung exquisit, er zeigt sich angenehm warm und erdig und gibt allen Instrumenten und der Stimme in einer ausgewogenen Balance ausreichend Raum und Volumen.

Und dann kommt da diese Stimme! Die ist nicht nur einzigartig, sondern zeigt sich dazu absolut wandlungsfähig: Da wird aggressiv geshoutet („Ghost Of War“) wie ab und an brutal gegrowlt („A Glimpse Of Hell“), da wird rockig gesungen („Self Destruction Sequence“) wie in höherer Stimmlage bissig gekeift („Seal Of The Emperor“). In manchen Momenten erinnert mich Herr Mic Winter an einen Klon aus Dan Beehler (Exciter) und David DeFeis (Virgin Steele). Yeah!

Die Herren hauen uns nach einem schweren Intro zunächst drei harte Songs um die Ohren, die all das aufweisen, was ARCTIC WINTER ausmachen. Da gibt es massenweise Riffs, die eingängig, simpel und fett sind, die sägen, jaulen, beißen, quietschen, Flammen werfen und sich sofort im Ohr festsetzen. Darüber schweben oft melodische Gitarrenleads, die den Songs immer wieder eine hymnische Note verpassen. Aus all diesen Gitarren bauen ARCTIC WINTER zumeist gut strukturierte, nachvollziehbare Songs auf, die immer wieder in eingängigen Refrains gipfeln. Dabei leben ARCTIC WINTER von ihrer immensen Wandlungsfähigkeit. Das zieht sich durch die gesamten 13 Lieder von „Plek Meddl“. Da gibt es traditionellen Metal („John Doe“), für den der Begriff Old School erfunden zu sein scheint. Da gibt es harten Thrash, den auch Overkill nicht viel besser hinkriegen („Ghost Of War“). Da gibt es schwer groovenden Death Metal („A Glimpse Of Hell“). Da gibt es aber auch rotzigen Heavy Rock, der an Circus Of Power erinnert („Self Destruction Sequence“) und harten Epic Metal („Interstellar Overdrive – Winterforce“). Ach ja, und eine Ballade gibt es auch. Diese Vielfalt mag manchem Hörer etwas wirr und zusammenhanglos erscheinen, für mich passt das alles aber wunderbar, weil die Musik in ihrer Gesamtheit von den signifikanten Riffs und der Stimme zusammengehalten wird. Kritisch anzumerken bleibt allerdings, dass einige Songs viel zu lang geraten sind. Es sollte eben dann Schluss ein, wenn der Song auserzählt ist („Self Destruction Sequence“), und ein Song wird auch nicht besser, wenn man den Beginn zäh auswalzt („Knights Of The Glory“, „Revelation“). Und ein wenig mehr Mühe beim Cover hätte die phantastische Musik mehr als verdient gehabt. Hier verkaufen sich ARCTIC WINTER leider völlig unter Wert. Das größte Fragezeichen hinterlässt bei mir jedoch der Titel „Plek Meddl“. Selbstverständlich schließen sich Humor und Heavy Metal nicht aus, aber – wenn das lustig gemeint ist – passt das für mich nicht zur Musik, die ich in ihrer Machart und Intention als ernsthaft, authentisch und wahrhaftig empfinde. Aber das sei nur eine Bemerkung am Rande.

Fazit: ARCTIC WINTER legen mit „Plek Meddl“ ein Album vor, das mit gut gemachtem Heavy Metal begeistert, der Tradition mit Abwechslungsreichtum verbindet und mit Härte und Brachialität ebenso begeistert wie mit melodischer Eingängigkeit und hymnischer Energie. Das alles ist packend, mitreißend und einfach verdammt gute Unterhaltung! Ganz klar Daumen hoch. Und jetzt nehme ich mir am Sonntagmorgen ein Frühschoppenbier und drehe ARCTIC WINTER auf. Hurra.

Liederliste:

1. A Winter Shade Of Pale (1:32)
2. Plek Meddl (4:27)
3. Seal Of The Emperor (3:08)
4. 7 Gates Of Gondolin (4:10)
5. Self Destruction Sequence (7:27)
6. A Glimpse Of Hell (4:45)
7. Knights Of The Glory (6:57)
8. In Memoriam (5:14)
9. John Doe (3:44)
10. Interstellar Overdrive – Wintercircle (5:16)
11. Interstellar Overdrive – Winterforce (3:42)
12. Alhazred (4:57)
13. Ghost Of War (4:52)
14. Revelation (8:49)