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Dymna Lotva (PL) – Vyraj

Wenn eine Band ihre Heimat nicht freiwillig verlässt, sondern vor politischer Verfolgung fliehen muss, bekommt das Motiv der Reise

Dymna Lotva (PL) – Vyraj

Wenn eine Band ihre Heimat nicht freiwillig verlässt, sondern vor politischer Verfolgung fliehen muss, bekommt das Motiv der Reise eine andere Schwere. Auf ihrem vierten Album „Vyraj“ verbinden die belarussischen Dissidenten Dymna Lotva diese Erfahrung mit slawischer Mythologie und belarussischer Ethno-Astronomie. Der Titel bezeichnet jenes sagenhafte Reich, in das die Vögel im Winter ziehen und die Seelen der Verstorbenen eingehen. Daraus entsteht ein Werk über Entwurzelung, Tod und die Hoffnung, eines Tages den Weg zurückzufinden. „Vyraj“ erscheint am 7. August 2026 über Prophecy Productions.

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Seht hier das offizielle Musikvideo zu „Zory“ von Dymna Lotva.

Zwischen Sternen und Unterwelt

Musikalisch ruht „Vyraj“ weiterhin auf einem Fundament aus Black Metal, Post-Black Metal und Doom. Darüber errichtet die Band jedoch einen wesentlich größeren Klangraum, in dem auch Gothic, elektronische Elemente, progressive Strukturen und belarussische Folklore ihren Platz finden. Die acht Kompositionen wirken weniger wie voneinander getrennte Songs als wie einzelne Stationen auf einer Reise durch Furcht, Wut, Verzweiflung und kurze Momente beinahe ekstatischer Befreiung.

Der Opener „Zory“ setzt mit langsamem Tempo, schweren Tönen und einer angespannten Hintergrundmelodie ein. Nokt Aeons Schreie schneiden durch die bedrückende Atmosphäre, während die namensgebenden Sterne zugleich für Tod und einen möglichen Neubeginn stehen. „Veha“ steigert anschließend die Beklemmung mit beschwörenden Stimmen und einer hypnotischen Wiederholung, die das Gefühl vermittelt, von einer unsichtbaren Gefahr verfolgt zu werden.

Zu den markantesten Momenten gehört „The Boat of Despair“. Der Gastbeitrag von Aaron Stainthorpe, bekannt durch High Parasite und seine lange Vergangenheit bei My Dying Bride, verleiht der Nummer zusätzliche Tiefe. Seine dunkle Stimme trifft auf Nokts extreme und klare Gesangslagen, während feierliche Gitarren und eine deutlich ausgeprägte Gothic-Doom-Stimmung das Bild eines Fährmanns zeichnen, dessen Boot nicht zur Erlösung, sondern ins Nichts führt.

Auch die zweite Hälfte gewährt kaum Erholung. „Viedźmieragina“ lässt flüsternde Stimmen in schneidende Ausbrüche kippen, während „Niama Darohi“ seine Verzweiflung mit beinahe körperlicher Dringlichkeit entfesselt. Die kollektiven Stimmen von „Bu Samoje“ verstärken den rituellen Charakter, bevor „Ustań Za Mianie“ das Gewicht des Doom Metal weiter erhöht. Das abschließende „Return My Coffin Home“ mit Ingvarr führt schließlich tief hinab in eine Unterwelt, in der Heimat nur noch als Erinnerung und letzter Ruheort existiert.

Unser Fazit

„Vyraj“ ist ein atmosphärisch dichtes und emotional forderndes Album, das Schmerz nicht dekorativ ausstellt, sondern in eindringliche Kunst verwandelt. Dymna Lotva erweitern ihren Post-Black-Metal-Kosmos hörbar und schaffen ein Werk, das gleichermaßen verstört, berührt und lange nachwirkt.

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