Die Toten Hosen (D) – Trink aus! Wir müssen gehen
Wer erst kürzlich die Doku zum Abschiedsalbum der Toten Hosen gesehen hat, bekommt vielleicht einen kleinen Eindruck über die
Wer erst kürzlich die Doku zum Abschiedsalbum der Toten Hosen gesehen hat, bekommt vielleicht einen kleinen Eindruck über die mehr als 40 Jahre Punk aus Düsseldorf. Am 10. April 1982 gaben die Toten Hosen ihr erstes Konzert im Schlachthof in Bremen, werden allerdings aufgrund eines Übermittlungsfehlers noch als „Die Toten Hasen“ angekündigt. Die Erstbesetzung der neuen Band hatte sich Ende 1981 bei der Abschiedstournee der Düsseldorfer Punk-Band ZK zusammengefunden. Nun soll also für die erfolgreichste Punkband Deutschlands Schluss sein? Vielleicht tun sie gut daran, denn je älter man wird umso schwieriger wird es die Energie der jungen Jahre auf der Bühne noch ausleben zu können. Das letzte Album liegt nun mit dem gehaltvollen Titel „Trink aus! Wir müssen gehen“ endlich vor.
In einem gemeinsamen Vorwort schreiben Die Toten Hosen: „Fast 45 Jahre nach Gründung der Opel Gang liegt nun unser letztes reguläres Album vor euch. Das bedeutet nicht, dass sich die Toten Hosen auflösen! Weil wir Freunde sind, tun wir das erst auf dem Friedhof – Jochen, Wölli und Faust warten dort schon auf uns. Es geht um etwas anderes: Wir bleiben als Gang bestehen, aber wir werden uns Schritt für Schritt zurückziehen. Dazu gehört auch, dass wir keine Alben mehr machen wollen, die unser Leben reflektieren und für uns immer eine Art Tagebuch waren. In einem Lied riefen wir vor vielen Jahren: ‚Das Ende setzen wir uns selbst!‘ Uns ist es wichtig, diese Ankündigung einzuhalten.“ Die Band beschreibt „Trink aus, wir müssen gehen!“ als eine Art letztes großes Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte – ein Album über Anfänge, Abschiede und alles dazwischen. Songs wie „Was früher einmal war“ oder „Kein Blatt zwischen uns“ setzen sich dabei direkt mit der eigenen Vergangenheit, Freundschaft und den Menschen auseinander, die die Band auf ihrem Weg begleitet haben. Die Hosen mussten in den letzten Jahren auch immer wieder teils heftige Kritik einstecken, wurden sie doch auch immer wieder beschuldigt den Punk schon lange begraben zuhaben. Doch der kommerzielle Erfolg ist die eine Sache, die andere bleibt aber die innere Einstellung und die war stets spürbar. Rebellion findet heute anders statt als noch in den späten Siebzigern, spielt sich auf ganz anderen Kanälen ab und hat schon längst auch die Mitte der Gesellschaft erreicht. Auf ihrem letzten Album lassen es die Hosen nochmal richtig krachen, bleiben aber auch immer mal wieder in der Melancholie hängen, die man ihnen durchaus zugestehen muss. In ihren Texten gehen sie kritisch vor, lassen auch mal den Spaß um die Ecke schauen und bleiben sich dabei doch immer treu. Im Song „Was ist mit uns los“ fragen sie z.B. ganz klar wohin sich die Gesellschaft entwickelt, woher der ganze Frust der heutigen Zeit kommt. In der limitierten Fassung erscheint das Album als Doppel-CD oder dreifach-LP mit dem zusätzlichen Album „Alles muss raus!“. In 25 Songs haben Die Toten Hosen gemeinsam mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern Songs aufgenommen haben, die ihnen besonders viel bedeuten. „Diese Scheibe enthält 25 Lieder, die wir lieben. Lieder von Freunden, von Vorbildern und von Menschen, deren Werk wir verehren. Lieder, die wir selbst gerne geschrieben hätten“, erklärt die Band. Dabei ging es den fünf Musikern nicht darum, die Stücke neu zu interpretieren oder ihnen einen besonderen Kunstgriff aufzuzwingen. Stattdessen wollten sie sich „unauffällig in sie reinschleichen“ – als „blinde Passagiere“ in ihren eigenen Lieblingssongs. Alle Titel entstanden gemeinsam im Duett mit den jeweiligen Originalinterpret:innen oder Wegbegleiter:innen. So entstand eine ebenso persönliche wie überraschende Sammlung unterschiedlichster musikalischer Einflüsse und Begegnungen. „Wenn wir uns jetzt die Namen durchlesen, die gemeinsam auf dieser Platte auftauchen, kommt es uns selbst etwas absurd vor“, schreibt die Band. „Zumindest wären wir nicht zwangsläufig davon ausgegangen, dass eines Tages Punklegende Charlie Harper und Vicky Leandros am selben Album beteiligt sein würden.“ Die bis ins nächste Jahr reichende Tour ist bereits vollständig ausverkauft und man darf gespannt sein, ob es bei den Hosen wirklich das Ende bedeutet oder es die im Rock’n’Roll übliche Floskel ist.
Fazit: Mit „Trink aus! Wir müssen gehen“ haben die Hosen ein würdiges letztes Album abgeliefert.
CD 1/LP 1
- Hier sind die Hosen
- Wir waren nie weg
- Die Show muss weitergehen
- Schlechte Nachbarn
- Lass mal nicht machen
- Was früher einmal war
- Nur nach vorn
- Keine Macht den Proben
- Was ist mit uns los
- Augen zu (Es regnet Blumen)
- Schicksal
- Glück
- Ich will
- Düsseldorf
- Kein Blatt zwischen uns
- Trink aus
CD 2/LP 2, 3
- Ampelstadt (feat. Jürgen Engler)
- 51st State (feat. Justin Sullivan)
- Komplett im Arsch (feat. Feine Sahne Fischfilet)
- Kinder (feat. Bettina Wegner)
- Welt der Wunder (feat. Marteria)
- Forever Young (feat. Marian Gold)
- Last Rockers (feat. Beki Bondage)
- Was ist ist (feat. Blixa Bargeld)
- Ich liebe das Leben (feat. Vicky Leandros)
- G.L.C. (feat. Noel Martin)
- Something Better Change (feat. Jean-Jacques Burnel)
- Schon so lang (feat. Hannes Wader)
- A Message to You Rudy (feat. Neville Staple)
- Immer nur geliebt (feat. Sven Regener)
- Emotional Blackmail (feat. Charlie Harper)
- Kristallnaach (feat. Wolfgang Niedecken)
- Destroy (feat. Koljah)
- Into the Valley (feat. Richard Jobson)
- Ermutigung (feat. Wolf Biermann)
- Meine Familie (feat. Sammy Amara)
- Man in the Box (feat. Eddie Mooney & Mark Standley)
- Apokalypse (feat. Peter Hein)
- Self Conscious Over You (feat. Greg Cowan)
- Junkies und Scientologen (feat. Thees Uhlmann)
- Immer wieder besetzt (Campino & Kuddel)
Label: JKP
VÖ: 29.05.2026
Laufzeit: 132:40 Min.
Herkunft: Deutschland
Stil: Punk Rock



