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FEED THE RHINO – „The Silence“

FEED THE RHINO – „The Silence“ Label: Century Media Records Laufzeit: 40:03 min VÖ: 16.02.2018 Genre: Metalcore mit einem

FEED THE RHINO – „The Silence“

FEED THE RHINO – „The Silence“

Label: Century Media Records

Laufzeit: 40:03 min

VÖ: 16.02.2018

Genre: Metalcore mit einem Hauch Post, der sich auch gerne mal in Hardcore und Amirock suhlt

 

FEED THE RHINO legen mit „The Silence“ nach vier Jahren ihr nunmehr viertes Album vor. In diesem Genre ist das eine lange Zeit, in der Bands entweder dem Vergessen anheimfallen oder aber von den inzwischen ihrer Jugendlichkeit entwachsenen Fans dennoch voller Sehnsucht zurück erwartet werden. Und vorweg: Bei FEED THE RHINO hat sich das Warten gelohnt.

Die auch auf den vorherigen Alben – und hier insbesondere dem Vorgänger „The Sorrow And The Sound“ – verewigte ambivalente Mischung aus Härte und Melodie ist auch auf „The Silence“ bestimmendes Erkennungszeichen ihrer Musik. Und wie immer stimmt auch das ganze Drumherum: Der Sound ist dick, drückend, fokussiert, dabei aber jederzeit klar, warm und transparent. Das Schlagzeug gibt die Richtung vor, und das mit einer präzisen Wucht und Bestimmtheit. Erfreulich ist vor allem die Tatsache, dass Schlagmann Chris Rybert dies ohne das vielmals übliche und überaus nervige Doublebassgetrümmer gelingt. Der Bass macht sich schön breit und schiebt aus der Tiefe mächtig nach vorne. Sänger Lee Tobin agiert gekonnt zwischen sanftem und gefühlvollem Klargesang und seinem bekannten aggressiven kratzig-widerborstigen Shouten in leicht erhöhter Stimmlage. Aushängeschild sind jedoch die Gitarren. Die Riffs sind nicht nur hart, scharf und massiv, sondern vor allem die Rhythmusarbeit durchdacht, präzise und jederzeit kreativ. Und obendrauf gibt es ein paar wirklich schicke Soli. Das hält die Songs im Detail jederzeit spannend und frisch.

Und genau das braucht es auch, um nicht im Einerlei des Metalcore zu versinken. Denn FEED THE RHINO bewegen sich in der Struktur ihrer Lieder zumeist in bekannten Schemen. Mal Strophe hart und Refrain weich, mal Strophe weich und Refrain hart. Und ja, es gibt sie auch, die Kracher, in denen der Aggressivität freier Lauf gelassen wird und sich eine bissige Stimme durch den gesamten Song wütend in die Welt hinauskotzt („All Work And No Play Makes Jack A Dull Boy“, „Nerve Of A Sinister Killer“). Mit Stimme und Gitarren erschaffen die Jungs aber stets genug Kontrapunkte, Widerhaken und Wendungen, die den Liedern dann doch eine spürbare wie hörbare Eigenständigkeit verleihen. So werden immer wieder besondere rhythmische Betonungen und Verschiebungen eingebaut, welche für eine mitreißende Komplexität sorgen („Timewave Zero“, „Heedless“). Andere Songs leben von ihrer Dynamik („Fences“, „The Silence“) oder ihrer energetischen Explosivität („Featherweight“, „68“). Und schließlich gibt es auch die bittersüße Halbballade und den Melancholie getränkten Hit für die Radiostationen dieser Erde („Losing Ground“, „Yellow And Green“). Das alles pendelt sich ein zwischen Hardcore, Postcore, Alternative, Modern Metal und Mainstream Amirock. Und verdammt, so krude das klingt, das passt in seiner Gesamtheit. Vielleicht nicht beim ersten Hören, aber wer glaubt schon an die Liebe auf den ersten Blick?

Fazit: FEED THE RHINO beweisen mit „The Silence“ erneut, dass es sich lohnt, abseits gängiger Pfade zu agieren und sich dabei dennoch voller Enthusiasmus und Musikalität eine eigene Identität im weiten Feld des Metalcore zu erschaffen. Ich bin mir sicher, ihre Reise durch die Sphären harter Musik ist noch lange nicht zu Ende, hoffen und wünschen wir ihnen, dabei weiter so frei und ungezwungen zu sein wie bisher.

 

Tracklist

1. Timewave Zero (4:09)
2. Heedless (3:32)
3. Losing Ground (4:13)
4. 68 (3:07)
5. All Work And No Play Makes Jack A Dull Boy (3:33)
6. Yellow And Green (3:23)
7. Nerve Of A Sinister Killer (2:57)
8. Fences (3:37)
9. The Silence (3:46)
10. Lost In Proximity (3:21)
11. Featherweight (4:21)