Allgemein Live Musik Reviews Tipp der Redaktion

Bericht: Francis Rossi „Songs from the Status Quo Songbook & More“, 18.05.2026, Theater am Aegi, Hannover

Francis Rossis Tour „Songs from the Status Quo Songbook & More“ bewies, dass Intimität, Humor und der über Jahrzehnte

Bericht: Francis Rossi „Songs from the Status Quo Songbook & More“, 18.05.2026, Theater am Aegi, Hannover

Francis Rossis Tour „Songs from the Status Quo Songbook & More“ bewies, dass Intimität, Humor und der über Jahrzehnte gereifte Charme eines „Road Warriors“ genauso fesselnd sein können wie eine Rock Show im Stadionformat. Seit den frühen sechziger Jahren ist der GOMORR (The Grand Old Man Of Rock And Roll), wie er liebevoll von seinen Bandkollegen genannt wird, inzwischen schon in Sachen Rock’n’Roll unterwegs. Neben seiner britischen Heimat war es vor allem Deutschland, das dem Sound der Band so hingebungsvoll erlegen war.

credit@Lynn Frances Photography

Im Theater am Aegi bot Rossi – Platz genommen in seinem roten Sessel und begleitet von dem Gitarristen und Produzenten Andy Brook – einen Abend, der (halb)akustische Neuinterpretationen, Anekdoten und jene Art von trockenem Witz miteinander verband, die wohl nur ein 75-jähriger Rockveteran sich erlauben kann. Rossi ist bekannt für seinen knochentrockenen britischen Humor, den er immer wieder mit einem leichten Schmunzeln ausgiebig verteilt. So auch an diesem Abend.

credit@Lynn Frances Photography

Rossi betrat die Bühne ohne jeglichen Pomp – keine elektrische Telecaster, kein Jeans-Outfit, keine seiner typischen Bühnenposen; stattdessen nur ein verschmitztes Grinsen und die Bereitschaft zum Plaudern. Der erste Teil der Show war stark von komödiantischen Elementen geprägt; Rossi eröffnete den Abend mit der Bemerkung auf Deutsch an das Publikum, es sei eine Freude seine Hannoveraner Freunde wiederzusehen. Danach noch den einzigen Satz, den er auf Deutsch vollständig sagen kann: „Können Sie mir den Weg nach Bielefeld sagen?“. Auch die „Bielefeld-Verschwörung“ war ihm nicht unbekannt.

credit@Lynn Frances Photography

Als die Musik einsetzte, tat sie dies mit dem psychedelischen Schimmer von „Pictures of Matchstick Men“ – eine eindrucksvolle Erinnerung daran, wie lange Rossi nun schon die britische Rocklandschaft prägt. Zwischen den Songs versuchte er immer wieder seinen Begleiter, Andy Brook, aus der Reserve zu locken, ihm in seiner ganz eigenen Art ein paar Worte zu entlocken – und scheiterte regelmäßig daran: „He’s not that much of a talker.“, teilte er dem Publikum mit seinem verschmitzten Lächeln mit.

credit@Lynn Frances Photography

Von dort aus führte die Setlist durch eine Reihe von Fan-Favoriten – „In The Army Now“, „Spinning Wheel Blues“, „Down Down“, „Rockin’ All Over the World“, „Caroline“ –, die allesamt in ein warmes, akustisches Gewand gekleidet waren. Diese Arrangements stellten sowohl Rossis Gespür für Melodien als auch Brooks feinfühlige (und fingerfertige) Begleitung eindrucksvoll in den Vordergrund.

credit@Lynn Frances Photography

Ein musikalischer Höhepunkt war wohl die ausgedehnte Version von „Lay Down Roll Over“, ohnehin seit den Siebzigern ein Fan-Favorit, die Rossis unbestreitbares Können zur Geltung brachte. Die Arrangements waren bewusst schlicht gehalten, wirkten jedoch zu keinem Zeitpunkt dünn oder karg; vielmehr schufen sie Raum für Rossis Stimme – leicht rau, doch stets ausdrucksstark –, um die emotionale Tiefe jener Songs zu transportieren. Wie drückte er es aus, als er andeutete, dass seine Stimme aufgrund einer kleinen Erkarnkung nicht unbedingt die Beste wäre: … somewhere between Bonnie Tyler and Joe Cocker.“

credit@Lynn Frances Photography

Zwischen den Songs verlor sich Rossi in ausschweifenden Anekdoten über die Anfangsjahre von Status Quo, das Chaos des Ruhms und Geschichten hinter einigen der berühmtesten Quo-Songs. Bei dieser Gelegenheit brachten diese Anekdoten den Ablauf nicht aus dem Gleichgewicht, denn genau dieser Humor machte einen großen Teil des Charmes der Show aus. In der ersten Hälfte vor der 20-minütigen Pause mehr als danach, als die großen Hits gespielt wurden. Doch genau das war ja schließlich das Konzept, das hinter der Tour steckt. Francis Rossi, der elder statesman des Boogie Rock, der so unglaublich viele Geschichten zu erzählen hat, dass ein einziger Abend wohl kaum ausreicht. Für den ein oder anderen Anwesenden war es dann vielleicht auch ein bisschen zu viel der Geschichten, was aber am Ende immer eine Frage des Respekts gegenüber einem Musiker mit solch einer langen Vergangenheit sein sollte.

credit@Lynn Frances Photography

Das Publikum – größtenteils langjährige Quo-Anhänger – reagierte durchweg mit großer Herzlichkeit. Bei den großen Hits stimmten alle begeistert mit ein, und Rossis alles andere als subtile Aufforderungen während des Songs „Caroline“ brachten den ganzen Saal zum Singen und sich von den Sitzen zu erheben. Das sah am Anfang, als sich die Zuschauer noch ein wenig aufwärmen mussten, norddeutsche Zurückhaltung eben, noch völlig anders aus. Aber auch hier war Rossi der Lage gewachsen, spöttelte ein wenig und animierte das Publikum auch immer wieder.

Dies war kein Status-Quo-Konzert – und genau deshalb funktionierte es so gut. Es bot die Gelegenheit, Francis Rossi als Geschichtenerzähler und als Musiker zu erleben, der niemandem mehr etwas beweisen muss, aber noch so viel zu erzählen hat. Die akustischen Arrangements offenbarten neue Facetten in den vertrauten Liedern, der Humor war schlagfertig, und die Atmosphäre war geprägt von einer echten Verbundenheit.

credit@Lynn Frances Photography

Set List:

Pictures of Matchstick Men

In My Chair

Spinning Wheel Blues

Wild Side Of Life

Gerdundula

Don’t Waste My Time

Rock’n’Roll

Burning Bridges (On & Off & On Again)

Pause

What You’re Proposing

And It’s Better Now

Someone Show Me Home

Tongue Tied

Roll Over Lay Down

Rockin’ All Over The World

Down Down

Caroline

Fazit: Für die 1.000 Fans war es eine nostalgische Feier und ein Abend, dessen Erlebnis sich absolut gelohnt hat. Allerdings war von dem „More“ nicht viel zu erleben. Solo-Songs wurden leider nicht dargeboten.

Bericht verfasst von Jens-Peter Topp